Detail-Informationen

Autor

Anke Vehmeier

verfasst am

03.05.2011

im Heft

journalist 5/2011

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Mehr zum Thema

  • Journalismus 2011 – Fakten für Berufseinsteiger
  • Hier geht es zur Mai-Ausgabe des journalist, die sich im Titelschwerpunkt mit den Nachwuchsjournalisten beschäftigt.

Umfrage

Welche Bewerbungen landen auf Ihrem Tisch?

Sie haben tagtäglich mit dem Nachwuchs zu tun: Chefredakteure, Ausbildungsleiter, Journalistentrainer. Der journalist hat nachgefragt: Welche Bewerbungen landen auf Ihrem Tisch? Welche Anforderungen stellen Sie?

"Zu 80 Prozent Frauen"

Bild: Wolf-Dietrich Ulmer

Ulrike Trampus
Chefredakteurin Ludwigsburger Kreiszeitung

Der journalistische Nachwuchs ist zwar noch immer sehr motiviert und engagiert, aber weniger experimentier- und kommentierfreudig und was die Zukunftsaussichten anbelangt, realistischer geworden. Viele hätten gerne einen vorgezeichneten Ausbildungsweg, sie warten eher auf Aufträge, als dass sie eigene Themen vorschlagen, sich für eine Idee stark machen und für eine ungewöhnliche Aufbereitung streiten.

Auch erhalten wir weniger Bewerbungen – zu 80 Prozent von Frauen. Bei Vorstellungsgesprächen werden wir mehr nach Tarif und Gehalt, nach Arbeitszeiten und Urlaubstagen gefragt, als nach Blattkonzepten, Ausbildung und Entwicklungschancen. Ich erwarte von angehenden Redakteuren, dass sie Spaß daran haben, Geschichten zu entdecken und zu erzählen. Und sie sollten Zeitungen (nicht nur online) lesen.

"Polizeireporter hätten Chancen"

Bild: Henrik Wiemer

Martin Krigar
Chefredakteur Westfälischer Anzeiger

Der normale Volo-Bewerber 2011 ist weiblich, spricht zweieinhalb Fremdsprachen, kommt aus unglaublich geordneten Verhältnissen, schreibt seit Klasse 9 gerne Texte, notfalls für sich selbst. Es wird schwer im Journalistenleben. Der seltene Bewerber 2011 gehört zur Sprayer-Szene und zum Posaunenchor, ist freier Mitarbeiter für Fußballverein und Kirche, vor allem: immer neugierig! Er wird es schwer haben. Aber er kann es wenigstens schaffen.

Zeitung, Facebook, iPad? Technik ist erlernbar, für alles was kommt. Am Ende zählt in erster Linie: alles sehen, alles erleben, alles erzählen wollen. Alles! Das geht, in jedem Medium, in allen Positionen.

Ich hatte schon lange keinen Bewerber mehr, der zunächst mal gerne Polizeireporter wäre, der nachts einfach losfährt, weil’s brennt. Er hätte gute Chancen. Sie auch.

"Sie müssen beweglich sein"

Bild: dapd/Alexander Becker

Dirk Lübke
Stellvertretender Chefredakteur dapd

Gut ausgebildete, studierte Frauen sind klar in der Mehrzahl unter den Interessenten und unter denen, die Volontär werden. Sie sind in Vorstellungsgesprächen oft mutiger, systematischer, unverkrampfter als junge Männer. Grundsätzlich sollten sich Bewerber wieder mehr für Menschen und Themen, für Leser, Nutzer, Zusammenhänge, Analysen interessieren – und weniger für sich. Und sie müssen beweglich sein – im Kopf, in der Lebensplanung. Wer Journalismus auch heute – egal ob in Print, Agentur, Rundfunk oder Netz – zuallererst als hartes Handwerk annimmt, dann als Training für Belastbarkeit und Beharrlichkeit und dann erst als Raum für Kreativität, Kunst und ein kleines bisschen Berufung, der bleibt interessant.

