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verfasst am

08.06.2011

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"Redakteure müssen nicht auf jede Anmerkung eines Nutzers auf NDR.de oder in Sozialen Netzwerken antworten oder sich in wenig zielführende Diskussion verstricken."

NDR

Leitlinien für die Nutzung Sozialer Medienangebote

Im vergangenen Jahr haben innerhalb der ARD nahezu alle Rundfunkanstalten Social-Media-Guidelines erarbeitet und zum Teil schon verabschiedet – so der Rundfunk Berlin-Brandenburg, der Bayerische, der Saarländische, der Mitteldeutsche, der Westdeutsche und zuletzt der Norddeutsche Rundfunk. journalist online dokumentiert die NDR-Richtlinie im Wortlaut.

Teil 1 | Grundsätzliche Regeln für Soziale Medienangebote des NDR

Qualitätssicherung

Die Einträge (Postings, Blogs, Tweets und andere Beiträge) der Redakteure unterliegen denselben Regeln und Standards wie die Inhalte der übrigen Programme und Telemedien. Dies gilt auch für die Maßnahmen der Qualitätssicherung (redaktioneller Workflow und Freigabe). Bei redaktionellen Angeboten sollte die Themensetzung in den Redaktionskonferenzen besprochen werden. 

Alle Sozialen Medienangebote müssen moderiert werden. Jedoch ist nicht überall eine vorgelagerte Qualitätssicherung von Nutzerkommentaren oder User Generated Content möglich. Im Falle der nachgelagerten Qualitätssicherung ist die Redaktion für eine zeitnahe Überprüfung der Einträge verantwortlich. 

Die Frequenz kann nicht pauschal festgelegt werden, sondern ist abhängig von der Art der Social Media-Anwendung, der Plattform, dem publizistischen Umfeld und dem Thema. Bei brisanten Themen, zum Beispiel bei Wahlsendungen sollte zumindest – zum Beispiel wie im integrierten Facebook-Live-Chat – eine Qualitätssicherung unter Live-Bedingungen stattfinden. 

Kommentare der Nutzer sowie User Generated Content dürfen nicht redigiert oder inhaltlich bearbeitet werden. Es erfolgt lediglich eine Kürzung nach journalistischen Kriterien bzw. eine technische Bearbeitung. 

Kommentare, die gegen Gesetze, die guten Sitten oder die Netiquette verstoßen, werden nicht veröffentlicht, bzw. gelöscht. Wenn möglich, sollen die Nutzer darüber informiert und auf die Netiquette hingewiesen werden. Bei besonders gravierenden Verstößen oder strafbaren Äußerungen wird das Justitiariat informiert. Bei User Generated Content in den eigenen Onlineangeboten des NDR findet grundsätzlich eine vorgelagerte Qualitätssicherung statt.

Zusammenarbeit mit Plattformen Dritter

Für die Zusammenarbeit mit Drittplattformen und die technologieneutrale Bereitstellung ihrer Inhalte hat die ARD einen Kriterienkatalog entwickelt. Darin wurde festgehalten, dass solche Kooperationen dann möglich sind, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Redaktionelle Hoheit beim NDR/der ARD 
  • Vermittlung der Anmutung des Senders
  • Keine Zusatzkosten für die Nutzer
  • Freier Zugang, keine Verschlüsselung
  • Keine Werbung in unmittelbarem Umfeld
  • Keine Exklusivität
  • Die genehmigte Verweildauer kann nur unterschritten werden

Der NDR und die ARD bieten auf Plattformen Dritter im Bereich ihres Auftrags Telemedien oder Teile dieser Telemedien an, zu denen eine Ermächtigung, insbesondere gemäß dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV), vorliegt. Nun innerhalb dieser Ermächtigung erfolgt die technologieneutrale Verbreitung auf diesen Plattformen. Für exklusive Angebote auf Plattformen Dritter wären zuvor die Verfahren gemäß § 11d RStV (Drei-Stufen-Test) verpflichtend.

Vor dem Betreten einer Plattform Dritter, müssen die Nutzungsbedingungen analysiert werden. Es muss dabei geklärt werden, ob unter den herrschenden Nutzungsbedingungen ein Betreten der Plattform innerhalb des Auftrags überhaupt möglich ist oder ob eine exklusive oder zusätzliche Kooperationsvereinbarung geschlossen werden muss. Test-Accounts im Namen des NDR ohne diese Klärung sind nicht erlaubt.

Alle Angebote des NDR und der ARD auf Plattformen Dritter müssen als solche erkennbar sein und mit einem Impressum oder einer strukturierten Absenderangabe und ggf. abweichenden oder zusätzlichen Nutzungsbedingungen (Netiquette) gekennzeichnet werden.

