Detail-Informationen

Autor

Svenja Siegert

verfasst am

11.10.2012

im Heft

journalist 10/2012

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Link zum Thema

Bilder: Florian Büh

Besser Online

Datenjournalismus? Open-Access? Roboter und Drohnen?

Was tun, um den Anschluss nicht zu verlieren? Der journalist fragte fünf Medienmacher, mit welchen Onlinethemen Journalisten sich noch in diesem Jahr beschäftigen sollten.

"Die meisten Journalisten durchdringen das Internet nicht"

Bild: Florian Büh

Stefan Plöchinger, Chefredakteur von Süddeutsche.de

Mit Netzpolitik. Nicht nur, weil sich in dem verqueren Streit über Urheber- und Leistungsschutzrecht erstaunlich viele Kollegen, sogar von Onlinemedien, als kenntnisarm entpuppt haben, als ideologisch oder auch unpolitisch. Sondern weil Journalisten zum Internet oft einfach schlecht recherchieren.

Kollegen, die zu allem eine Meinung haben, aber von nichts wirklich Ahnung, schreiben so halbseiden über Netzkonflikte, wie Populistenpolitiker diese für sich auszunutzen versuchen. Das Internet hat den Alltag der Deutschen durchdrungen, aber die meisten Journalisten durchdringen das Internet nicht. Wie sollen sie da Orientierungsgeber sein, zumal im bevorstehenden Wahljahr 2013, in dem die Abwesenheit einer deutschen Netzpolitik und die politische Anwesenheit der Piraten größere Themen werden könnten?

 

"Auf neue Themen einlassen"

Bild: Florian Büh

Marcus Bösch, freier Digitaljournalist mit Schwerpunkt Mobile Journalism

Wichtiger als das konkrete Thema ist meiner Überzeugung nach, dass sich Journalisten überhaupt auf neue Themen einlassen, eintauchen, ausprobieren, scheitern und lernen. Da Neuerungen meist aus der Kombination zunächst nicht zwangsläufig zusammenpassender Einzelteile entstehen (verkürztes Beispiel: Telefon plus Computer gleich Internet), empfehle ich: Wählen Sie ein Thema, das erstmal gar nichts mit Journalismus zu tun hat, und stellen Sie eine Verbindung her!

Egal ob Daten, Drohnen, Smartphones, Games oder Roboter – die nötigen Informationen, Experten, Tutorials und Gleichgesinnte finden Sie im Internet. Investieren Sie täglich eine Stunde. Um zu lesen, zu fragen und um eigenes Wissen zu teilen. Falls Sie in einer Sackgasse landen, probieren Sie einfach ein neues Thema aus.

"Open-Data-Modelle und Open-Access-Szenarien"

Bild: Florian Büh

Peter Welchering, Journalist, Medientrainer und Mitglied im Fachausschuss Online des DJV.

Journalismus funktioniert nur, wenn die Informationen frei sind. Das gilt auch für den Web-Journalismus. Deshalb sind Onliner besonders gefordert, sich mit Open-Data-Modellen und Open-Access-Szenarien auseinanderzusetzen. Dabei kommt man natürlich um die Entwicklung neuer Urheberrechtsmodelle und Verwertungsformen nicht herum. Journalistische Arbeit ist zwar insgesamt davon betroffen, aber Onlinejournalismus ist sehr direkt mit der Verwertung urheberrechtlicher Leistungen konfrontiert, die nicht mehr den ökonomischen Gesetzen der Knappheit unterliegen. Aus dem Web-Journalismus müssen hier wesentlich mehr Impulse für die Diskussion kommen. Ohne ein neues Urheberrecht ist auch der Onlinejournalismus nicht entwicklungs- und zukunftsfähig. Die Formulierung eines Immaterialgüterrechts muss den Alltagserfordernissen digitalen Arbeitens gerecht werden.

 

"Wissen, was möglich ist"

Bild: Florian Büh

Carolin Neumann, freie Journalistin

Mit der Frage, ob Journalisten künftig programmieren lernen müssen. Es ist eine spannende Wende: Einerseits sollten die meisten Content Management Systeme (CMS) inzwischen so gut sein, dass eingehendere technische Kenntnisse nicht mehr notwendig sind, um einen Artikel im Internet zu veröffentlichen. Jedoch machen Datenjournalismus und multimediale Projekte zumindest gewisse Grundfähigkeiten nötig, um bei der Teamarbeit mit den Technikexperten zu wissen, was möglich ist – und was eben nicht.

Für mich liegt die Antwort in einem unangestrengten Mittelweg: Wer online publiziert, sollte wenigstens wissen, wofür die häufigsten HTML-Tags stehen und schon mal einen Befehl in einer der gängigen Programmiersprachen gesehen haben. Es kann unsere Arbeit nur besser machen!

Themen mediumsgemäß präsentieren

Bild: Florian Büh

Lorenz Matzat, Journalist, Unternehmer und Medienpädagoge

Ein großes Hindernis für Onlinejournalismus stellen die Redaktionssysteme, CMS, dar. Sie setzen den Erzählmöglichkeiten im Netz enge Grenzen, weil sie von einer Printsicht geprägt sind.

Doch was braucht eine flexible Nachrichtenplattform im Netz, damit Themen mediumsgemäß präsentiert werden können? Was bedeutet es, dass immer mehr Inhalte auf Smartphones und Tablets rezipiert werden – und Leser gegebenenfalls gar nicht mehr auf die eigene Website kommen, sondern Apps wie Flipboard nutzen? Sind Paywalls eine Antwort, oder schafft man so nicht nur Platz für Konkurrenten mit einem anderen Geschäftsmodell? Wie wird Journalismus auf digitalen Brillen à la Google Project Glass aussehen? Das sind Fragen, mit denen sich auch Onlinejournalisten jetzt beschäftigten sollten – und nicht nur die Chefetagen.

Alle Umfragekandidaten waren Teilnehmer der DJV-Tagung Besser Online 2012. Die Dokumentation der Veranstaltung zum Nachlesen gibt es hier.

 

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Titelthema: Der Journalisten-Mythos: Nichts als die Wahrheit. journalist-Autor Hans Hoff fordert: "Hört auf, so zu tun als ob!".

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