Detail-Informationen

Autor

Martin Giesler

verfasst am

21.01.2014

im Heft

journalist 12/2013

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Redaktionswerkstatt

Apps, die Reportern das Leben erleichtern

Smartphones und Apps sind unsere ständigen Begleiter. Fotos machen, Routen finden, mit Freunden chatten – all das lässt sich mit einem einzigen Gerät machen. Und auch für Journalisten ist das Smartphone ein Segen – Hunderte Apps versüßen den Reporteralltag. ZDF-Redakteur Martin Giesler stellt seine Top 25 vor.

Videos drehen und schneiden

Wer mit dem Smartphone ein Video aufnimmt, sollte eine grundlegende Regel beachten: im Querformat filmen. Hochkant-Videos sind zwar immer mal wieder auf YouTube zu bestaunen, sehen aber nicht nur grässlich aus, sondern stehen auch den Sehgewohnheiten fundamental entgegen – oder haben Sie schon einmal einen Film im Hochkant-Format im Fernsehen gesehen?

Schneiden

Fürs einfache Aufnehmen reicht die Kamera des Smartphones aus. Wer das aufgenommene Material schnell schneiden möchte, dem können diese zwei Apps weiterhelfen: iMovie und Videolicious.

iMovie ist der Klassiker aus dem Hause Apple und wartet mit allem auf, was ein Reporter so braucht. Per Fingerklick lässt sich Rohmaterial schneiden, neu arrangieren und mit einer Audiospur erweitern. Das Programm eignet sich auch für Einsteiger und ist wirklich schnell zu erlernen.

Videolicious ist das schnellste Video-Schnittprogramm auf dem Markt. Es bietet zwar bei weitem nicht so viele Möglichkeiten wie iMovie, überzeugt aber durch die Handhabe und Geschwindigkeit. Mit Videolicious entstehen innerhalb von Sekunden fertige Beiträge. Ein Tool, das übrigens auch die Reporter der Washington Post verwenden.

Live übertragen

Während früher eine ganze Kompanie – Kameramann, Tonfrau, Mischer, Regisseur, Fahrer, Techniker, Reporter – notwendig war, um ein Event in Echtzeit journalistisch zu begleiten, reicht heute eine Person. Das kann man beklagen oder begrüßen, entscheidend ist: Niemals zuvor waren Journalisten so frei und unabhängig und konnten allein mit Hilfe eines Handys und ein paar Apps live berichten. Für die Live-Berichterstattung vor Ort gibt es drei gute Alternativen, die sich alle nur marginal voneinander unterscheiden: Ustream, Livestream und Bambuser. Mit allen Apps lassen sich Live-Bilder direkt ins Internet streamen. Der Vorteil: Dritte können via HTML-Code-Schnipsel die Videos abgreifen und auf anderen Websites einbinden.

Teilen

Wer möchte, dass sein Material direkt millionenfach zu sehen ist, der kann sich an die Apps der großen sozialen Netzwerke halten. Twitter etwa bietet mit Vine und YouTube mit YouTube Capture eine App mit Videofunktion an, die es jeweils ermöglicht, spontan aufgenommene Kurzvideos sofort mit der Welt zu teilen.

Fotos aufnehmen und bearbeiten

Die meisten Smartphones besitzen heute eine integrierte Kamera, die sich noch vor Jahren mancher Profifotograf gewünscht hätte. Was liegt also näher, als Fotos vom Interview zu machen oder während der Recherche zu knipsen. Ein Foto ist besser als kein Foto, viel falsch machen kann man nicht – und für alles andere gibt es eine App oder eben den Profifotografen.

Aufnehmen

Vor dem Knipsen: am besten Camera+ installieren. Die App ermöglicht es, Einstellungen vorzunehmen, die man sonst nur von einer professionellen Digitalkamera gewohnt ist. Belichtungszeit, Tonwert und Fokus lassen sich mit der App mühelos anpassen und garantieren recht anständige Ergebnisse.

Falls jemand Dokumente scannen möchte – auch das geht mit dem Smartphone, etwa mit CamScanner. Mit dieser App lassen sich Dokumente abfotografieren, zurechtschneiden und anschließend in PDF-Dateien umwandeln.

