Detail-Informationen

Autor

Anke Vehmeier

verfasst am

01.03.2012

im Heft

journalist 3/2012

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Umfrage

Mein bester Moment

Einen Preis abgeräumt? Jemandem aus der Patsche geholfen? Einen Politiker zu Fall gebracht? Was war Ihr größter Erfolg als Journalist? Und was würden Sie heute lieber aus Ihrem Lebenslauf streichen?

"Kein Preis, kein Scoop"

Bild: Kreiszeitung

Hans Willms, Chefredakteur Kreiszeitung Syke

Mein größter Erfolg? Mich nie verbogen zu haben! Ich habe zwar keine großen Journalistenpreise eingeheimst und auch keine großen investigativen Geschichten ausgegraben. Aber ich habe immer intensiv daran mitgearbeitet, den Lokaljournalismus weiterzuentwickeln, Kollegen zu motivieren und frischen Wind in die Redaktionen zu bringen.

Mein größter Flop war zweifelsohne der Versuch, bei den Lüdenscheider Nachrichten die Vereinsberichterstattung umzukrempeln. Wir wollten weg von den fast immer eher langweiligen Berichten über Jahreshauptversammlungen und Ausflugs- oder Kaffeefahrten. Unser Ziel: abwechslungsreiche Porträts verdienter Mitglieder, spannende Reportagen über Trainingsabende oder ein lesenswertes Interview mit dem Vorstand über die Probleme, neue Mitglieder zu gewinnen. Das fanden die Vereine zwar gut, aber sie bestanden dennoch weiter auch auf dem Althergebrachten – auf Jahresberichten, Fotos kompletter Vorstände und Reisegruppen vor dem Bus. Es war zum Verzweifeln. Heute gilt daher der eiserne Grundsatz: Das eine tun, aber das andere nicht lassen.

"Wir konnten helfen"

Bild: Radio Bielefeld

Martin Knabenreich, Chefredakteur Radio Bielefeld

Als persönliche Erfolge empfinde ich Momente, in denen ich mit meiner Arbeit konkret helfen kann. Momente, in denen sich zeigt, dass ich Aufmerksamkeit auf ein Problem lenken kann und dieses damit womöglich löse.

Vor einigen Jahren berichteten wir über das Schicksal eines kleinen Jungen. Auf dem Heimweg vom Kindergarten wurde er gemeinsam mit seiner Oma von einem Auto erfasst, dessen Fahrer die Kontrolle verloren hatte. Die Oma starb noch an der Unfallstelle, der Junge überlebte schwer verletzt. Damit wäre die Geschichte eigentlich schon zu Ende. Wir hakten aber nach und erfuhren von den enormen Problemen einer Familie, deren Leben sich schlagartig verändert hatte und die nun an den Folgen zu leiden hatten. Die Geschichte bewegte. Unzählige Hörer meldeten sich, und gemeinsam konnten wir der Familie helfen, durch Umbauten am Haus, eine Haushaltshilfe und vieles mehr. Derartige Geschichten erleben wir immer wieder, und sie sind eine großartige Motivation.

Einer meiner größten Flops war der Versuch, als junger Sportreporter ein Wasserballspiel live zu kommentieren. Dummerweise hatte ich nicht die geringste Ahnung, so dass das Ergebnis zum Debakel wurde.

"Debatten anstoßen"

Bild: Orell Füssli Verlag

Anette Dowideit, Investigativteam Die Welt

Bei meiner Arbeit schließen sich tiefgehende Recherche und das Ziel, in Agenturen und anderen Medien zitiert zu werden, nicht aus. Es ist sogar erklärtes Ziel, eigene Themen zu setzen, die zu Gesprächsthemen werden und dadurch idealerweise eine Systemdebatte anstoßen. Mit einer großen Recherche zum Thema Altenpflege habe ich die oftmals schlimmen Bedingungen für die Bewohner und Altenpfleger in solchen Heimen, die unter starkem Gewinndruck stehen, aufgedeckt. Die zahlreichen Reaktionen haben uns gezeigt, dass wir damit eine Debatte in der Gesellschaft angeregt und ein Umdenken in der Branche und in der Politik angestoßen haben.

Es war ein schöner Erfolg, mit der eigenen Arbeit wirklich etwas bewirken zu können. Außerdem haben wir ein Thema besetzt, das noch nicht von vielen Journalisten bearbeitet wird. Andersherum gibt es Themen, bei denen nicht so viel zu holen ist. So kann eine große Recherche auch zu einem Flop werden, wenn sich viele Medien sehr stark mit dem Feld beschäftigen. Das war etwa beim Thema Tierschutz so. Da gab es wenig Resonanz. Ökonomisch ist es am erfolgreichsten, eine Themen-Marktlücke finden.

"Selbst mitbestimmen"

Bild: Darko Tensek

Melina Ulbrich, freie Journalistin

Journalistischer Erfolg lässt sich für mich nicht an einem einzelnen Ereignis festmachen. Ich finde es spannend, an neuen Projekten zu arbeiten. Beim letzten Projekt – einer täglichen Kindernachrichtenseite für den Kölner Stadt-Anzeiger – war ich von Anfang an beteiligt: von der Konzeption über die Umsetzung bis zur journalistischen Betreuung. Als die Seite nach langer Planungsphase erschien und gut ankam, war das ein tolles Gefühl.

Für mich ist es wichtig, die Parameter meiner Arbeit selbst mitbestimmen zu können. Nach einem solchen Erfolg muss man allerdings aufpassen, nicht zu lange alleine an dem Projekt weiterzuarbeiten. Denn dann besteht die Gefahr, dass man unkritisch wird und sich selbst nicht mehr infrage stellt. So kann aus einem erfolgreichen Projekt auch schnell ein Flop werden.

"Wenn ich zufrieden bin"

Bild: Stephan Röhl

Daniel Fiene, Journalist und Moderator Antenne Düsseldorf

Über Erfolg zu reden, ist im deutschen Journalismus immer so eine Sache. Vor allem wenn es um den eigenen Erfolg geht. Leicht wird die Grenze in das Reich der Eitelkeiten überschritten. Mich nervt das, denn: Vom Inhalt der Arbeit wird abgelenkt.

Ich musste lange darüber nachdenken, was für mich persönlich Erfolg bedeutet. Ich bin dann erfolgreich, wenn ich mit meiner Arbeit zufrieden bin. Mich treibt meine Neugierde an. Es ist aber gar nicht so einfach, neugierig zu bleiben. Der Alltag ist der größte Gegner.

Es gibt noch einen zweiten Aspekt: Beständigkeit. Mein Kollege Herr Pähler und ich produzieren seit 2004 das Audio-Magazin Was mit Medien. Seit mehr als 270 Folgen ist der Aufbau der Sendung gleich – egal ob damals beim Campusradio, zwischendrin als On-demand-Inhalt bei Welt Online, jetzt als Podcast im Netz oder künftig unter dem Dach eines Radiosenders. Wir gehen zufrieden nach Hause, wenn wir unsere Gesprächspartner löchern konnten. Wenn uns die Hörer mailen: "Es hat mir wieder etwas gebracht, Was mit Medien zu hören, das hätte ich sonst nicht gewusst." Das ist dann mein persönlicher Erfolg.

 

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