Detail-Informationen

Autor

Interview: Max Ruppert

verfasst am

08.09.2011

im Heft

journalist 9/2011

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Links zum Thema

  • Hier geht es zur Website des Films News Breaking Down.
  • Der Dart Society Report lässt Journalisten zu Wort kommen, die ihre Erfahrungen rund um den 11. September schildern.
  • Hier geht es zur Website des Dart Centers für Journalismus und Trauma.

"Warum?" – Michael Walter (r.) am 11. September 2001 vor dem Pentagon

9/11

Wenn die Tränen kommen ...

US-Fernsehjournalist Michael Walter musste am 11. September 2001 mit ansehen, wie einer der entführten Jumbo-Jets ins Pentagon stürzte. Unmittelbar nach dem Einschlag berichtete er für einen TV-Ableger von USA Today vom Unglücksort. Acht Jahre später drehte er einen Film über Journalisten mit posttraumatischen Störungen.

Das Interview im ungekürzten Original-Wortlaut.

journalist: Was werden Sie am 11. September 2011 tun?
Michael Walter: In all den Jahren seit 2001 musste ich für meine Sender immer eine 9/11-Rückschau machen. Dieses Jahr wird es anders sein. Mein Dokumentarfilm wird am 11. September in meinem Wohnort Fairfax/Virginia gezeigt. Ich werde dabei sein und mit den Menschen darüber reden.

In Ihrem Film Breaking News – Breaking Down sieht man eine Szene von damals, in der Sie vor laufender Kamera anfangen zu weinen.
Jedes Mal, wenn ich live auf Sendung ging, versuchte ich, meine Tränen zurückzuhalten. Dieses Interview, bei dem es passiert ist, hat ein guter Freund geführt. Ich fühlte mich sicher, und all meine Schutzmechanismen setzten aus. Viele Kollegen sagten hinterher, dass man so etwas nicht senden könne. Ich sehe es anders und habe die Szene bewusst in meinen Film eingebaut. Auch Journalisten sind Menschen, haben Emotionen. Und sollten sie zeigen dürfen.

Was können Journalisten aus dem 9/11-Trauma lernen?
Wir sollten mitfühlender, verständnisvoller sein. Die Erlebnisse von damals haben aus mir einen besseren Journalisten gemacht. Wenn ich etwa an jemanden herantrete, der eine traumatische Erfahrung durchmacht, frage ich anders. Ich lege nicht mehr die Aggressivität an den Tag, die wir als Reporter oft haben. Wenn Sie mal auf der anderen Seite gestanden haben, wissen Sie, wie sich das anfühlt.

Wie kommen Sie mit der Berichterstattungsflut anlässlich des zehnjährigen Gedenkens klar?
Am Abend des 11. September sagte ich zu meinem Kameramann: "Ich bin froh, dass dieser Tag vorbei ist." Und er sagte: "Mike, dieser Tag wird für dich nie vorbei sein. In unserem Business wird es immer Ein-, Fünf-, Zehnjahresrückblicke geben. Du wirst dein ganzes Leben lang darüber reden." Und genauso ist es gekommen. Aber mit der Distanz nimmt der Schmerz ab. Ich hatte eine wirklich harte Zeit nach den Attacken, gerade am ersten Jahrestag. All die Bilder und Alpträume kamen wieder. Aber mit der Zeit findet man einen Weg, damit umzugehen. Ich denke, der zehnte Jahrestag wird nicht so schwierig wie die anderen.

Wie haben Sie die traumatischen Erfahrungen verarbeitet?
Für mich war die einzige Frage, die nach 9/11 gezählt hat: Warum? Warum war ich da? Warum habe ich das gesehen? Warum habe ich so viele Probleme damit? Und dann hat sich, über die Zeit von zehn Jahren, die Frage geändert, vom Warum zum Wie. Wie kann ich etwas Gutes daraus machen? Als ich die Dokumentation über posttraumatische Störungen machte, habe ich nicht nur über meine eigenen Probleme geredet, sondern vor allem auch mit anderen Journalisten. Das hat geholfen, daran bin ich gewachsen.

Der Trailer zum Film

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