In eigener Sache

Detail-Informationen

Autor

Stefan Niggemeier

verfasst am

03.03.2014

im Heft

journalist 3/2014

Freier Journalist, Blogger, Meinungssager – für Stefan Niggemeier ist das kein Widerspruch. (Bild: Kat Menschik)

Journalisten, Aktivisten und Fans

"Ich habe eine Meinung"

Dürfen Journalisten Aktivisten sein? Müssen sie gar? Machen wir es doch mal persönlich. Stefan Niggemeier ist Journalist und Blogger. Und er hat eine Meinung. Zur Bild-Zeitung zum Beispiel oder zum Leistungsschutzrecht. Diese Meinung kann man in seinem Blog nachlesen, er macht keinen Hehl daraus, er streitet sogar dafür. Disqualifiziert ihn das auf diesen Themenfeldern als Journalist? Wir haben ihn gebeten, diese Frage selbst zu beantworten.

An einem Montagmorgen um kurz vor zehn entstand auf Twitter eine kleine Diskussion. Es ging darum, welches deutsche Medium am nächsten an den Klitschkos ist. Der Spiegel hatte in seiner Hausmitteilung geprahlt, dass die beiden Brüder seinen Reporter Marc Hujer "tagelang so nahe wie kaum einen anderen Journalisten an sich heranließen".

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann wollte das nicht auf seinem Reporter Paul Ronzheimer sitzenlassen, der seit Wochen dichter an Vitali Klitschko war als dessen Schatten, und mokierte sich per Tweet. Ronzheimer selbst antwortete ihm mit Smiley: "Man muss auch gönnen können" und verriet, dass er auf dem Foto, das der Spiegel von seinem Reporter mit den Klitschkos zeigte, direkt neben Vitali sitze, nur eben außerhalb des Bilds.

Es war ein klarer Punkt für Bild, nicht nur was den Abstand zum ukrainischen Boxer und Oppositionsführer angeht, sondern auch die Wahl der Kommunikationsmittel. Wer Ronzheimer auf Twitter folgte, wusste ohnehin, wie nah er Klitschko war, durch ungezählte Fotos, die den Ukrainer im Flugzeug, beim Telefonieren, in Menschenmengen, an der Tankstelle, im Krankenhaus oder, als "Selfie" von Ronzheimer, mit dem Bild-Reporter höchstselbst zeigten. Selbst die Schachtel mit dem Grippemedikament, das Klitschko gegen seinen Husten nahm, twitterte er.

Andererseits war Ronzheimer so nah an Klitschko, dass er in einem Rennen nach journalistischen Regeln eigentlich hätte disqualifiziert werden müssen. Es gab da nicht mehr den Hauch eines Abstands. Es schien, als ob selbst die Kategorie des embedded journalist nicht mehr angemessen wäre, sondern er als Fan, Sprecher, Manager oder Bauchrednerpuppe Klitschkos agierte.

Informationsvermittler oder engagierte Kritiker?

Passend dazu zeigte Diekmann auf Twitter stolz Fotos vom Klitschko-Besuch in der Redaktion, wie der Politiker ihm einen Pin mit dem Abzeichen seiner Partei ansteckte.
All das schien eine geradezu vorbildliche Umsetzung dessen zu sein, was in der jüngeren Vergangenheit als Zukunft des Journalismus gepriesen wurde: Autoren, die sich ins Getümmel stürzen, die sich frei machen vom alten Ziel größtmöglicher Neutralität und für die gute Sache kämpfen, die eine ganz besondere Nähe herstellen, zu den Objekten ihrer Berichterstattung und den Lesern.

Es war allerdings nicht Paul Ronzheimer, der Nachwuchsstar am Bild-Reporterhimmel, der in Deutschland eine mittelgroße Debatte über den Unterschied zwischen Aktivisten und Journalisten und die Notwendigkeit einer Grenze zwischen beiden in Gang gebracht hat, sondern Glenn Greenwald, der amerikanische Anwalt und Journalist, der mit Edward Snowden an der Veröffentlichung der geheimen NSA-Dokumente gearbeitet hatte. Auslöser war, dass Greenwald in einem Vortrag auf einem Kongress des Chaos Computer Clubs von sich und den Hackern als "wir" und dem gemeinsamen Kampf gesprochen hatte.

