Detail-Informationen

Autor

Anke Vehmeier

verfasst am

02.01.2012

im Heft

journalist 1/2012

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Umfrage

Was bringt 2012?

Der journalist hat fünf Medienmacher gefragt: Was wird dieses Jahr ihr wichtigstes Thema? Was ihre größte Herausforderung?

"Geld verdienen im Internet"

Bild: Antenne Bayern

Valerie Weber, Geschäftsführerin und Programmdirektorin von Antenne Bayern

Zu Beginn des neuen Jahres stehen wir gleich vor dem Start zweier Kanäle auf DAB+. Von Antenne Bayern werden ein reines Info-Programm und ein neuer Top40-Musikkanal an den Start gehen. Der Wechsel vieler digitaler Radiosender von DAB auf DAB+ – sowie der Start neuer Programme – wird diverse Radiogeschäftsführer über den Jahreswechsel beschäftigen.

Interessant wird 2012 die Entwicklung im Internet: Es könnte passieren, dass die Summe unserer Spartenprogramme mehr Zugriffe im Internet hat als unser Hauptprogramm. Damit Geld zu verdienen, wird unsere größte Herausforderung. Die technischen Kosten einer immer aufwendigeren Platzierung des Programms auf unterschiedlichen Kanälen lassen sich bislang nur schwer refinanzieren. Denn es bleibt bei der gleichen Anzahl von Hörern, die sich auf mehr Programme und die verschiedenen Distributionswege aufteilen. Das muss man erst einmal in bare Münze wandeln. Deswegen werden vermutlich – neben der digitalen Entwicklung – kluge und innovative Vermarktungskonzepte mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger werden.

"Facebook-Müdigkeit"

Bild: Uwe Voelkner/Fotoagentur FOX

Richard Gutjahr, TV-Journalist beim Bayerischen Rundfunk und Blogger

Ich erwarte, dass auch wir in Deutschland eine Form von "Facebook Fatigue" erleben werden. Eine solche Ermüdung ließ sich ja bereits in den USA und in Großbritannien beobachten. Das soll nicht heißen, dass Social Media tot ist. Die Nutzerzahlen werden sicherlich weiter steigen, nur eben nicht mehr so rasant. Ursache hierfür könnte eine zu erwartende Sättigung sein, zum anderen aber auch ein professionellerer, zielgerichteter Umgang mit den Plattformen.

In meiner Rolle als Fernsehjournalist sehe ich große Herausforderungen auf uns zukommen. Die Verschmelzung von TV und Web wird einerseits zu einer voranschreitenden Individualisierung des Fernsehens führen (Video-on-Demand, zeitversetztes Fernsehen), andererseits aber auch zu mehr gemeinschaftlichen TV-Events mit passenden Second-Screen-Angeboten (begleitende Twitter-Diskussionen, Zuschauer-Beteiligung via Apps). Neue Endgeräte wie iPad 3 und iPhone 5 werden für einen neuen Schub mobiler Webangebote sorgen. Profiteure werden vor allem Anbieter hochwertiger Inhalte sein, denn die größeren, hochauflösenden Displays werden qualitative Angebote für unser Publikum noch attraktiver machen.

"Unabhängigkeit bewahren"

Bild: Jan Zappner

Ines Pohl, Chefredakteurin der taz

Bei allen Diskussionen rund um die Finanz- und Staatskrisen inner- und außerhalb Europas werden die Themen Klima und Energiepolitik auch in diesem Jahr eine herausragende Rolle in der taz spielen. Dazu gehören die Auseinandersetzungen um die Endlagersuche, die Verkehrspolitik, der Umgang mit Rohstoffen genauso wie der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Gerade weil wir durch den relativen Reichtum, unsere große technologische Kompetenz, aber auch die geografischen Bedingungen so privilegiert sind, hat Deutschland eine besondere Verantwortung, hier eine weltweite Vorreiterrolle zu spielen. Dabei müssen wir auch die globale Perspektive suchen, denn wir wissen, dass gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel jede Entscheidung zum Teil fatale globale Auswirkungen hat.

Publizistisch ist dabei eine der größten Herausforderungen, sich die Unabhängigkeit in alle Richtungen zu bewahren. Das heißt einerseits, nicht in die Diskursspuren zu geraten, in die uns die Energiekonzerne locken wollen, und andererseits auch die Lobbygruppen erneuerbarer Energiequellen kritisch zu begleiten.

"Wir bauen den Sport massiv aus"

Bild: Focus Online

Daniel Steil, Chefredakteur von Focus Online

Die Finanzkrise wird uns auch 2012 sehr beschäftigen. Hinzu kommen die Olympischen Spiele in London sowie die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Mit Torsten Albig, Spitzenkandidat der SPD in Schleswig-Holstein, wird es ein neues politisches Gesicht geben.

Focus Online stärkt 2012 seinen Markenkern, baut die Nutzwertberichterstattung in den Bereichen Finanzen, Gesundheit und Digital aus. Durch eine Umstrukturierung der Redaktion sind wir im Newsbereich noch schneller. Die Sportberichterstattung wird zum Start der Bundesliga-Rückrunde massiv ausgebaut.

Strategisch investieren wir in mobile Applikationen, Social Media und in unsere Frauen-Erfolgsstory: amica.de.

"Über die Tagesaktualität hinaus"

Bild: ddp/Michael Kappeler

Cord Dreyer, Geschäftsführer und Chefredakteur der Nachrichtenagentur dapd

Fukushima, Arabischer Frühling, Schuldenkrise, eine neue politische Ordnung in Europa: Das alte Jahr war randvoll mit solchen Mega-Themen. Daran wird sich 2012 aller Voraussicht nach wenig ändern. Diese extreme und komplexe Nachrichtenwelt stellt uns Journalisten vor eine besondere Herausforderung. Wir werden es im neuen Jahr schaffen müssen, nicht nur von einem Thema zum nächsten zu jagen, sondern die großen Entwicklungslinien herauszuarbeiten und den Menschen zu erklären, wie und warum sich unser Leben verändern wird.

Wir müssen über die Tagesaktualität hinausblicken und die Kernfragen systematisch verfolgen: Wie werden wir in den immer stärker verdichteten Ballungsräumen leben und arbeiten? Wovon werden wir uns ernähren? Wie können wir die Staatsfinanzen, Renten und Sozialsysteme dauerhaft stabilisieren? Wie können wir den Energiebedarf decken, ohne unsere Lebensbasis zu zerstören? Wie bleiben wir in einer älter werdenden Gesellschaft gesund? Wir setzen dabei auf Journalisten, die sich kontinuierlich um diese elementaren Fragen kümmern.

Aktuelle Kommentare zu dieser Umfrage

02.01.2012 17:18

Christian H. Schuster

Auch das IFK Berlin hat diese Frage an Journalisten gestellt und zum Teil andere aber auch ähnliche Antworten bekommen:
http://cot.ag/tXLFtN

 
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