Bearbeiten

Wer seine Bilder nachbearbeiten möchte, kann auch das direkt auf dem Smartphone erledigen – etwa mit Snapseed oder Adobe Photoshop Express. Während Snapseed mit einem Rundumsorglos-Paket aufwartet und dem Anwender einfache Mittel an die Hand gibt, um das Beste aus den Fotos herauszuholen, kann Adobe Photoshop Express nahezu alles, was sein großer Bruder kann – mit entsprechend professioneller Qualität.

Teilen

Fotos werden in sozialen Medien wesentlich häufiger geteilt als Texte und Links. Wer also möchte, dass sein Bild viral wird, der sollte ein soziales Netzwerk nutzen, um seine Bilder zu verbreiten. Dafür bieten sich vor allem Instagram, Twitter und Flickr an. Hier lassen sich die Fotos nicht nur direkt mit der Welt teilen, jeder User kann auch jedes Foto auf jeder Plattform einbinden.

Audios mitschneiden und verschicken

Die meisten Smartphones besitzen heute eine integrierte Kamera, die sich noch vor Jahren mancher Profifotograf gewünscht hätte. Was liegt also näher, als Fotos vom Interview zu machen oder während der Recherche zu knipsen. Ein Foto ist besser als kein Foto, viel falsch machen kann man nicht – und für alles andere gibt es eine App oder eben den Profifotografen.

SoundCloud ist die Plattform Nummer eins, wenn es um Audio geht. Das junge Unternehmen aus Berlin besticht mit seinem Anspruch an Design und Benutzerfreundlichkeit. Mit der SoundCloud-App lassen sich Audio-Dateien – egal ob Interview-Mitschnitte oder sendefähige O-Töne fürs Radio – aufnehmen, die Journalisten anschließend ins Netz laden können. Wer mag, kann dies öffentlich tun oder aber seine Aufnahmen nur denjenigen zugänglich machen, die Zugang zum eigenen Profil haben. Das Gleiche gilt für DropVox. Das Programm ist eine Erweiterung zum beliebten Cloud-Dienst Dropbox und erlaubt es, Audio-Dateien direkt aus der Anwendung in der Cloud zu speichern.

Wer ein Telefonat oder ein Skype-Gespräch mitschneiden möchte, der braucht einerseits das Einverständnis seines Gegenübers und andererseits eine vernünftige App. Am einfachsten lassen sich Telefonate mit der App TapeACall aufnehmen. Die App ist schlank und selbsterklärend: einfach zu Beginn des Gesprächs den Aufnahme-Button drücken – und fertig.

Texten und texten lassen

Auf dem Smartphone zu schreiben, ist nicht der größte Spaß. Allerdings gibt es auch dafür Apps, die Journalisten das Leben ein wenig erleichtern können. Empfehlenswert: iA Writer. Die Anwendung kostet zwar etwas Geld, hat aber im Vergleich zu allen anderen Apps einen Vorteil: Sie konzentriert sich auf das Wesentliche, den Text. Während viele andere Apps leicht überladen wirken, ist iA Writer extrem minimalistisch aufbereitet und lässt den User allein mit seinen Gedanken und seinem Text – in Zeiten von Multitasking und Ablenkungen rechts und links eine Wohltat. Gerade auch auf dem Tablet ist iA Writer ein Genuss.

Wem das Eintippen von Text über die Smartphone- oder Tablet-Tastatur zu mühselig ist: Die Spracherkennungs-App Dragon Dictation steht fürs Diktat bereit.

Live-bloggen und kuratieren

Das Smartphone ist ein grandioses Werkzeug, um Fotos, Texte und Videos zu erstellen. Allerdings können Journalisten mit ihrem Smartphone auch Inhalte anderer perfekt kuratieren – also neu zusammenstellen. Dafür gibt es zwei Tools, die jeder Journalist ruhig einmal ausprobieren sollte: ScribbleLive und Storify.

