Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

04.11.2011

im Heft

journalist 11/2011

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Link zum Thema

  • Auf der Website des Deutschen Journalisten-Verbands gibt es das Tagungsprogramm zum DJV-Verbandstag 2011 als Download.

Umfrage

Was erwarten Sie vom DJV-Verbandstag 2011?

Rund 300 Journalisten werden kommende Woche vom 7. bis 9. November in Würzburg über wichtige Themen ihres Berufs diskutieren. Der journalist fragte DJV-Funktionäre nach ihren Wünschen für den Verbandstag 2011.

"Neuer Zusammenhalt"

Bild: Mario Vedder

Michael Konken, Bundesvorsitzender des DJV seit 2003. Er stellt sich zur Wiederwahl.

Der Wert des Journalismus wird das herausragende Leitmotiv des DJV-Verbandstags in Würzburg sein. Die monatelangen Tarifauseinandersetzungen mit den Zeitungsverlegern und die hohe Streikbereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen haben gezeigt, dass ihnen der Wert des Journalismus am Herzen liegt.

In Würzburg geht es aber nicht nur um die Printkollegen. Wie der Journalismus der Zukunft aussehen soll, unter welchen Rahmenbedingungen Journalisten arbeiten wollen, darum werden sich auf dem Verbandstag die Diskussionen drehen. Da fangen wir nicht bei null an, wie die erfolgreiche Tarifrunde gezeigt hat. Sie hat einen neuen, engeren Zusammenhalt der Kollegen herbeigeführt.

Der Verbandstag sollte dazu beitragen, diesen Zusammenhalt fortzuführen, neue Herausforderungen mit Selbstbewusstsein statt mit Frust anzugehen. Daran will ich in Zukunft gerne an der Spitze des Bundesvorstands weiter aktiv mitwirken. Deshalb stelle ich mich in Würzburg dem Votum der Delegierten.

"Mutiger bei Digitalmedien"

Bild: DJV

Andreas K. Bittner ist seit vier Jahren Schatzmeister des DJV. Er kandidiert nicht mehr.

Ich wünsche mir anregende Sachdiskussionen, wenig blumige Resolutionen, keine drögen Satzungsdebatten und eine gute kollegiale Stimmung. Mir ist es besonders wichtig, dass wir den Fokus auf die wirtschaftlich-soziale Lage der Freien richten. Hier geht es etwa um Buy-out-Verträge, Urheberrecht und den Gründungszuschuss für Existenzgründer, den die Bundesregierung kürzen will.

Zudem wäre eine verstärkte Debatte über die Chancen der digitalen Medien notwendig. Von meinem eigenen Verband würde ich mir wünschen, dass er in diesem Feld aktiver wird, also zum Beispiel die sozialen Netzwerke intensiver nutzt und mutiger mit digitalen Formaten experimentiert. So ließen sich sicher auch neue Mitglieder werben.

Vor dem Hintergrund der schwierigen Zeiten sind wir, was die Verbandsfinanzen betrifft, jedenfalls gut bis sehr gut aufgestellt. Das gilt für das operative Tagesgeschäft, aber auch für Sonderprojekte und Extremsituationen wie Streiks. Meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger kann sich auf ein kompetentes hauptamtliches Team stützen. Die Finanzexperten in der Geschäftsstelle haben es mir leicht gemacht.

"Austausch im Plenum"

Bild: Pasquale D'Angiolillo

Ulli Wagner, Vorsitzende des Saarländischen Journalisten-Verbands, der zu den kleinsten Landesverbänden im DJV zählt.

Ich hoffe, dass es ein inhaltlicher Verbandstag wird, der nicht mehr so mit Formalitäten belastet ist wie in den vergangenen Jahren. Ich hoffe also, dass wir wieder mehr Raum für Diskussionen haben, für Diskussionen im Plenum. Wir sollten nicht nur in getrennten Arbeitsgruppen miteinander sprechen und dann die Ergebnisse im Plenum servieren.

Für mich steht dabei ganz klar im Mittelpunkt: der Wert des Journalismus. Da müssen wir unbedingt ran. Ich habe den Eindruck, dass das Berufsbild im digitalen Zeitalter zunehmend schwammiger wird. Was genau macht einen Journalisten, eine Journalistin aus und was nicht? Ich sehe auch, dass verloren zu gehen droht, welche Aufgaben und welche Funktion Journalisten und Journalistinnen in unserer demokratischen Gesellschaft haben und auch, welche Bedingungen es dafür geben muss.

Wir sollten uns nicht mit Anträgen zuschütten. Aus dem Saarland wird es daher keinen eigenen Antrag geben. Wir werden uns mit unseren fünf Delegierten aber sehr wohl einbringen, wenn wir meinen, in eine Debatte eingreifen zu müssen.

"Tarifstrategien diskutieren"

Bild: Martin Brockhoff

Norma Langohr, NRW-Delegierte und Mitglied der Antragskommission.

Ich finde, wir sollten den Schwung des Sommers nutzen, um noch ausstehende Tarifprobleme anzugehen. Der Streik hat ja gezeigt, dass die Kolleginnen und Kollegen bereit sind, für ihre Sache auf die Straße zu gehen. Da ist ein Selbstbewusstsein gewachsen, weil man gemeinsam etwas erreicht hat. Wir müssen unbedingt Strategien finden, um den Flächentarif zu erhalten. Und wir sollten die Kraft auch dazu nutzen, Wege zu finden, damit die gemeinsamen Vergütungsregeln endlich umgesetzt werden.