Und irgendwie ist auch bei der Qualität und Kreativität von Bewerbungen noch Luft nach oben, denn auch Chefs lesen gern kreative Ansprachen ...

"Story- und themengetrieben"

Bild: Andreas Mangen

Sabine Roschke
Ausbildungsredakteurin, inhaltliche Leitung der Journalistenschule Ruhr

Den Volontär, der sich nur mit Print, nur mit Bewegtbild oder nur mit Hörfunk beschäftigt hat, gibt es heute so nicht mehr. Er ist vielmehr story- und themengetrieben. Volontäre, die von der Journalistenschule Ruhr ausgebildet werden, arbeiten im regionalen Journalismus. Mit dieser Erwartung kommen sie auch zu uns: Sie erwarten journalistisches Handwerkszeug und wollen für die multimediale Zukunft gewappnet sein. Junge Journalisten müssen aber auch lernen, strategisch zu denken und zu handeln – Management-Fähigkeiten entwickeln, um den Markt genau zu beobachten.

Auf der anderen Seite müssen Verlage bei sinkender Bewerberzahl die besten Köpfe und Talente gewinnen und fördern. Nur eine Exzellenz-Ausbildung sichert die Zukunft. Dazu gehören eine systematische theoretische Ausbildung und Praxisstationen in laufend qualitätsgeprüften Ausbildungsredaktionen sowie Mentoren, die kontinuierlich Feedback geben.

"Sie sind enorm technikaffin"

Bild: Reflexion-Photoatelier

Norbert Linke
Direktor der FFH-Academy

"Früher hatten die Bewerber mehr auf dem Kasten" – eine weit verbreitete Ansicht auch unter Radio-Verantwortlichen. Was aber war zuerst da, die Henne oder das Ei? Das entwortete, ecken- und kantenlose Programm? Oder der Bewerber, der eigene Ideen und Vorstellungen nur noch in Spuren mitbringt? Nicht nur das Publikum, auch junge Talente nehmen Radio heute oft nur noch als Moderations- und Musikmedium wahr; zum Reporter oder Nachrichtenmann fühlt sich kaum jemand berufen. Richtig ist aber auch: Der journalistische Nachwuchs ist enorm technikaffin, twittert, facebookt und xingt, hat einen eigenen Webauftritt – vermag aber kaum eine gerade Nachrichtenzeile zu formulieren. Die Fähigkeit zur medialen Inszenierung verblüfft, die Qualität des persönlichen Auftritts jedoch – etwa beim "lockeren" Vorstellungsgespräch in Jeans und T-Shirt – ist oft ein Desaster.

"Praktische Erfahrung fehlt"

Bild: privat

Christoph Flach
Freier Radiotrainer, unter anderem für die ARD.ZDF Medienakademie

Die Lebensläufe sind ähnlicher geworden. Die Neuen haben oft viele Praktika hinter sich, gerne im Ausland und in der Politik. Häufig fehlt ihnen aber praktische Erfahrung im Journalismus. Dadurch haben sie unklare Vorstellungen von der täglichen Arbeit, verwechseln Journalismus und PR.

Für einige scheint Journalismus weniger eine Herzensangelegenheit als eine strategische Entscheidung zu sein. Aber es gibt auch noch die notorisch neugierigen Wilden mit kontinuierlich gewachsener journalistischer Tätigkeit seit der Schülerzeitung. Oder die verrückten schillernden Quereinsteiger. Einsteigern empfehle ich, Studium oder Berufsausbildung so anzulegen, dass man notfalls auch in einem anderen Beruf arbeiten kann. Neben der Ausbildung sollte unbedingt Platz für freien Journalismus bleiben. Das finde ich wichtiger als eine superkurze Studienzeit oder das zwölfte Praktikum.

Wolfgang Lenders hat für den journalist Fakten zum Berufseinstieg zusammengestellt – so sieht Journalismus 2011 aus.

Die ausführliche Titelgeschichte über Nachwuchsjournalisten, die "Generation
W
Mut" lesen Sie in der 
Mai-Ausgabe des journalist.

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