Detail-Informationen

Autor

Stefan Kotschenreuther

verfasst am

05.11.2012

im Heft

journalist 11/2012

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DJV-Verbandstag 2012

Ein Ja zum Volontariat

Heute, am 5. November, treffen sich rund 300 Journalisten zum Verbandstag des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) in Kassel. Der Verbandstag, das höchste Organ des DJV, bestimmt die Richtlinien der Verbandspolitik. Junge Delegierte sind nur wenige dabei. Was sie umtreibt: vor allem die Zukunft der Journalistenausbildung.

Der freie Zugang zum Journalismus sollte erhalten bleiben

Bild: Privat

Jana Lavrov (31),
1. Verbandstag

"Für mich ist entscheidend: Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Was kann der DJV tun, um jungen Journalisten Chancen aufzuzeigen?

Am wichtigsten ist mir daher das Memorandum zur journalistischen Aus- und Weiterbildung, das jetzt aktualisiert werden soll. Damit haben wir uns im Arbeitskreis Junge ausführlich beschäftigt. Ich bin der Meinung, dass der freie Zugang zum Journalismus erhalten bleiben sollte. Über den passenden Weg dorthin sollte jeder selbst bestimmen können. Entscheidend sollte dabei die eigene Qualifikation sein. Ich möchte, dass die Delegierten auf dem Verbandstag ein Ja zum Volontariat geben."

Jana Lavrov arbeitet als Redakteurin in der Abteilung Unternehmenskommunikation der Hanse Ventures BSJ GmbH. Sie ist Vorsitzende des Arbeitskreises Junge beim DJV Hamburg.

Fragen, welcher Trend als nächstes kommt

Bild: Privat

Timo Stoppacher (29),
3. Verbandstag

"Für mich ist das Hauptthema die Aus- und Weiterbildung. Besonders am Herzen liegt uns Jungen vom DJV das Memorandum. Es zielt stark auf das Dortmunder Modell ab, also eine Hochschulausbildung, die mit einem 15-monatigen Praxisteil kombiniert ist. Ich kenne jedoch persönlich nur ein oder zwei Journalisten, die es absolviert haben – und viele mehr, die auf anderem Wege erfolgreich geworden sind.

Darüber hinaus halte ich den Antrag für wichtig, der den Ausbildungstarifvertrag modernisieren will und crossmediales Arbeiten mit Techniken wie Social Media in die Volontärsausbildung integrieren will. Wenn Journalisten die Leute erreichen wollen, müssen sie dahin gehen, wo die Leute sind und das bedeutet, sich neuen Medien zu öffnen und gleichzeitig zu fragen, welche Trends als nächstes kommen."

Timo Stoppacher ist freier Journalist und Dozent. Er ist Mitglied im Fachausschuss Junge des DJV NRW.

Die Freien besser stellen

Bild: Nils Bürger

Carina Fracke (30),
1. Verbandstag

"Seit Februar bin ich im DJV-Landesverband Sachsen-Anhalt aktiv und neugierig auf meinen ersten Verbandstag. Es geht mir hauptsächlich darum, dass die Freien bessergestellt werden. Wenn ich sehe, was andere und ich als Freie verdienen, weiß ich, dass wir davon kaum leben können. Das sollte einem der Beruf doch ermöglichen.

Journalistin bin ich leidenschaftlich gerne, doch die momentanen finanziellen Bedingungen erschweren mir die Arbeit. So lohnen 250 Euro Honorar für eine Acht-Seiten-Geschichte in einem Fachmagazin den Aufwand nicht. Ich hoffe daher, dass wir auf dem Verbandstag die Situation der freien Journalisten ausführlich diskutieren können."

Carina Fracke arbetet als freie Bildjournalistin. Sie ist Vorstandsmitglied im DJV Sachsen-Anhalt.

Über den neuen lokalen Onlinejournalismus ins Gespräch kommen

Bild: Privat

Johannes Michel (30),
7. Verbandstag

"Als freier Journalist online zu arbeiten, ist etwas anderes als bei der Tageszeitung. Besonders der lokale Onlinejournalismus, wie ich ihn mit meinem Blog betreibe, ist neu. Es ist schwierig, Werbekunden zu finden und die Finanzierung zu sichern. Aber auch Autoren müssen erst von dem Konzept überzeugt werden. Ich hoffe, am Rande der Veranstaltung mit vielen Kollegen über den neuen lokalen Onlinejournalismus ins Gespräch zu kommen. Auf Verbandstagen in der Vergangenheit habe ich oft den Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus den verschiedensten Arbeitsbereichen auf hohem Niveau erlebt, was mich persönlich weitergebracht hat."

