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Autor

Jennifer Stange

verfasst am

14.05.2014

im Heft

journalist 4/2014

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Mehr Informationen und Tipps finden Sie in der Broschüre Schöner schreiben über Lesben und Schwule vom Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen.

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10 Tipps auf dem Weg zur Normalität

Wie berichten Journalisten über Schwule und Lesben, ohne sie zu diskriminieren und ohne dabei einen Eiertanz aufführen zu müssen? Die meisten achten beim Thema Homosexualität zwar auf ihre Wortwahl – trotzdem verstecken sich in vielen Formulierungen Vorurteile und Klischees. 10 Tipps für mehr Normalität in der Berichterstattung.

Eine großartige, mutige Entscheidung. Viele Journalisten waren von Thomas Hitzlspergers Coming-out vor knapp drei Monaten regelrecht begeistert. Und überhaupt sei das alles ja das Normalste der Welt. Dennoch mussten sie an manchen Stellen darauf hinweisen, dass der Fußballer Hitzlsperger – obwohl er schwul ist – doch einen sehr harten Schuss hatte. Erstaunlich, da prallt das Klischee des schwächlichen Schwulen auf die Realität und trifft nicht. Eine Erfahrung, die Journalisten immer wieder machen, wenn es um Homosexualität geht – sei es in der Berichterstattung über die Vorgänge in Uganda oder den Lehrplan-Streit in Baden-Württemberg. Selbst wenn sie sich dieser Normalität und der eigenen Toleranz zigmal vergewissert haben.

Zehn Tipps, wie man jenseits von übereuphorischen Riesenschlagzeilen, Klischees und peinlicher Verschwiegenheit die Dinge beim Namen nennt.

Weg von der expliziten Berichterstattung

Selbstverständlich ist Homo- oder Bisexualität erst, wenn man von der expliziten Berichterstattung über Homosexualität wegkommt, und das heißt zuallererst: weg vom Big Bang des Coming-outs.

Klaus Wowereit war 2001 der erste deutsche Spitzenpolitiker, der öffentlich sagte: "Ich bin schwul – und das ist auch gut so." Die Medien reagierten größtenteils mit Lob für Wowereits Mut und Aufrichtigkeit. Unriskant war sein Coming-out allerdings nicht, denn Homosexualität galt bis dahin für Politiker als Tabu. Seine Erklärung war eine Zäsur für die Politik, und ebenso ist Hitzlspergers Coming-out die Chance für einen Gezeitenwandel im Männerfußball.
Doch häufig ist das Coming-out für Menschen, die im Rampenlicht stehen, nur ein mehr oder weniger freiwillig inszeniertes Medienereignis. So soll eine Drohung aus dem Hause Springer, Wowereits Privatleben zu thematisieren, überhaupt erst der Anlass für seine Erklärung gewesen sein. Guido Westerwelle hatte sich lange vor der Bild-Titelstory "FDP-Chef Westerwelle liebt diesen Mann" immer wieder mit seinem Partner in der Öffentlichkeit gezeigt.

Als Anne Will und Miriam Meckel gemeinsam eine Veranstaltung besuchten, hatten sie es deshalb "einmal ertragen, dass dieses Foto gemacht wird", erzählt Meckel später. Ertragen? Ertragen müssen prominente Homosexuelle nicht selten ein Moment der öffentlichen Erregung, wenn sie Spekulationen beenden und sich outen wollen, bevor es jemand anderes tut.

Wenn man Schwule und Lesben oder deren Lebenspartner ebenso beiläufig erwähnen würde, wie es bei Heterosexuellen üblich ist, würde das sicher mehr zur Normalität beitragen.

Eine Privatsache wie jede andere

Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust machte sein Schwulsein erst sehr spät öffentlich, weil er befürchtete, nur noch als "der schwule Politiker" wahrgenommen zu werden. Es ist also grundsätzlich wichtig, zwischen beruflicher Funktion und sexueller Orientierung zu unterscheiden. Dennoch kann die Thematisierung der Homosexualität durchaus relevant sein. Wenn Guido Westerwelle als Außenminister in ein Land wie Saudi-Arabien reiste, in dem Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird, dann tat er das zwar nicht in erster Linie als schwuler Außenminister – dennoch verdeutlicht diese Information die mögliche Brisanz seines Besuchs.

Gelegentlich kann die sexuelle Orientierung auch für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit einer Person wichtig sein. So im Falle des ehemaligen republikanischen US-Senators Larry Craig, der immer wieder durch homophobe Äußerungen aufgefallen war. Später gab er zu, auf einer Flughafentoilette Sex mit Männern gesucht zu haben, bestritt dies dann aber wieder – ebenso wie homo- oder bisexuell zu sein.

