Detail-Informationen

Autor

Svenja Siegert

verfasst am

03.08.2015

im Heft

journalist 8/2015

Auch die ze.tt-Redaktion, ein neuer Onlineableger aus dem Zeit-Verlag, wird Inhalte nur oder zumindest zuerst auf Social Media ausspielen.
Bild: Jan Zappner

Umfrage

Überlassen Sie die Inhalte ihrer Website Facebook?

Das Publikum ist auf Facebook, Instagram, YouTube, Snapchat. Und die Redaktionen? Schicken jetzt ihre Inhalte hinterher. Doch es gibt auch Skeptiker.

"Wir wären bei einem ersten Test gerne dabei"

Jochen Wegner, Zeit Online
Bild: V. Tammen

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Ja, wenn wir dort neue Leser erreichen können, die für uns wichtig sind. Noch attraktiver ist es für uns, wenn damit auch ein Geschäftsmodell verbunden ist. Allerdings liegt der Fokus klar darauf, Leser auf unseren eigenen Plattformen zu erreichen.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Wir freuen uns darüber, dass Journalismus bei Google, Apple und Facebook auf hohes Interesse stößt und Teil strategischer Initiativen ist. Das war vor einigen Jahren anders. Wir sehen dies auch nicht als Bedrohung, solange wir uns nicht von einer Plattform abhängig machen und die Unternehmen transparent agieren.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Wir wären bei einem ersten Test gerne dabei und sind in Gesprächen mit Facebook. Noch haben wir die Vereinbarung für den Beta-Test nicht gesehen.

"Wir wollen unsere Inhalte selbst vermarkten"

Christian Lindner, Rhein-Zeitung
Bild: J. Weber

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Nein – wenn es um Plattformen für das kostenlose Verbreiten von Content geht. Wir haben die Entscheidung getroffen, dass RZ-Content im Netz nicht mehr gratis zu haben ist und wir die Vermarktung zuvorderst selbst betreiben. Sollten sich Plattformen entwickeln, die Content kostenpflichtig vertreiben, werden wir diese interessiert und vom Grundsatz her befürwortend prüfen.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Das bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass das Verschenken hart erarbeiteten Contents im Netz auf der Jagd nach Reichweite ein Branchenirrtum ist.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Nein. Wir wollen unsere Inhalte selbst vermarkten – und zwar nicht werbefinanziert, sondern durch den Verkauf von Content.

"Wenn wir davon mindestens so profitieren wie Facebook, ist das eine Option"

Stefan Plöchinger, sz.de
Bild: C. Mirbach

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Wir tun das auf Tumblr schon, mit SZ Espresso, Phänomeme, Langstrecke und unserer International Site – weil wir die Plattform dafür praktisch finden und sie sich dennoch in unsere URL-Struktur einfügt. Wenn es die eigene Marke oder das eigene Geschäftsmodell stärkt, können wir uns das auch bei anderen Plattformen vorstellen.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Uns freut jedes aufrichtige Interesse. Wobei mich am meisten freut, dass die Begründung von Journalismus, wie wir ihn verstehen, damit für jeden offensichtlich wird: Er ist auch für Technologieunternehmen etwas Wertvolles, das in Zukunft noch gebraucht wird. Man muss nur aufpassen, dass dieses Interesse zu beiderseitigem Nutzen führt.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Wenn wir davon mindestens so profitieren wie Facebook, ist das eine Option.

"Facebook verspricht eine gewaltige Reichweite – auch in der Region"

Alexander Houben, Trierischer Volksfreund
Bild: R. Kaster

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Ja. Wenn wir sie entsprechend monetarisieren können. Die User sollen den Kontakt mit dem Trierischen Volksfreund haben. Egal ob das mit der Zeitung ist, online auf volksfreund.de, auf Facebook, Twitter, auf einer Uhr oder mit einem Apple-Gehirn-Implantat. Wir wollen Inhalte für jede relevante Plattform machen.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Ist doch nachvollziehbar, dass sie ihren Usern frischen Content bieten wollen, um sie länger an sich zu binden. Und – oh, surprise! – das geht mit guten journalistischen Inhalten, die image- und markentechnisch besser passen als Cat Content. Letztlich werden Technologiefirmen zu Publishern. Na und? Zeitungen werden auch schon lange nicht mehr nur von Verlegern herausgegeben.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Allerdings weiß ich nicht, ob wir bei Facebook ganz oben auf der Abtelefonierliste stehen. Ansonsten verspricht Facebook einfach eine gewaltige Reichweite auch in der Region, und wir können die Inhalte monetarisieren.