Die Diskussion um die Frage, ob Journalisten mit ihrer Berichterstattung für eine Sache kämpfen oder werben dürfen, an die sie glauben, ist uralt. Die Kommunikationswissenschaft hat größere Teile ihrer Forschung damit verbracht, nach dem Selbstverständnis und Rollenbild von Journalisten zu fragen und zu unterscheiden zwischen (möglichst neutralen) Informationsvermittlern und engagierten Kritikern, Anwälten und Kontrolleuren, die mit ihrer Arbeit die Welt in irgendeiner Weise besser machen wollen.

Friedrichs wird missverstanden. Als Gesetz.

In Deutschland leidet die Debatte darunter, dass der berühmte, endlos zitierte und meist überinterpretierte Satz von Hanns Joachim Friedrichs, ein Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten, nicht als Meinungsäußerung eines respektierten Journalisten und Moderators verstanden, sondern als Gesetz missverstanden wird.

Machen wir es mal persönlich.

Ich bin Unterstützer der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL). Bevor der Bundestag ein entsprechendes Gesetz für die Presseverlage verabschiedet hat, hatte ich einen entsprechenden Button auf meiner Internetseite, mit dem ich mich als Gegner dieses Vorhabens erkennbar machte.

Nach Ansicht maßgeblicher Kollegen beim Spiegel, für den ich eineinhalb Jahre schrieb, hat mich das disqualifiziert, im Blatt über das Thema zu berichten. Mein öffentliches Bekenntnis zu meiner Position machte mich in ihren Augen zu einem nicht mehr unabhängigen Berichterstatter über das Thema. (Der Spiegel-Verlag ist übrigens für das Leistungsschutzrecht.)

Wohlgemerkt: Ich war unabhängig. Ich wurde nicht von Google oder anderen Leistungsschutzrecht-Gegnern in irgendeiner Form bezahlt. Ich war kein Mitglied eines Vereins und habe an keinen Gruppentreffen oder Ähnlichem teilgenommen. Ich war nur der Meinung, dass ein solches Gesetz falsch und schädlich ist. Und insbesondere angesichts der Art, wie Verlage und die in ihren Diensten stehenden Journalisten ihre Macht ausnutzten, fand ich es richtig, den Kampf dagegen auch aktiv und sichtbar zu unterstützen – durch das Logo auf meiner Seite.

Ich habe in meinem Blog viel über das Leistungsschutzrecht berichtet. Ich halte die Einträge für zutreffend und journalistisch einwandfrei. Aber natürlich war eine wesentliche Motivation, sie zu schreiben, meine Überzeugung, dass das Leistungsschutzrecht falsch ist, und meine Hoffnung, dass es durch entsprechende Berichterstattung – oder etwas pathetischer gesagt: Aufklärung – zu verhindern sei.

Das ist kein Widerspruch. Denn ich musste – anders als ein Lobbyist – nicht gegen das Leistungsschutzrecht sein, weil ich dafür bezahlt wurde oder weil mein Arbeitgeber es so wollte. Ich hätte mich – anders als etwa ein Partei- oder Vereinsmitglied – auch nicht verrenken müssen, wenn sich meine Meinung geändert hätte. Ich war einfach gegen das Leistungsschutzrecht, weil ich die Argumente dagegen überzeugend fand.

Deshalb war das Ziel, die Leute umfassend und zutreffend über das Leistungsschutzrecht zu informieren, zugleich ein Mittel, um ein anderes Ziel zu erreichen: ein Leistungsschutzrecht unwahrscheinlicher zu machen.

Macht mich das zum Aktivisten? Und wenn ja: Beeinträchtigt das mein Journalistsein?
Ich habe vor Jahren viel über 9Live und andere Anrufsender geschrieben. Ich hielt deren Geschäftskonzept für unanständig. Ich hatte die Hoffnung, dass es hilft, darüber zu berichten, um ihnen ihr Geschäft zu erschweren. Um Druck auf die vermeintlichen Aufsichtsbehörden zu machen.