Mit den beiden Programmen kann man Texte, Videos, Fotos, Tweets und Links mühelos zusammenstellen und somit Ereignisse entweder für das eigene Archiv dokumentieren oder für die Netzwelt bereitstellen. Gerade ScribbleLive besticht dadurch, dass mehrere Kollegen gleichzeitig an demselben Produkt arbeiten können. Auf Parteitagen oder bei anderen größeren Events bietet die App großartige Möglichkeiten, um ein Ereignis multimedial und aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Sowohl ScribbleLive als auch Storify können je nach Bedarf problemlos auf Websites eingebunden werden – egal ob es sich dabei um die eigene Redaktion handelt oder um Dritte, die das Produkt in ihrem jeweiligen Blog zeigen möchten. Das Live-Bloggen und das Kuratieren von Inhalten sind tolle neue Felder für Journalisten, die gerade mit Blick auf Großereignisse künftig stärker in den Fokus rücken werden – die Inhalte sind schließlich da, sie wollen aber sortiert und eingeordnet werden.

Abspeichern und ordnen

Ordnung ist das halbe Leben – im digitalen erst recht. Wer seine Dokumente, Fotos, Videos und Audios nicht richtig benennt, wird später kaum eine Chance haben, sie schnell wiederzufinden. Zum Glück gibt es wahnsinnig viele Apps, die die Produktivität steigern können und Ordnung ins Chaos bringen.

Die effektivste App zum Anlegen von Listen, Ablegen von Dokumenten und Speichern von Informationen ist Evernote. Der kleine grüne Alleskönner ist sowohl in der Nutzerführung als auch im Design quasi das Nonplusultra am Markt. Mit Evernote lassen sich Dokumente beim Abspeichern mit Schlagwörtern versehen, was das spätere Wiederfinden extrem erleichtert. Noch ein Vorteil: Evernote synchronisiert die Dateien zwischen den verschiedenen Endgeräten, also zwischen Smartphone, Tablet, Computer und Laptop. Heißt: Auf jedem Gerät finde ich immer die aktuellste Datei.

Es ist durchaus denkbar, Evernote mit Kollegen gemeinsam zu nutzen, um so eine Sammelstelle zu schaffen, auf die alle Zugriff haben. Genau dafür bietet sich auch Google Drive an. Egal ob Dokumente, Bilder oder Tabellen – Google Drive erkennt alle gängigen Formate und ermöglicht das Zusammenarbeiten mit unendlich vielen Kollegen an einem zentralen Ort im Internet. Auch Google Drive synchronisiert die Inhalte und garantiert somit immer die aktuellste Version für alle Nutzer.

Wer Inhalte einfach nur so online speichern möchte, damit Dritte darauf zugreifen können, der ist mit einem Cloud-Service wie Dropbox gut bedient. Mit Dropbox lassen sich alle erdenkbaren Dateien online ablegen – entweder komplett öffentlich oder aber nur für einen bestimmten Kreis, der per Mail Zugang zur Datei erhält.

Publizieren und Kommunizieren

Wer als Journalist der Welt möglichst schnell mitteilen möchte, was gerade passiert ist, der kann das natürlich über Twitter, Facebook und Google Plus tun. Während man dort in den publizistischen Darstellungsmöglichkeiten arg eingeschränkt ist, hat man andererseits eine nicht zu unterschätzende Reichweite. Folglich bieten sich für diese Plattformen kurze Texte, Fotos und Videos an. Wer etwas ausführlicher werden möchte, dem sei dann doch ein Blog ans Herz gelegt. Bloggen wird für Journalisten in einigen Jahren sicherlich zum ganz normalen Handwerk dazugehören. Wer seine Leser mitnehmen, transparent über seine Arbeit berichten und in Dialog mit dem Publikum treten möchte, der kommt am Bloggen nicht vorbei. Zudem bieten Apps auch hier Chancen, sich publizistisch neben der eigentlichen Arbeit zu Wort zu melden. Gut zum Einsteigen: Tumblr und Wordpress.

Überblicken und inspirieren

Das Internet ist, was Informationen und Nachrichten betrifft, Segen und Fluch zugleich. Noch nie war es für Journalisten so einfach, an Informationen zu gelangen oder sich von Dingen, die auf der Welt passieren, inspirieren zu lassen. Zugleich bedarf es aber auch einiger neuer Fähigkeiten, sich einen Überblick zu verschaffen über all die Bits und Bytes, die sekündlich über einen hineinbrechen. Zwei nützliche Werkzeuge dafür: Flipboard und Feedly.