"Wir prüfen das gerade"

Thomas Kemmerer, DuMont
Bild: DuMont

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir Inhalte speziell für bestimmte Plattformen erstellen oder aufbereiten und somit “exklusiv“ anbieten – besonders wenn wir darüber neue Zielgruppen und Erlösquellen erschließen.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Für Medienunternehmen kann die Verbreitung ihrer Inhalte interessant sein, um dort neue und bestehende Zielgruppen und zusätzliche Erlösquellen zu erschließen. Wir lernen unsere Kunden besser kennen – und können ihnen immer besser maßgeschneiderte inhaltliche Angebote machen, ihre Zufriedenheit erhöhen.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Wir prüfen das gerade. Es ist prinzipiell interessant, über das Modell neue Zielgruppen zu erreichen, neue Erlösquellen beziehungsweise Vermarktungsmöglichkeiten zu testen und Daten über unsere Nutzer zu gewinnen.

"Nein, wir werden uns nicht komplett Dritten unterwerfen"

Rieke Havertz, taz.de
Bild: K. Thielke

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Auf medium.com verbreiten wir derzeit eine kleine Auswahl an Texten in englischer Übersetzung, ein Projekt im Zuge unserer Griechenlandberichterstattung. Ansonsten sind wir sehr zurückhaltend, unsere Inhalte auf Fremdplattformen zu legen, da uns die Kontrolle über unseren Journalismus und seine Vertriebswege extrem wichtig ist.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Sie interessieren sich nicht für Journalismus oder hochwertigen Content, sondern für Gewinnmaximierung und Anzeigenumfeld. Natürlich bietet Qualitätsjournalismus die Chance, dieses Anzeigenumfeld aufzuwerten und neue User zu erschließen und damit mehr Daten, die sich dann wiederum vermarkten lassen. Der Content ist daher für die Unternehmen wohl eher ein Vehikel, ein genuines Interesse an Journalismus halte ich für unwahrscheinlich.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Nein, wir machen nicht mit und sind zurückhaltend, wenn es darum geht, unsere Inhalte komplett über Facebook auszuspielen. Grundsätzlich sind wir immer offen für neue Ideen und Projekte, um unseren taz-Journalismus möglichst vielen Leserinnen präsentieren zu können; wir werden uns dafür aber nicht komplett Dritten unterwerfen.

"Vorstellbar"

Sascha Borowski, Augsburger Allgemeine
Bild: U. Wagner

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Ich glaube, niemand kann es sich leisten, das kategorisch auszuschließen. Tatsache ist aber, dass wir zum einen unsere Inhalte monetarisieren müssen und wollen, und zum anderen eine durchaus wertvolle Marke besitzen. Insofern sollte ein solcher Schritt wohlüberlegt sein. Als First Mover sehe ich uns derzeit nicht.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Ein logischer Schritt – was abermals beweist, wie wertvoll hochqualitativer Content ist.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Vorstellbar.

"Ziel ist es, unsere Inhalte auf allen relevanten Plattformen zu verbreiten"

Jan Hollitzer, Berliner Morgenpost
Bild: R. Klar

Können Sie sich vorstellen, komplette Beiträge Ihrer Website auf Fremdplattformen zu legen?

Wenn damit gemeint ist, dass wir keine eigene Website mehr haben: nein. Eine eigene Website wird für eine starke Marke aus Leser- und Kundensicht wichtig bleiben. Ganze Artikel beziehungsweise Inhalte auf anderen Plattformen anzubieten, ist allerdings vorstellbar.

Was halten Sie davon, dass sich Technologie unternehmen für Journalismus interessieren?

Aus Sicht der Technologieunternehmen ist der Schritt fast logisch. Sie haben neue Erzählformen im Netz etabliert. Sind uns, was Usability und Ladezeiten angeht, zum Teil um Lichtjahre voraus. Das wissen die Tech-Companys natürlich und sehen die Chance, mit ihren technischen Möglichkeiten hochwertigen Journalismus besser darstellen zu können, als es die Urheber in der Lage sind. Sie drehen also den Spieß um.

Machen Sie bei Facebooks Instant Articles mit?

Ziel ist es, unsere journalistischen Inhalte auf allen relevanten Plattformen zu verbreiten, um eine möglichst große Reichweite zu generieren. Wir bieten unsere Inhalte dort an, wo sie möglichst viele Nutzer erreichen – und das umfasst natürlich auch Facebook und Apple News. Sobald wir die Möglichkeit haben, unsere Inhalte einzustellen, wollen wir auch hier weitere Erfahrungen sammeln.

Diese Umfrage ist während der Recherche zur aktuellen journalist-Titelgeschichte entstanden, die Sie in der August-Ausgabe lesen können oder online hier (LaterPay).

Die August-Ausgabe des journalists ist erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

Titelthema: Wir ziehen um. Das Publikum ist auf Facebook, Instagram, YouTube, Snapchat. Und die Redaktionen? Schicken jetzt ihre Inhalte hinterher.

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