Was ist Journalismus, was Aktivismus?

Ich schreibe seit Jahren über die Bild-Zeitung, weil ich denke, dass es hilft, über die Methoden dieses Blatts aufzuklären. Ich tue das nicht aus einer Position der Neutralität gegenüber dieser Zeitung. Ich glaube, es wäre falsch, den oft niederträchtigen Methoden dieses Blatts "neutral" gegenüberzustehen. Deshalb gibt es Bildblog: Weil wir etwas tun wollten gegen dieses Blatt und seinen Einfluss.
Aber wenn wir auf Bildblog darüber berichten, was dieses Blatt tut, orientiert an Fakten – ist das Aktivismus? Oder Journalismus? Dürfen "seriöse" Medien mich noch engagieren, um über die Bild-Zeitung zu schreiben, oder muss mindestens eine Art Beipackzettel-Hinweis darunter stehen, dass ich Bildblog gegründet habe und insofern irgendwie parteiisch sei?

Sind Mats Schönauer und Moritz Tschermak mit ihrem Regenbogenpresseblog Topf voll Gold Aktivisten im Kampf gegen Die Aktuelle und all die anderen Lügenbolde? Oder machen sie einfach eine urjournalistische Arbeit, wenn sie sich an diesen Blättern abarbeiten und ihre Methoden im Detail entlarven?

Die Wirtschaftswoche-Redakteurin Melanie Bergermann wurde Anfang des Jahres als Wirtschaftsjournalistin des Jahres ausgezeichnet – vor allem weil sie die dubiosen Machenschaften der Immobiliengruppe S&K aufdeckte. In ihrer Dankesrede kündigte sie an, weiter zu recherchieren: Man könne bestimmt in diesem Jahr noch mit "ein, zwei ähnlichen Geschichten aufwarten" von Leuten, denen auf dem Kapitalmarkt der moralische Kompass abhanden gekommen ist. Das ist Alltag im investigativen Journalismus, gezielt nach Skandalen und Abgründen zu suchen, ganz im Sinne von Lesern und Verbrauchern, die davon profitieren, wenn Mechanismen enthüllt und schwarze Schafe enttarnt werden, nichts Neues.

Was wäre, wenn Bergermann anfangen würde zu twittern? Wenn sie ihre Rechercheergebnisse in einem Blog sammeln, zusammen mit Links und Hinweisen auf andere Artikel und Aktionen von Verbraucherschützern, sich unter der Überschrift "Gegen die schwarzen Schafe am Grauen Kapitalmarkt" mit anderen zusammentun würde? Würde ihr das mehr Aufmerksamkeit verschaffen? Wäre diese Aufmerksamkeit gut für sie – oder für ihre Leser? Und an welcher Stelle genau liefe sie Gefahr, als Aktivistin zu gelten und womöglich stigmatisiert zu werden? Ab wann könnte man sie in einem streng auf "Ausgewogenheit" ausgerichteten Beitrag nicht mehr als Expertin auftreten lassen, ohne ihr einen Vertreter einer Gegenposition gegenüberzustellen?

Ich glaube, dass die Unterscheidung zwischen Journalisten und Aktivisten an dieser Stelle falsch und sinnlos ist. Es handelt sich um zwei verschiedene Formen des Journalismus, und beide lassen sich nach demselben Maßstab beurteilen: ob sie der Wahrheitsfindung dienen. Natürlich muss ein Journalist unabhängig sein, natürlich darf er sich nicht einem Verein, einem Unternehmen, einer Person verpflichtet fühlen, sondern nur einer Sache. Natürlich darf er kein Lobbyist sein. Aber er darf Überzeugungen haben und leidenschaftlich dafür kämpfen.
Und das insbesondere dann, wenn dieser Kampf darauf ausgerichtet ist, Machenschaften der Mächtigen aufzudecken, wie es das Konzept des adversarial journalism vorsieht, das Leute wie Glenn Greenwald propagieren und praktizieren.