Flipboard ist ein Magazin, das sich aus unterschiedlichsten Quellen speist. Während der Nutzer früher einzelne Internetseiten bewusst ansurfen musste, lässt sich mit Flipboard das Internet thematisch sortieren und übersichtlich aufbereiten. Flipboard ist eine Art Über-Magazin aller Zeitungen, Zeitschriften und Internetseiten – der User bestimmt, was ihn interessiert. Auch die eigene Facebook- beziehungsweise Twitter-Timeline wird in Flipboard hübsch aufbereitet dargestellt. Für die tägliche Inspiration ein Genuss und in jedem Fall etwas fürs Auge.

Feedly ist ein gängiger RSS-Reader, der Journalisten dabei helfen kann, sich extrem schnell einen Überblick über die Websites zu verschaffen, die man als RSS-Feed abonniert hat. Auch hier besteht der Vorteil darin, dass nicht alle Internetseiten einzeln über die Lesezeichen im Browser angesteuert werden müssen, um über die neuesten Inhalte informiert zu sein.

Achtung!

Merke: Wenn der Dienst nichts kostet, dann bist du das Produkt. Egal ob Facebook, Twitter, Dropbox, YouTube, Google Drive oder Evernote – viele der hier aufgezeigten Apps sind zunächst einmal kostenlos. Die Unternehmen machen sich allerdings je nach Geschäftskonzept die von den Usern bereitgestellten Daten zunutze, um damit Geld zu verdienen. Meist ohne Rücksicht auf das Urheberrecht. Auch ist mit Blick auf die NSA-Affäre nie hundertprozentig sichergestellt, dass die Daten bei den Unternehmen vor Dritten geschützt sind.

Folglich ist es mir ein Anliegen, auf den sensiblen Umgang mit Daten hinzuweisen und dazu aufzufordern, sich immer wieder die Frage zu stellen: Was ist der Nutzen der Dienste – Reichweite? Einfachheit? – und was sind die Kosten – Informantenschutz? Privatsphäre? Wer vertrauliche Informationen in der Cloud speichern oder über das Smartphone mit anderen teilen möchte, der findet im Internet Alternativen. Allerdings sind die meistens nicht ganz so einfach in der Handhabung.

Über den Autor

Martin Giesler arbeitet als Nachrichtenredakteur in der heute-Redaktion des ZDF und bloggt auf martingiesler.de über Journalismus und die Digitalisierung der Gesellschaft.

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Dieser Text stammt aus der Dezember-Ausgabe des journalists. journalist-Abonnenten lesen die Texte aus der Redaktionswerkstatt acht Wochen früher.

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

22.01.2014 18:23

Henning Klein

Gute und übersichtliche Zusammenstellung. Genau das, was mobile Journalisten brauchen.

22.01.2014 16:14

Sandra Schah

Phantastischer Überblick, danke! Extrem nützlich.

21.01.2014 17:23

Enja Jans, Artmapp

Sehr geehrter Herr Giesler, vielleicht ist die gratis ARTMAPP-App (die Inhalte sind und bleiben ebenfalls gratis!) auch noch interessant: Die ARTMAPP-Kunstplattform greift auf eine Datenbank zurück, die mehr als 7.000 Ausstellungsorte in der D/A/CH-Region aufführt und verbindet dabei die umfangreiche Kartenfunktion mit den Inhalten der ARTMAPP-App-Magazine, in denen sich der Nutzer umfassend informieren kann – auf einem Tablet von unterwegs oder Zuhause. Denn häufig reist man in eine fremde Stadt oder Region und möchte möglichst viel sehen und erleben, verpasst jedoch ohne einen gut informierten Ortskundigen am Reiseziel leider häufig die interessantesten Ausstellungen, bucht nur im zweitschönsten Hotel eine Übernachtung oder läuft an den guten Restaurants und Cafés vorbei. Das wollen wir unbedingt verhindern … Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg, Enja Jans

 
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