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Autor

Julia Groth

verfasst am

01.02.2012

im Heft

journalist 2/2012

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ZDF-Intendant Markus Schächter

"Das ist billige Polemik"

ZDF-Intendant Markus Schächter über die Forderung, Digitalsender abzuschalten, und die Anstrengungen, jüngere Zuschauer zu erreichen.

Bild: Mario Vedder

Markus Schächter weist Kritik an Digitalsendern zurück.

journalist: Besonders viele junge Menschen erreichen Sie bisher nicht mal mit Ihrem Vorzeigesender ZDF Neo. Ist Ihr Vorhaben gescheitert, eine jüngere Zielgruppe anzusprechen?

Markus Schächter: Was für eine Frage. ZDF Neo liegt zwei Jahre nach dem Start wie die anderen beiden Kanäle über dem Soll, hat seinen Publikumserfolg zweimal verdoppelt. Der Kanal erreicht mit einer branchenweit anerkannten Qualitätsprogrammierung in seiner Zielgruppe mehr jüngeres Publikum als alle anderen öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle und mehr als eine Reihe von Privatkanälen. Und: Es ist eine dynamische Entwicklung nach oben, der Programmerfolg beim jüngeren Publikum wird noch viel deutlicher werden.

Kurt Beck und RTL haben schweres Geschütz gegen die Digitalstrategie der Öffentlich-Rechtlichen aufgefahren. Was halten Sie davon?

Kurt Beck hat – wie er mir selbst sagte – einen Denkanstoß über die digitale Fernsehlandschaft der Zukunft gegeben. RTL macht daraus eine Kampfansage wider besseres Wissen. ZDF Neo liegt 2012 im Gesamtmarkt vor Sendern wie Comedy Central, Viva, Sixx und Das Vierte. Nach der Analogabschaltung des Satelliten am 30. April wird der Erfolg unserer Digitalkanäle noch deutlicher werden. Das ZDF hat mit den drei Digitalkanälen seine Ziele erreicht, den Marktanteil 2011 der ZDF-Programmfamilie zu halten. So lag der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen bei 8,6 Prozent, 2009 bei 8,4 Prozent. Damit ist die ZDF-Programmfamilie neben der RTL-Gruppe die einzige große Senderfamilie, die ihren Marktanteil bei den jüngeren Zuschauern in diesem Zeitraum steigern konnte.

Sind Sie der Ansicht, dass die Digitalkanäle des ZDF durch die Bank ihrem Auftrag gerecht werden?

Das Optimieren von Sendungen und Sendeplätzen ist wie im Hauptprogramm eine Daueraufgabe. Vieles gelingt uns aber auch jetzt schon sehr gut. Alle drei Kanäle sind Talentschmieden und werden noch wichtige Programmideen und Nachwuchsköpfe für das Hauptprogramm liefern. Sie haben eine vorzügliche Reputation und gewinnen jetzt schon mehr junge Zuschauer hinzu, als wir im Hauptprogramm im scharfen Wettbewerb verlieren. Mit einem einzigen Vollprogramm ist es ja nicht mehr möglich, alle Alters- und Zielgruppen in angemessenem Umfang zu erreichen. Hauptprogramm und Nebenprogramm müssen in der digitalen Welt in ihrer notwendigen Ergänzungsfunktion für unterschiedliche Zielgruppen gesehen werden.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf von RTL, mit den Digitalsendern vor allem die Expansion im Internet vorantreiben zu wollen, also Inhalte vor allem zu versenden, um sie danach im Netz nutzen zu dürfen?

Das ist billige Polemik von Programmplanern, die mit Unbehagen mit ansehen müssen, dass man mit qualitativ hochwertigen und publizistisch auffälligen Programmen das Publikum auf seine Seite ziehen kann. Wir setzen mit Erfolg auf Lebenswirklichkeit statt auf erfundene Realität.

Mehr zum Thema

Warum die ARD weniger gelassen über die Weiterentwicklung ihrer Digitalsender nachdenkt, lesen Sie in der Februar-Ausgabe des journalist.

Aktuelle Kommentare zu diesem Interview

01.02.2012 21:50

Peter Riecke

Selbstverständlich geht es ausschließlich um die Expansion ins Internet, damit der geneigte unfreiwillige Gebührenzahler auch künftig nicht nur für die Kosten seiner Internet-Vernetzung, sondern auch noch für die öffentlich-rechtlichen Programm-Angebote finanziell aufkommen muss. Nur frage ich mich, was das für eine Gesellschaft ist, in der ein privilegierter Teil solche Extra-Zahlungen erhält, während alle anderen Publizisten zusehen können, was sonst am Markt noch für sie übrig bleibt? Und folgerichtig wird das Geld (rd. 8 Mrd. € p.a) überwiegend für die Verwaltung zahlreicher öffentlich-rechtlicher Abspielstationen und exorbitante Gagen einiger Unterhaltungskünstler ausgegeben und keineswegs für Journalisten. Vor allem der Jugend ist es immer weniger zu vermitteln, dass man ihr vorschreibt, für welche Inhalte sie zu zahlen hat und bei welchen sie auch nein sagen darf. Für viele junge Menschen sind 18 € und mehr im Monat eben doch viel Geld und eine Dauerbelastung. Und es ist eine Frechheit, damit Florian Silbereisen zu füttern, nur weil der Quote bringt und man damit seine eigene Wichtigkeit unterstreichen kann.

 
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