Für alle Sozialen Medienangebote, die der NDR oder die ARD gemeinsam auf Plattformen Dritter anbieten, gelten die redaktionellen Regeln entsprechend und alle übrigen Regeln, soweit dies bei in den Angeboten möglich und bei den Betreibern durchsetzbar ist.

Rechteklärung

Die Rechte für die Darstellung von Inhalten des NDR und der ARD auf den Plattformen Dritter liegen in der Regel nicht vor. Viele Verträge des NDR und der ARD schließen diese Rechte pauschal aus (z.B. verschiedene Agenturverträge und Bildagenturverträge). Lediglich Inhalte, die mit der internationalen Lizenz Creative Commons gekennzeichnet sind oder rechtefrei gestelltes PR-Material (z.B. von ARD Foto), können ohne weitere umfängliche Rechteklärung auf Plattformen Dritter eingestellt werden.

Vor Einstellung von Inhalten oder Quellenmaterial der Sender oder von Dritten (User Generated Content) auf Plattformen Dritter müssen die entsprechenden Rechte geklärt und eingeholt werden.

Datenschutz auf eigenen Plattformen

Es gelten die Regeln aus der Ausarbeitung des Arbeitskreises der Datenschutzbeauftragten von ARD, ZDF und DLR vom Mai 2009 "Datenschutz und Datensicherheit in Sozialen Netzwerken im Web 2.0 der Rundfunkanstalten" in der jeweils aktuellen Fassung. In allen Telemedien ist die Datenschutzerklärung so zu platzieren, dass sie leicht auffindbar ist. Sie sollte in jedem Social Media-Angebot verlinkt werden. Die Integration von Social Media-Anwendungen als Widget in das eigene Angebot bedarf der vorherigen Freigabe durch den NDR Datenschutzbeauftragten.

Datenschutz auf externen Plattformen

Bei der Nutzung von Sozialen Medienangeboten auf externen Plattformen gehört zur Analyse der Nutzungsbedingungen insbesondere die Analyse der Datenschutzbestimmungen. Auf von den eigenen Datenschutzvorschriften abweichende Datenschutzvorschriften des Anbieters ist in geeigneter Weise (z.B. per Link) hinzuweisen. Bestehen Zweifel daran, ob eine externe Plattform datenschutzrechtlich unbedenklich ist, bezieht der PB OM den NDR Datenschutzbeauftragten in die Bewertung der Nutzbarkeit ein.

Teil 2 | Empfehlungen für Mitarbeiter: Soziale Medien zwischen Beruf und Privatnutzung

In Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing lassen sich die berufliche und private Sphäre der Nutzer teilweise nur schwer trennen. So könnten NDR Mitarbeiter, die privat in einem Netzwerk aktiv sind, dort möglicherweise unabsichtlich von anderen Nutzern als Repräsentanten des Senders wahrgenommen und angesprochen werden. Ein anderes Beispiel: NDR Journalisten nutzen für die Recherche in Sozialen Netzwerken ihr privates Benutzerprofil.

Ähnliche Überschneidungen zwischen Berufs- und Privatrolle gibt es auch in anderen Lebensbereichen. Auf Internet-Plattformen sind Verhalten und Äußerungen der Nutzer jedoch zu großen Teilen öffentlich, werden gespeichert und bleiben für Dritte recherchierbar. 

Alle NDR Mitarbeiter sollten sich deshalb in Sozialen Netzwerken entsprechend bewusst verhalten. Als Richtschnur sollten dafür die von der ARD vereinbarten Grundsätze dienen, die durch Anwendungsbeispiele präzisiert werden.

Die Beachtung der Grundsätze ist umso wichtiger, je stärker feste und freie NDR Mitarbeiter programmprägend tätig sind – also zum Beispiel als Moderator oder Redaktionsleiterin - und je mehr aus ihren privaten Social Media-Aktivitäten auf mögliche Interessenskonflikte mit ihrer Rolle als NDR Mitarbeiter geschlossen werden kann. Besondere Vorsicht ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geboten, die z.B. in den Bereichen politischer Berichterstattung oder der Wirtschaftsberichterstattung tätig sind.

Was will ich von mir preisgeben?

Alle Informationen, die ein NDR Mitarbeiter von sich, von anderen oder über den NDR im Internet preisgibt, können immer und in jeder Hinsicht auch gegen ihn selbst, den Dritten oder gegen den NDR verwendet werden. Daher sollte jeder, der solche Informationen verbreitet, sich darüber im Klaren sein, mit welchem Ziel er dies tut. Denn die Informationen sind nicht zurückzuholen und bleiben auf unabsehbare Zeit für einen großen Benutzerkreis oder weltweit verfügbar.

Die eingestellten Informationen mögen für sich genommen harmlos sein. Sie lassen sich jedoch oft auf einfache Weise mit anderen Informationen verknüpfen, um ein vollständiges Bild von einer Person oder von den Interna einer Institution zu bekommen.