Die Skandalisierung dieses Falls bleibt genauso umstritten wie der Skandal um Horst Seehofers Geliebte. So eine Geschichte ist eigentlich Privatsache. Allerdings, so kann man argumentieren, hat Seehofer sich und seine Familie jahrelang im politischen Alltag inszeniert und damit selbst sein Privatleben zum öffentlichen Interesse gemacht. Annette Schavan tat das nicht, trotzdem stand sie – ledig und kinderlos – 2004 unter "Lesben-Verdacht".

Bei Homosexuellen und Heterosexuellen stellt sich gleichermaßen die Frage: Wo hört das öffentliche Interesse auf – und wo fängt der Schutz der Privatsphäre an?

Verschiedenheit erzählen

Stars und immer häufiger auch Politiker lassen ihr Leben im Wahlkampf ganz groß plakatieren und sind dankbar für stimmungsvolle Mann-Frau- oder idyllische Vater-Mutter-Kind-Storys. Diese unprätentiösen Geschichten gibt es über schwule und lesbische Paare oder Regenbogenfamilien bisher kaum.

Auch wenn Homosexuelle nicht mehr den Exotenstatus verpasst bekommen wie einst Hella von Sinnen, passen ihre Geschichten eben doch nicht in das Portfolio von Lifestyle- oder Familienmagazinen. Homosexualität wird hier häufig noch genauso neu und sonderbar inszeniert wie das Leben alleinerziehender Mütter.

Ideen für neue Geschichten und Themen kann man sich in Schwulen- und Lesben-Magazinen wie L-Mag oder Männer abgucken. Das könnte auch bei der Suche nach Protagonisten hilfreich sein.

Raus aus dem politischen Schützengraben

Wenn bei heterosexuellen Paaren romantisch nacherzählt wird, wie und wo die zwei sich kennengelernt haben, werden homosexuelle Paare eher nach ihrem Coming-out gefragt. Während die Hochzeit von Heterosexuellen wohl kaum die Frage aufwirft, was die Frischvermählten vom Ehegattensplitting halten, wird von Schwulen und Lesben eine Haltung zum Streit Ehe versus gleichgeschlechtliche Partnerschaft erwartet.

Gerne berichten Journalisten auch von überzeugten Schwulen und Lesben, so als wäre die sexuelle Orientierung ein Statement oder eine Meinung, von der man auch wieder ablassen könnte. Die Frauenzeitschrift Emma etwa lobt "überzeugte lesbische Mütter". Eine typische Falle, denn nicht alle Schwulen und Lesben verstehen sich als politische Botschafter einer schwulen oder lesbischen Lebensweise und wollen dazu stellvertretend Auskunft erteilen.

Homosexualität ist nicht nur Schwulsein

Seltsamerweise werden in der Berichterstattung über Homosexualität häufig nur Schwule berücksichtigt. Die Adjektive "schwul" und "homosexuell" werden oft sogar synonym verwendet. Das Gesetz zum Verbot der "Homosexuellen-Propaganda" in Russland etwa bewerteten Journalisten häufig als "schwulenfeindlich", obwohl es Lesben genauso betrifft. Treffender ließe sich diese Gesetzgebung also als "lesben- und schwulenfeindlich" oder "homophob" beschreiben.

Auffällig ist auch, dass Lesben in den Medien weniger Aufmerksamkeit erregen: Die damalige deutsche Abgeordnete im Europaparlament Lissy Gröner heiratete 2005 in Brüssel ihre Lebensgefährtin. Es war die erste gleichgeschlechtliche Ehe einer Abgeordneten des Europaparlaments, dennoch war die Resonanz der Presse bescheiden.

Unzählige Berichte über schrille Partys in Schwulen-Bars und -Clubs erwecken beinahe den Eindruck, Lesben würden nur traurig zu Hause sitzen. Dabei gibt es ebenso Lesben-Bars und -Clubs, die man auch findet, wenn man danach sucht.

Erstrebenswert ist also eine ausgewogene Berichterstattung, denn für dieses Ungleichgewicht gibt es keinen sachlichen Grund.

Nicht an Klischees kleben

Aber vielleicht gibt es eine Erklärung. Homosexualität bei Männern war in der Vergangenheit zum Teil mehr geächtet als Beziehungen unter Frauen. Frauen wurden in Strafgesetzen gegen Homosexualität mitunter nicht einmal explizit erwähnt. Viele Vorurteile gegenüber Schwulen stellen außerdem deren Männlichkeit infrage. Das gilt zwar auch für Vorurteile gegenüber Lesben und deren Weiblichkeit, allerdings sind die Effekte unterschiedlich.

