Detail-Informationen

Autor

Anke Vehmeier

verfasst am

14.07.2011

im Heft

journalist 7/2011

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Mehr zum Thema

  • Hier geht es zur Juli-Ausgabe des journalists, die sich im Titelschwerpunkt mit dem Thema "PR als Lückenfüller – Die unbequeme Wahrheit" beschäftigt.

Umfrage

Warum sind Sie in die PR gewechselt?

Regelmäßig verlassen Journalisten ihre Redaktionen, um im Bereich Public Relations zu arbeiten. Der journalist hat nachgefragt: warum eigentlich? Nur wegen der Aussicht auf mehr Gehalt?

"Tagesaktuell war frustrierend"

Bild: Radio MK

Andreas Heine
Leiter Kommunikation und Marketing Kirchhoff Automotive (ehemals Chefredakteur Radio MK)

Ich war sehr gern Journalist. Jetzt arbeite ich sehr gern im PR-Bereich. Beides hat Vor- und Nachteile. Als Journalist wurde von mir erwartet, dass ich mich mit allem ein bisschen auskenne und mich immer wieder schnell in mir Unbekanntes einarbeite. Das tagesaktuelle Arbeiten war häufig zu schnell und zu oberflächlich. Ich beschäftigte mich mit Themen, die eben passierten. Die Geschwindigkeit berauschte, die fehlende Nachhaltigkeit frustrierte. 

Jetzt steht ein Unternehmen im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich kenne mich in der Materie gut aus und alle Planungen sind strategisch und langfristig. Ich trage dazu bei, dass Menschen eines Unternehmens mehr voneinander wissen und sich als Teil eines Ganzen empfinden. Voraussetzung ist, dass man sich mit dem Unternehmen zu 100 Prozent identifiziert. Ich habe das Glück, für ein Unternehmen zu arbeiten, bei dem das nicht schwer fällt.

"Naheliegende Alternative"

Bild: Medientage München

Birgit Hüther
Geschäftsführerin dot.communications (ehemals Redakteurin bei verschiedenen Tageszeitungen)

Wir legen Wert darauf, dass unsere Berater den Redaktionsalltag kennen. Es ist auch kein Fehler, sich als Journalist einen Einblick in die Arbeitsweise von PR-Profis zu verschaffen. Wer die Mechanismen der PR kennt, kann aus der Zusammenarbeit mit Agenturen das Beste herausholen. Eine Herausforderung ist der Weg in die PR nicht – eher eine naheliegende Alternative, um das vorhandene Know-how anderweitig zu nutzen und sich neue Einnahmequellen zu erschließen. Dabei ist für mich die klare Rollenidentität entscheidend: auf dem gleichen Thema muss ich mich konsequent für Journalismus oder PR entscheiden. Alles andere ist schlicht unprofessionell und schadet beiden Gattungen.

Mit einer journalistischen Ausbildung ist die Rückkehr in den Journalismus durchaus möglich. Die Frage ist, ob es angesichts der Veränderungen im Medienmarkt eine kluge Entscheidung wäre. Die Einstiegsgehälter empfinde ich als skandalös.

"Niemand verkauft sich"

Bild: Karen Cabek

Thomas Schunck
Sprecher des schleswig-holsteinischen Ministers für Bildung und Kultur (ehemals Chefredakteur Schweriner Volkszeitung)

Journalismus lebt von Glaubwürdigkeit. Das gilt in Pressestellen, bei Verlagen und Sendern. Entscheidend ist die Werte-Verortung, nicht die Schreibtischseite. Mir sind jedenfalls die vertraute Duzerei zwischen Pressevertretern und Politikern sowie substanzlose Jubelberichte über den eigenen Verlag oder Sender erheblich suspekter als anständige Arbeit in der Pressestelle. 

Niemand „verkauft“ sich, wenn er ein Unternehmen in Kommunikationsfragen berät. Im Politikumfeld jedenfalls hat man es verstanden, dass in erster Linie journalistische Experten gebraucht werden, nicht Parteigänger. Besorgter bin ich darüber, dass Verlage Stellen abbauen und bestenfalls halb ausgebildete Journalisten mit wenig Erfahrung nachrücken. Das ist eine Gefahr für die unabhängige Berichterstattung. Gute Pressearbeit ist mehr als Jubel-Platzierung, es geht um Inhalte. Dafür braucht es Redaktionen, die verstehen. Und es braucht Nachhaltigkeit, nicht durchs Dorf getriebene Säue. 

"Nicht alle Mittel einsetzen"

Bild: Susanne Fern

Kerstin Hoffmann
Unternehmenskommunikation, Blog PR-Doktor (ehemals Journalistin bei Zeit, WDR und Rheinischer Post)

Vom Journalismus ins PR-Fach zu wechseln, bedeutet die gleiche Herausforderung, die sich jedem stellt, der das Metier wechselt. Der Journalist bringt bereits gute Voraussetzungen mit, muss aber auch viel dazulernen. Wenn hier Herausforderung im Sinne von „Gefahr“ gemeint ist, dann muss derjenige aufpassen, das eigene journalistische Netzwerk nicht für PR-Interessen zu instrumentalisieren. Das sollte man sauber trennen. 

Denn die Arbeit unterscheidet sich grundsätzlich. Der Journalist hat einen öffentlichen Auftrag zur kritischen, unabhängigen Berichterstattung. Der PR-Mensch handelt in der Regel für einen Auftraggeber. Idealerweise tut er das mit journalistischen Werten und ebensolchem Handwerkszeug. Für mich umfasst gute PR allerdings die gesamte Kommunikation. Alle Mittel der Manipulation zu kennen, aber sie eben nicht einzusetzen; statt dessen danach zu streben, mit Inhalten und journalistischen Kerntugenden zu punkten.

"Mitwirken macht stolz"

Bild: Christian Bierwagen

Jörg Schmidt
Leiter Öffentlichkeitsarbeit Viessmann Werke (ehemals Chefredakteur Peiner Allgemeine Zeitung)

Glaubwürdigkeit ist für Journalisten wie für Kommunikatoren von Unternehmen das wichtigste Kapital. Nur, wenn man Fakten und Meinungen seriös vermittelt, ist man auf Dauer erfolgreich. Für mich persönlich war der Wechsel in die Öffentlichkeitsarbeit von zwei Faktoren bestimmt. Das Unternehmen, für das ich jetzt arbeite, ist international aufgestellt, und es beschäftigt sich mit einem der bedeutenden Themen unserer Zeit, mit dem effizienten Einsatz von Energie. Das gilt sowohl für die Heiztechnikprodukte, die wir herstellen, als auch für den Fertigungsprozess selbst. 

Viessmann erreicht die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung für 2020 schon heute mit marktverfügbarer Technik. Daran mitzuwirken, erfüllt mich mit Stolz.

Die ausführliche Titelgeschichte zum Thema PR als Lückenfüller 

l

esen Sie in der Juli-Ausgabe des journalist.

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