Es sollte sich von selbst verstehen, dass nie ungefragt Informationen über Dritte preisgegeben werden, wenn kein öffentliches Interesse besteht.

Einige – insbesondere deutsche – Plattformen bieten die Möglichkeit, den Zugriff jeweils auf bestimmte Benutzerkreise zu beschränken. Diese Beschränkungen sind jedoch oft Hackerangriffen ausgesetzt und nicht sicher. Aggressive Suchmaschinen können die Datenschutzmechanismen der Anbieter jederzeit unterlaufen.

Das geistige Eigentum an den eingestellten Inhalten ist weitgehend schutzlos. Einige Anbieter – z.B. Facebook oder LinkedIn - beanspruchen in ihren Nutzungsbedingungen das unbeschränkte nicht exklusive Nutzungsrecht für sämtliche eingestellte Inhalte. Beim Nutzer bleiben das Risiko von Rechtsverstößen und die Gefahr, unerwartet bloßgestellt oder belangt zu werden.

Transparenz herstellen

Bei allen Webseiten, Nutzerprofilen oder Beiträgen muss klar erkennbar sein, ob diese vom Mitarbeiter als Privatperson gemacht werden oder offizielle Äußerungen im Namen des NDR sind. 

Private Profile von Mitarbeitern dürfen deshalb keine Marken des NDR in Nutzername, Nutzerbild oder ähnlichem verwenden. Auch die Verwendung des Sender- oder Sendungslogos beim Verweis auf eigene Beiträge sowie die Verwendung von Inhalten des  NDR auf privaten Internet-Auftritten erfordert die vorherige Abstimmung mit dem NDR.

Nicht berufsbezogene Artikel bei Wikipedia oder in anderen öffentlichen Wikis dürfen nicht von einem NDR Rechner aus verändert werden. Diese Änderungen können über die IP-Adresse des Computers öffentlich dem NDR zugeordnet werden. 

Distanz beachten 

Nutzen journalistische Mitarbeiter private Accounts für Recherchezwecke oder publizieren auf eigenen Webseiten innerhalb und außerhalb Sozialer Netzwerke, gelten die journalistischen Regeln. NDR Journalisten müssen darauf achten, dass die nötige Distanz zu allen Gegenständen und Personen der Berichterstattung gewahrt bleibt.

Vertraulichkeit wahren 

Vertrauliche und betriebsinterne Informationen dürfen nicht über private Webseiten, Accounts oder Einträge in Sozialen Medien veröffentlicht werden. Dazu gehören: strategische Informationen, finanzielle Informationen, nicht-öffentliche Informationen über Zulieferer, Interviewpartner und Quellen sowie andere Dritte.

Dialog aufnehmen

Ungeachtet solcher eventuellen Fallstricke ermuntert der NDR Redaktionen und Mitarbeiter, den Austausch mit dem Publikum verstärkt zu pflegen und so – direkt oder indirekt – für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu werben. Kommentare und Anmerkungen von Zuschauern, Hörern und Nutzern können wertvolle Verbesserungsvorschläge, Themen, Hinweise und Anregungen bieten und sollten deshalb von den Programmgestaltern zur Kenntnis genommen werden. Dies nicht zu tun, kann sich als Nachteil erweisen – zum Beispiel bei gerechtfertigten Hinweisen auf faktische Fehler in NDR Programminhalten.

Redakteure müssen deshalb nicht auf jede Anmerkung eines Nutzers auf NDR.de oder in Sozialen Netzwerken antworten oder sich in wenig zielführende Diskussion verstricken. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass direkte Interaktion die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des NDR stärkt und eine öffentliche Antwort eine Vielzahl von individuellen Antworten auf Briefe, E-Mails oder Telefonanrufe erspart. Für den Dialog mit den Nutzern in Sozialen Netzwerken gilt wie für deren private Nutzung: Transparenz gewährleisten und Zuständigkeiten wahren.

Umgangsformen anpassen

Unabhängig davon, ob sie privat oder im Auftrag des NDR in Sozialen Netzwerken aktiv werden wollen: NDR Mitarbeiter sollten sich mit den Gepflogenheiten und Umgangsformen innerhalb einer Plattform vertraut machen und sich daran orientieren. Auch bei privaten Meinungsäußerungen über Wettbewerber des NDR oder der Diskussion mit Kritikern gilt: respektvoll bleiben.

In Zweifelsfällen beim Umgang mit Sozialen Medien sollten NDR Mitarbeiter diese Fälle mit ihren Vorgesetzten besprechen. Beim PB OM steht ein Beratungsteam für Fragen zur Verfügung.

Hamburg, den 12. Mai 2011

 

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