Ich bin dadurch, dass ich die Bild-Zeitung studiert habe, zum Gegner der Bild-Zeitung geworden. Und ich habe, weil ich Gegner der Bild-Zeitung bin, die Bild-Zeitung genau studiert. Es gibt da keinen Widerspruch zwischen meiner Haltung zu dem Thema und dem Wissen darüber. Ich glaube, dass die beste Waffe gegen Bild das Informieren über Bild ist, und dieses Selbstverständnis lässt sich auf viele Journalisten übertragen, die sich mit Leidenschaft an einem Thema abarbeiten.

Ziel ist die Information der Öffentlichkeit

Natürlich lauert darin eine Gefahr: die eigene Haltung nicht mehr zu überprüfen. Informationen auszublenden, die die eigenen Standpunkte infrage stellen. Aber das ist immer eine Gefahr im Journalismus, in anderer Form auch dann, wenn alle gerade, ausgelöst und bedingt durch aktuelle Ereignisse, mit ihren Recherchen und Kommentaren dasselbe Ziel ins Visier nehmen: Sei es der Bundespräsident oder der ADAC. In diesen Fällen ist es dann weniger die eigene Überzeugung als der Herdentrieb, der dazu führen kann, widersprüchliche Informationen nicht entsprechend zu würdigen. Hier werden Journalisten tage- und wochenweise zu Aktivisten, ohne dass diese Rolle entsprechend wahrgenommen wird. In vielen Fällen zielt der Journalismus dann mindestens so sehr wie das Engagement der vermeintlichen Aktivisten-Journalisten auf eine Wirkung seiner Arbeit, die sich nicht auf Aufklärung beschränkt – besonders drastisch war das im Fall von Christian Wulff zu erkennen, bei dem es schien, als könnte dessen Rücktritt das einzige mögliche Ende der Berichterstattung sein.

Als Blogger, als jemand, dessen Positionen und Passionen sichtbar sind, fällt es mir leichter, diese auch transparent zu machen und zu reflektieren. Und ich bin überzeugt: Solange das Mittel und Ziel meiner publizistischen Arbeit die Information der Öffentlichkeit ist, schadet es meiner journalistischen Arbeit nicht, wenn das auf einer klaren eigenen Haltung beruht – oder, um es weniger hehr zu formulieren, persönlichen und zum Teil sicher auch willkürlichen Leidenschaften folgt.

Aktivistischer Journalismus hilft der öffentlichen Debatte, aber wir brauchen auch Journalismus, der im besten Sinne leidenschaftslos ist und versucht, nüchtern und distanziert Informationen zusammenzutragen. Das ist kein Entweder-oder. Es handelt sich um verschiedene Formen des Journalismus, die sich ergänzen, und ich glaube, man muss sich nicht einmal als Einzelner für eine von beiden entscheiden. Ich kann in meinem Blog wuchtig gegen Gewinnspielsender anschreiben und mich dann in der Zeitung zurücknehmen und nüchtern über deren Methoden informieren.

Was die Bild-Zeitung zum Beispiel mit ihrer Ukraine-Berichterstattung macht, hat dann aber bei genauerem Hinsehen damit doch nichts zu tun. Sie kämpft nicht für die Demokratie in der Ukraine, sondern macht sich mit einer Partei gemein, einem Politiker, der in Deutschland als Boxer extrem populär ist und von dessen Popularität und möglichem Erfolg die Zeitung profitieren will. Auch dafür lassen sich die modernen Mittel der Kommunikation effektiv einsetzen, auch dabei hilft es, sich persönlich als Journalist in Szene zu setzen. Es macht nur die Bild-Berichterstattung nicht besser, womöglich aber wirkungsvoller.

Der Autor

Stefan Niggemeier arbeitet als freier Journalist und Blogger in Berlin. Hier geht es zu seinem Blog. Hier geht es zum Bildblog.

Die März-Ausgabe des journalists ist erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

Titelthema: Die Aufdecker. Warum investigativer Journalismus boomt

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

03.03.2014 19:12

Neru Kaneaj

Es ist doch ganz einfach. Die Bild-Zeitung und Springer sind aus Prinzip parteiisch. Es steht doch sogar in deren Satzung, dass sie transatlantische Interessen vertreten. Der Journalist vertritt ausschließlich die Interessen der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wenn die Bild morgen aufhört, so einen Mist zu verzapfen, würdest du doch über etwas anderes schreiben.