Hitzlsperger erregte auch deshalb so viel Aufsehen, weil der Bolzplatz hierzulande als Arena der Männlichkeit gilt. Schwulsein wird immer noch gerne mit Schwäche assoziiert, weshalb homosexuelle Männer tendenziell als heterosexuellen Männern unterlegen imaginiert werden.

Im Frauenfußball ist es genau umgekehrt. Als die Nationaltorhüterin Nadine Angerer mit ihrer Partnerin den roten Teppich betrat, registrierten das nur ein paar Klatschspalten. Denn am Frauenfußball klebt das Lesben-Image. In strengen Geschlechterklischees gedacht gelten Frauen, die muskulös, ehrgeizig und durchsetzungsfähig sind, schnell als Lesben.

Dieses Bild erklärt, wieso Anne Will und Miriam Meckel bei Spiegel Online für Verwunderung sorgten. Beide wären ja eher der "feminine" Frauentyp und entsprächen damit nicht den gängigen Lesbenklischees. "Ich weiß nicht, wie ein typisches Frauenpaar aussieht, deswegen weiß ich auch nicht, wie wir das Bild hätten korrigieren können", sagt Meckel im Spiegel-Online-Interview.

Mit anderen Worten: Schwule erkennt man nicht an ausgeflippten Klamotten, nasaler Aussprache oder femininen Bewegungen, und Lesben sind keine hässlichen, verbiesterten Mannsweiber, die keinen abgekriegt haben. Halten Sie Vorurteile aus Ihrer Arbeit raus.

Diskriminierende Sprache vermeiden

"Jodie Foster bekennt sich zur lesbischen Liebe", titelte die Welt. "Lars Steinhöfel offenbart: 'Ich bin schwul!'" verkündet der Fernsehsender RTL über den Unter-uns-Schauspieler. 1994 wurde der Paragraf 175 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Seitdem ist Homosexualität keine Straftat mehr, zu der sich jemand "bekennen" könnte – und für die wenigsten ist sie eine Sünde, die man in einer Beichte "offenbart". Beide Sichtweisen waren zwar lange gesellschaftlicher Konsens, doch in der heutigen Gegenwartssprache scheinen diese Formulierungen mindestens schräg, wenn nicht sogar diskriminierend. Das gilt einmal mehr für verschämte Umschreibungen von Homosexuellen als "warme Brüder" oder "Menschen vom anderen Ufer". Begriffe, die auf eine scheinbar unsagbare Abnormalität hinweisen wollen.

Bezeichnungen wie "Homosexuellen-Milieu" sind ebenfalls unzutreffend, denn die meisten Schwulen und Lesben leben dasselbe angepasste und bürgerliche Leben wie die meisten anderen auch.

Selbstbeschreibungen nutzen

Diskriminierende Sprache lässt sich häufig vermeiden, wenn man die Selbstbeschreibungen derjenigen verwendet, über die man spricht. Manche Lesben und Schwule fühlen sich der Gay-Community oder Schwulen- und Lesben-Community zugehörig: einer Identitätsbewegung beziehungsweise (auch politischen) Interessengemeinschaft im weitesten Sinne, die sich vor allem für Gleichstellung und gegen Homophobie einsetzt. Auch zahlreiche Publikationen und Internetseiten richten sich an die Gay-Community.

Auch Regenbogenfamilie ist in Anlehnung an das internationale schwul-lesbische Symbol der Regenbogenfahne eine Selbstbezeichnung.

Falsche Behauptungen einordnen

Die Weltgesundheitsorganisation hat Homosexualität 1992 aus der Liste der psychischen Störungen gestrichen, bis heute wurde das Homo-Gen nicht gefunden, und hormonelle Ursachen sind auch nicht bekannt. Dennoch halten sich pathologisierende Deutungen hartnäckig.

Deshalb tun Journalisten gut daran, einer Ursachenforschung, die sich nur einseitig mit Homosexualität befasst, kritisch zu begegnen und sich vor allem nicht mit Spekulationen daran zu beteiligen. Genau dazu lud Bild jedoch 2007 die Sexualpsychologin Christine Baumanns ein. Sie schrieb, Homosexualität sei bei Frauen manchmal "genetisch festgelegt", "viel häufiger" sei es aber die Reaktion auf eine "große Enttäuschung mit einem Mann".