Johannes Michel betreibt den Blog Nachrichten am Ort. Er ist Mitglied im Bayerischen Journalisten-Verband.

Deutlich machen, warum das geistige Eigentum der Journalisten zu respektieren ist

Bild: Jürgen Manazza

Stefanie Marsch (30),
1. Verbandstag

"Das Urheberrecht hat uns Journalisten in den vergangenen Jahren immer wieder beschäftigt. Und es wird uns aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und rasenden Verbreitung von Informationen übers Internet auch weiter beschäftigen. Es geht hier nicht nur um gesetzliche Regelungen. Wir müssen das Bewusstsein der Menschen erreichen, ihnen deutlich machen, warum das geistige Eigentum der Journalisten zu respektieren ist.

Für uns Journalisten wiederum gilt: Wir müssen uns in der beschleunigten Medienwelt mehr Gedanken darüber machen, welche Informationen wir verbreiten. Das Angebot ist riesig, und wird auch immer schneller verbreitet. Medien stehen unter Druck, Informationen als Erster zu haben. Umso mehr müssen wir über die Qualität und Seriosität nachdenken. Im Hinblick darauf finde ich auch die Resolution R3 des BJV wichtig, in der es allgemein um Medienethik geht."

Stefanie Marsch arbeitet als Redakteurin bei der Saarbrücker Zeitung. Sie ist Beisitzerin im Vorstand des Saarländischen Journalistenverbands.

Jeder sollte etwas nach seinem Interesse studieren können

Bild: Privat

Andrea Voigt (33),
1. Verbandstag

"Mein Eindruck vom Memorandum ist, dass es künftig nur noch einen Weg für die Journalistenausbildung geben soll. Das wäre aber viel zu einschränkend. Dieses Modell würde junge Leute abschrecken. Jeder sollte die Möglichkeit haben, etwas nach seinem Interesse zu studieren, zum Beispiel Lebensmittelchemie. Später kann er dann etwa als Fachredakteur arbeiten. Kompetenz kann sich mit einem Studium im Hintergrund viel besser entwickeln. Die journalistische Praxis kann man sich parallel zum Studium durch Praktika oder freie Mitarbeit aneignen. Ein anschließendes Volontariat ist unabdingbar, wenn man als Redakteur arbeiten möchte.

Das Volontariat finde ich gut so, wie es vom DJV aktuell empfohlen wird. Damit meine ich aber ausschließlich das Redaktionsvolontariat. Der Begriff Volontariat wird immer mehr verwässert, etwa von PR-Agenturen."

Andrea Voigt ist Pressereferentin der Stadt Zella-Mehlis. Sie engagiert sich im Fachausschuss Junge des DJV Thüringen.

Qualitässiegel für Studiengänge und Volontariate

Bild: Privat

Nils Franke (34),
1. Verbandstag

"Ich hoffe auf eine rege Diskussion über das Memorandum. Der DJV braucht eine klare Position, wie wir die Qualität der Ausbildung verbessern und bestimmte Standards einfordern können. Aus meiner Sicht sollten wir dabei die verschiedenen Wege in den Journalismus – über Schulen, Studium und Volontariate – gleichberechtigt nebeneinander stehen lassen. Der DJV könnte Kriterien für eine gute Ausbildung definieren und Qualitätssiegel für Studiengänge als auch Volontariate vergeben, für die sich die Einrichtungen selbst bewerben. Volontariate in Unternehmen werden voraussichtlich zunehmen. Diese zu verdammen, hilft uns nicht weiter. Es ist wichtiger, angehenden Journalisten eine Orientierung zu bieten. Ausreißer muss man einfangen, nicht als schwarze Schafe ausgrenzen. Das kann der Markt viel besser."

Nils Franke arbeitet als leitender Redakteur in der Pressestelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Jungen im Journalistenverband Berlin-Brandenburg.

 

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Titelthema: Weg vom Alleskönner – Was müssen Journalisten heute können? Und wie bringt man ihnen das bei?

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