04.03.2014 10:27

M. Boettcher

Wenn Journalisten nicht Position beziehen, keine Meinung haben und äußern dürften, würde Jounalismus auf die Verbreitung von Verlautbarungen reduziert, jeder Kommentar, jede Wertung unzulässig. Es würde keine Hintergrundinformationen geben und "wahr" wäre, was in Pressemitteilungen, Verlautbarungen und amtlichen Publikationen stünde. Wer wollte unter solchen Bedingungen Journalist sein?

04.03.2014 10:55

Otto Hildebrandt

Orginelle Idee: Einen der führenden Meinungsjournalisten in Deutschland zu etwas zu befragen, das er gar nicht kann. Soliden Journalismus außerhalb der Medienblase.

04.03.2014 11:26

Knut Kuckel

Journalisten dürfen heute - anders als zu Hajo Friedrichs Zeiten - subjektiv sein. Als Kommentatoren, Kolumnisten, Reporter müssen sie es sein. Aktivismus ist meiner Auffassung nicht gleich zu setzen mit Journalismus. Dabei geht es um sehr persönliche Aktionen, die in einer Weise die Öffentlichkeit suchen, die sich nicht mit Journalismus in Einklang bringen lässt. Dabei denke ich etwa an die Femen-Aktionen, Frankfurter Startbahngegner aus der 68er Szene oder Atomkraftgegner, die sich an Bahngleise ketten. Darüber muss ich als Journalistin/Journalist berichten, darf aber nicht Teil der Aktion sein.

Twitter-Marketing (s. Klitschkos) ist kein Journalismus, will in offensiver Weise auf journalistische Engagements verweisen. Ich bin bloggender Journalist, weil ich in meine persönlichen Blog auch Meinung beziehen darf, die direkter ist als in einem Zeitungsartikel. So sehe ich BILDblog oder "Topf voll Gold". Tabu ist für mich, über mein-Blog-Engagement zum journalistischen Beitrag anderer Medien zu machen. Es sei denn, es ginge im Interview darum oder der "Journalist" bittet mich - wie in diesem Fall - Position zu beziehen.

04.03.2014 14:16

Jan Mielke

Jeder Journalist darf so einseitig sein, wie er will. Wenn er Medien findet, die ihn veröffentlichen, dann hat er Glück gehabt. Jedes Medium darf aber auch die Journalisten auswählen, die es veröffentlicht.

Jeder Journalist kann auch selbstverantwortlich etwas "Eigenes" auf die Beine stellen. Er kann allein oder mit anderen zusammen eine eigene Zeitung oder Zeitschrift gründen. Das war und ist sehr schwierig. Er kann ein Buch schreiben. Wenn er keinen Verleger findet, wird er selbst zum Verleger oder er lässt sein Werk gegen Bezahlung von darauf spezialisierten Dienstleistern drucken oder als E-Book herausbringen.

Seit einigen Jahren gibt es die sogenannten Blogs. Jeder kann auf diese Art schreiben, was er will. Auch ein Herr Niggemeier. Im Bildblog tat er es erfolgreich, in seinem eigenen Blog ebenso.

Er kann aber nicht verlangen, dass etablierte Medien ihn als festen oder freien Mitarbeiter beschäftigen. Der Spiegel wollte ihn nicht behalten, aber die FAS bezahlte und bezahlt ihn gerne. Als FAS-Abonnent gefällt mir das wenig, aber das ist Geschmackssache, so ähnlich wie der ESC (Eurovision Song Contest).

04.03.2014 14:54

Klaus Mueller

Weiter so, Stefan N. !
Das einzige, was mich noch ein bissl stört, ist Dein schlechter Musikgeschmack, immerhin bist Du doch kein 13jähriges Mädel!

04.03.2014 18:17

Lukas Noregatt

Volle Zustimmung. Wer als Journalist Missstände (oder ggf. auch mal Erfreuliches) aufdecken will, muss sie als Misstände (oder ggf. auch Gutes) erkennen können - und sobald er sie erkennt, ist er nicht mehr "neutral", sondern hat eine Haltung dazu.