Was die Antragskommission betrifft: Ich arbeite ja nicht das erste Mal in diesem Gremium mit. Aber diesmal war es eine besondere Herausforderung, schon wegen der Textmengen, die wir zu lesen hatten. Das war sehr zeitaufwendig, vor allem aufgrund der zahlreichen Brandenburger Anträge, die wir prüfen mussten.

Uns erleichtert es auf jeden Fall, wenn die Anträge klar und verständlich formuliert werden. Am besten genau auf den Punkt. Dann gibt es in den Arbeitsgruppen und im Plenum auch weniger "Redaktionskonferenzen", und wir haben mehr Zeit für inhaltliche Auseinandersetzungen.

"Mehr Junge delegieren"

Bild: Doreen Zander

Anita Grasse, DJV Thüringen, das erste Mal beim Verbandstag und mit 28 Jahren die jüngste Landesvorsitzende.

Ich wünsche mir vor allem Ergebnisse und hoffe sehr, dass wir am Ende nicht nur Absichtserklärungen formuliert haben. Mir geht es um konkrete Handlungspläne – zum Beispiel: Wie schaffen wir es, dass die gemeinsamen Vergütungsregeln für Freie umgesetzt werden? Wie wollen wir in der Tarifrunde 2013 agieren, die mindestens so hart wie die im Sommer wird, wenn nicht sogar härter?

Weil ich selbst als Freie arbeite und jung bin, interessieren mich natürlich vor allem Themen aus diesen Bereichen. Ob freier oder junger Journalist – sie sind doch nur bereit, jeden Monat ihren Mitgliedsbeitrag zu zahlen, wenn sie für sich einen ganz konkreten Nutzen in der DJV-Mitgliedschaft sehen. Und so muss auch die Verbandsarbeit aussehen.

Ich glaube, die Diskussion auf dem Verbandstag wird umso frischer, je mehr Junge daran teilnehmen. Junge diskutieren anders. Deswegen mein Appell an die Landesverbände: Delegiert mehr junge Leute zum Verbandstag. Allerdings wäre es nicht gewinnbringend, wenn der Verbandstag nur aus Jungjournalisten bestehen würde. Es kommt auf die Mischung der Generationen an.

"Fragen an die Justizministerin"

Bild: privat

Mechthild Mäsker, Vorsitzende des Fachausschusses Chancengleichheit und für das Tagungspräsidium vorgeschlagen.

Ich freue mich vor allem auf die Diskussion zum Thema Pressefreiheit: Wie wichtig ist die Pressefreiheit für unsere Demokratie? Und wie verträgt sich das in der Verfassung verbriefte Recht eigentlich mit Maßnahmen des Staatsschutzes, mit den Regelungen zur Bekämpfung des Terrorismus? Ich könnte mir vorstellen, dass es hier eine spannende Diskussion mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geben wird, die ja als Gastrednerin sprechen wird. Ich glaube, dass es wichtig ist, auch diese weitreichenden medienpolitischen Fragen zu diskutieren und nicht nur über die Anträge zu entscheiden. Ich wünsche mir deshalb, dass sich mehr Delegierte trauen, bestimmte Themen – auch wenn sie in den Arbeitsgruppen schon besprochen wurden – noch mal ins Plenum hineinzutragen.

Wenn ich wieder ins Tagungspräsidium gewählt werde, dann hat das natürlich den Nachteil, dass ich selbst ein Stück weit außerhalb der Sachdebatte bin. Aber spannend ist diese Aufgabe trotzdem. Ich muss mich inhaltlich mehr vorbereiten, dadurch kriege ich viele Themen intensiver mit. Und ich darf den Ablauf des Verbandstags mitgestalten.

"Neue Verbandsstrukturen"

Wolfgang Stöckel, Vorsitzender des Bayerischen Journalisten-Verbands und Gastgeber des Verbandstags 2011.

Es ist mir wichtig, dass wir sachlich über die Frage diskutieren, wie die innerverbandlichen Strukturen des DJV künftig aussehen. Es liegen hier etwa Anträge für eine neue Beitragsordnung vor. Kleine und große Landesverbände müssen ohne Gleichmacherei neben- und miteinander existieren können. Unsere Satzung ist jetzt so geregelt, dass wir uns in juristisch abgesichertem Fahrwasser befinden. Da braucht es kein besserwisserisches und rechthaberisches Antragspaket. Der DJV muss sich wieder stärker seinen eigentlichen Aufgaben widmen.

Ich wünsche mir auch, dass wir wieder mehr inhaltliche Diskussionen führen, anstatt uns an einzelnen Begrifflichkeiten oder Formulierungen in den Anträgen aufzuhängen. Unser Leitantrag, die Würzburger Erklärung, ist da eine gute Basis. Denn da geht es um den Fortbestand unseres Berufs. Wir müssen hier Essentials formulieren: Was ist uns wichtig angesichts der digitalen Entwicklung?

Für diesen Verbandstag wünsche ich mir eine nicht von internen Querelen überfrachtete Diskussion und eine gute Atmosphäre. Wir Bayern werden dazu den Rahmen bieten.

Auf der Website des Deutschen Journalisten-Verbands gibt es das Tagungsprogramm zum DJV-Verbandstag 2011 als Download.

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