Der Verdacht, Homosexualität wäre "ansteckend" oder Ergebnis einer (falschen) Erziehung, tauchte in der Debatte um die Petition gegen mehr Aufklärung über Homosexualität in Baden-Württembergs Schulen immer wieder auf. Umso wichtiger ist es für Journalisten, falsche Behauptungen kritisch einzuordnen und nicht bloß als Meinung abzubilden. Homosexualität: Droht die moralische Umerziehung? hieß ursprünglich ein Titel der ARD-Sendung Menschen bei Maischberger. Damit machte sich die Redaktion schon im Titel die Interpretation der Gegner des Bildungsplans zu eigen. Daran änderten auch die später hinzugefügten Anführungszeichen wenig.

Gratwanderung zwischen Witz und Ressentiment

Die Frage, ob bestimmte Witze gut sind, erlaubt sein sollten oder einfach geschmacklos sind, ist in den wenigsten Fällen eindeutig zu beantworten. Zu Recht ist allerdings der Humor umstritten, der sich vor allem an gesellschaftlichen Minderheiten abarbeitet.

Dafür ist der TV-Total-Showmaster Stefan Raab berühmt. Zu Hitzlspergers Coming-out entlud sich in seiner Sendung ein ganzes Feuerwerk sogenannter Homo-Witze: "Zenit St. Penisburg, Erzgebirge Aua, Manfister United" und so weiter. Schwule und lesbische Erwachsene könnten das witzig finden. Raabs Publikum rekrutiert sich jedoch auch aus jüngeren Zielgruppen – zum Teil noch im pubertierenden Alter – und die nehmen die Sache offenbar sehr ernst. Da heißt es dann schon mal: Jawoll, endlich sagt das mal wer, endlich spricht jemand aus, was die Mehrheit denkt. Ob man will oder nicht – hinter dem Witz lauert das Ressentiment.

Über die Autorin

Jennifer Stange ist freie Journalistin in Leipzig.

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

14.05.2014 17:19

Susanne Habel

Leider beantwortete dieser Text nicht meine Frage, warum für die Dragqueen Conchita Wurst in den Medien immer das Pronomen "sie" verwendet wird, obwohl es ein Mann namens Tom Neuwirth ist, der m.W. keine Geschlechtsumwandlung vollzogen hat. Den ESC-Sieg hat er (sie?) sicher voll verdient, aber wie lautet die entsprechende grammatikalische Vorschrift?

14.05.2014 20:47

N. H.

Da gibt es keine grammatikalische Vorschrift! Die Vorschrift macht, wenn überhaupt, Conchita Wurst selbst. Vielleicht einmal hier schauen: http://conchitawurst.com/about/biography/
Conchita ist das Alter Ego von Tom. Conchita ist eine Frau, Tom ein Mann. Conchita Wurst hat in Kopenhagen gesungen und den ESC gewonnen, nicht Tom Neuwirth. Zur temporären Verwandlung in ein anderes Wesen wird keine Geschlechtsumwandlung benötigt. Denken Sie mal an den Karneval ... Alles klaro?

14.05.2014 21:44

Johannes G.

@Susanne Habel

Da nicht Tom Neuwirth als solcher, sondern seine Kunstfigur Conchita Wurst den ESC gewonnen hat, ist es vollkommen korrekt das Pronomen "sie" zu verwenden.

15.05.2014 09:39

JJ Preston

Zu Punkt 5:
Passender wäre doch eigentlich das Wort "homofeindlich", trifft es doch doppelt: Einerseits bezogen auf HOMOsexuelle, andererseits bezogen auf HOMO als lateinisches Wort für "Mensch" ...

@Susanne Habel:
Wie ist es denn mit Mary alias Georg Preuße? Oder mit Lilo Wanders alias Ernie Reinhardt?

15.05.2014 10:58

Klaus Mueller

Wie wär's wenn wir einen Idioten einfach einen Idioten nennen und einen tollen Hecht einfach einen tollen Hecht. Und seine Sexualität nicht extra erwähnen.
Robert Gernhardt hatte in den Achtzigern dieses "Problem" anhand eines Artikels über einen Krüppel ausführlich (und meiner Meinung nach logisch und richtig) behandelt. Er bekam Beifall von Krüppeln. Nur Beifall.
Aber genauso wie seine damals notwendigen deutlichen Glossen über Extremfeministinnen (heute: Gendertröten) und Sprach-Stalinisten und -Zensoren war sein Bemühen wohl umsonst. Leider. Resp. die Mutter der Doofen ist immer schwanger, will sagen: die, die's wissen, werden älter und sterben. Und den erst mal dumm Nachgeborenen muss man's immer wieder sagen (?)