Wer Missstände erkennt, dann die Schultern zuckt und sagt, "ist mir völlig egal, ich bin nur Journalist", statt nötigenfalls auch zu handeln, ist schon als Mensch nicht integer und kann es auch als Jounalist nicht sein. Ein Journalist sollte vom dem überzeugt sein, was er schreibt. Das ist das Gegenteil von Neutralität der Sache gegenüber.

Ein Vortäuschen von Neutralität, indem man - vorsichtig dosiert natürlich - Gegenargumente einbaut und nur scheinbar abwägt, indem man bewusst Pro-Argumente vorenthält, weil es sonst "zu einseitig aussieht" und ähnlicher Humbug sind nichts als Täuschung des Lesers. Wenn Wahrheit das Ziel ist, wäre man mit solcherart "Neutralität" schon nah an der Lüge.

04.03.2014 19:48

DL2 MCD

"Ich kann in meinem Blog wuchtig gegen Gewinnspielsender anschreiben und mich dann in der Zeitung zurücknehmen und nüchtern über deren Methoden informieren."

Sofern man das finanzielle Polster hat, das ist im eigenen Blog nur selten gegeben und bei Online-Magazinen auch nicht. Die Zeitung hätte das Polster noch - aber der, der sich durch den Artikel gestört fühlt, wird gegen den freien Journalisten vorgehen und nicht die Zeitung, weil er weiß, daß der kein Geld hat und deshalb vom Thema zukünftig die Finger lassen muß. Alleine deshalb ist eine Berichterstattung über solche Themen - ob objektiv oder subjektiv - nicht mehr möglich.

Und der "Herdenjournalismus" kommt auch genau hieraus: Einen bereits von BILD angeschossenen Wulff niederzumachen, ist ungefährlich. Ebenso hätte sich vor der SZ kaum jemand am großen ADAC versucht, aber dann mitzureiten, wenn ein anderer bereits das Risiko eingegangen ist, ist relativ ungefährlich.

Und die Meinung? Die kann nur im Blog authentisch sein. In der Zeitung weiß man nie, ist es wirklich die des Journalisten oder die des Chefredakteurs? Selbst vermeintlich "freie" Medien sind es nicht. Es gibt überall Grundsätze, wer gut und wer schlecht wegzukommen hat.

04.03.2014 23:05

Jörg Staude

Ein Journalist soll sich nicht mit einer guten Sache gemein machen, außer mit der eines guten, selbstbewussten, der Wahrheit und der Humanität verpflichteten Journalismus.

05.03.2014 09:52

Dana Savic

Eine gute Journalistin ist wie ein guter Maler oder eine gute Schauspielerin. Ihre Qualität besteht darin, so nah wie möglich in ihr Objekt, ihre Rolle einzutauchen und gleichzeitig so weit wie nötig Abstand zu nehmen, um überhaupt beurteilen zu können, was man tut. Auf die Haltung kommt es an - das war aber übrigens schon immer so.

06.03.2014 15:54

Dieter Hoogestraat

Kollege Niggemeier sagt, was man im Journalismus unserer Couleur gerne mal häufiger sagen darf: dass es für einen Menschen quasi unmöglich ist, objektiv zu sein. Selbst Friedrichs machte sich mit seinem Zitat gemein: nämlich mit den Gleichgültigen. Wegschauen aber, wir anderen wissen das, gilt nicht.

18.03.2014 13:03

Max Pahl

Ein aktivistisches Interesse und journalistische Arbeit schließen sich in der Tat nicht aus, wenn der Journalist seine Argumente sachlich begründet und auf Einwände in einer möglicherweise angestoßenen Debatte auf Grundlage von Fakten reagieren kann.

Die Andeutung, dass Journalisten unbewusst in starkem Ausmaß auf kollektive Deutungsmuster zurückgreifen, ist ebenfalls richtig (und wissenschaftlich untersucht). Diese Tatsache sollte beim Konsum von Medien ohnehin mit berücksichtigt werden.

 
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