15.05.2014 11:02

D B

Conchita Wurst ist eine Kunstfigur. Der dahinter stehende Künstler ist schwul und cis, das heißt nicht trans. Er steht auf Männer, während er mit seinem Körper okay ist. Wenn es um Beschreibungen von Eigenschaften/Handlungen/... der Figur Conchita geht, ist das Pronomen "sie" aber okay, denke ich, denn man weiß nicht, in wie weit das mit realen Haltungen ihres Schöpfers korrespondiert.

15.05.2014 17:59

Lars B

Ich finde ja, dass Journalisten nicht mühsam sich darum sorgen sollten, ihre Ressentiments zu verschleiern, sondern sofern sie bestehen, diese auch zugeben und besser an deren Abbau arbeiten. Nichts ist unangenehmer, als Texte, welche die verkrampfte Anstrengung erkennen lassen, ja nix Falsches zu sagen.

15.05.2014 22:32

Bodo Zwenger

Ich möchte doch sehr darum bitten, von dem Wort "homophob" wegzukommen.

Eine Phobie ist eine für den Betroffenen meist sehr belastende und lebenseinschränkende psychische Krankenheit, für die er nichts kann und für deren Behandlung er oft langwierige und anstrengende Therapien auf sich nimmt.

Sie schreiben, über Homosexualität solle nicht in pathologischen Deutungen geschrieben werden (wobei ich Ursachenforschung nicht als Pathologisierung betrachte), andererseits pathologisieren sie Ablehnung von oder Haß auf Homosexuelle und packen so unverschuldet psychisch Erkrankte in eine Kategorie mit Menschenfeinden.

16.05.2014 09:15

Julian K

@Bodo Zwenger
Dein Umdeutungveruch des Wortes Homophobie ist nicht angebracht. Kannst du da bitte die Queere Community disktuieren lassen. Ich finde es äußerst schräg, wenn Maskulinisten wie du, sich in die Debatte einschalten und ihre unqualifizierte Weltsicht der Dinge darauf geben.

17.05.2014 00:06

Bodo Zwenger

Julian K,

eigentlich ging ich davon aus, dies sei keine queere Community, sondern ein journalistisches Fachportal, konkret ein Artikel über die Vermeidung von diskriminierender Sprache und Berichterstattung. Daher erachtete ich es für sinnvoll, darauf hinzuweisen, daß im Artikel selbst diskriminierende Sprache empfohlen wird.

Sicherlich stimmen Sie mit mir darin überein, daß die heute unter Jugendlichen traurigerweise verbreitete Verwendung des Wortes "schwul" als Beleidigung diskriminierend gegenüber Homosexuellen ist. Daher ist es mir schwer verständlich, daß Sie andererseits die Bezeichnung von Menschenfeinden und Gewalttätern als Phobiker, die durch das im Artikel vorgeschlagene Wort "homophob" offensichtlich erfolgt, nicht als für letztere ebenso diskriminierend erkennen. Leider gehen Sie aber auch nicht auf meine Argumentation ein, so daß ich nicht weiß, wie ich mein Anliegen für Sie verständlicher darlegen könnte.

Vorurteile gegen psychisch Kranke sind in der Gesellschaft leider ebenso verbreitet wie solche gegen Homosexuelle. Einem kürzlich veröffentlichten Artikel zufolge sehen sie sich beispielsweise mit erheblichen Problemen bei der Arbeitsplatzsuche konfrontiert; eine aktenkundige Psychotherapie, selbst wenn sie erfolgreich abgeschlossen wurde, kann etwa eine Verbeamtung sogar endgültig verhindern.

Ein ethischer Journalismus sollte es sich zur Aufgabe machen, solch negative Einstellungen gegenüber Bevölkerungsgruppen abzubauen und nicht durch unbedachte Wortwahl noch zu verstärken.

Was genau Sie mit "Maskulinisten" meinen, weiß ich leider nicht, kann mir aber auch nicht vorstellen, inwiefern (, und fände es "äußerst schräg", wenn) es die queere Community zur Verwendung von ableistischen Beleidigungen berechtigen könnte.

21.05.2014 02:54

Marko Schulz

Was sie leider nicht erwähnen und immer wieder falsch gemacht wird: Auch wenn die Bezeichnungen leider HomoSEXualität und SEXuelle Orientierung lauten: Es geht bei der sexuellen Orientierung nicht nur, ja meist nicht einmal vorrangig um Sexualität (und das Geschlecht des Sexualpartners). Es geht bei der sexuellen Orientierung ganz generell darum, zu wem man sich partnerschaftlich hingezogen fühlt, was unterschiedlichste Ausprägungen hat, Emotionen, Sexualität, Lebensgestaltung, Romantik.

 
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