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Autor

Wolfgang Bauer und Jonathan Stock

verfasst am

10.08.2011

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In der August-Ausgabe des journalists schreibt Jan Söfjer über den Zustand des Kriegs- uns Krisenjournalismus in Deutschland.

 

 

Bild: ddp/Paul Saxby

Krisenjournalismus

Das A bis Z der Kriegsreporter

Brauche ich eine Versicherung? Warum sollte ich auf Kunststoffkleidung und Kugelschreiber verzichten? Die Reporter Wolfgang Bauer und Jonathan Stock geben Tipps für die Reise ins Kriegsgebiet.


In Krisengebieten sterben mehr NGO-Mitarbeiter bei Verkehrsunfällen als durch Beschuss. Für Journalisten dürfte dasselbe gelten.

Den Fahrer sollte man daher sorgfältig auswählen. Gleiches gilt für den Wagen. Hat der Fahrer die Technik im Griff? Hat der Wagen genügend Technik? Ersatzeifen, Wagenheber und Reservekanister nicht vergessen! Notfalls Fahrer wechseln (aber sehr nett, damit keine offenen Rechnungen bleiben).

Viel beschworen, gibt es aber wirklich.

Immer Bargeld mitnehmen, da die Banken meist geschlossen sind und Geldautomaten nicht funktionieren. Wie viel? Mehr, als man denkt. Da die Kosten von Land zu Land unterschiedlich sind, erkundigt man sich am besten vorher bei Kollegen. In Tripolis liegen die Übernachtungskosten bei 270 Euro, da Journalisten in einem bestimmten Hotel übernachten müssen. In Bagdad gab es tägliche "Gebühren" von 200 Dollar.

Wenn möglich, sollte man verschiedene Währungen dabei haben, darunter immer eine starke internationale wie Euro, Dollar oder Pfund. Empfehlenswert ist es, zusätzlich eine größere Summe in einem Geldgürtel zu verstecken. Die wird bei einer Durchsuchung zwar gefunden, kann aber nützlich sein, wenn das Gepäck geklaut wird. Außerdem 20 Dollar im Hemd für die unmittelbare Befriedigung räuberischer Gelüste. Auch hier gilt: kann helfen, muss nicht. Wichtig ist, mit dem Arbeit- oder Auftraggeber zu klären, ob das Geld gegen Verlust, Diebstahl, Beschlagnahme etc. versichert ist.

Da es keinen Weg gibt, große Summen absolut sicher zu transportieren oder zu lagern, verteilt man es am besten auf unterschiedliche Orte und Menschen. Geld wechselt man möglichst nur mit einem vertrauenswürdigen Mittler.

Ein Rucksack. Darin: so wenig wie möglich. Gerade so viel, wie man im Notfall über eine längere Distanz tragen kann.

In Kriegsgebieten nützen schusssichere Unterzieh-Westen wenig, da sie nur für Kugeln, nicht aber für Splitter von Mörsergranaten ausgelegt sind. Besser sind ballistische Überzieh-Schutzwesten mit Aufrüstplatten. Der genaue Typ kommt immer auf das Land und die dort zu erwartenden Waffen an. Da sollte man sich beraten lassen.

Für den bestmöglichen Schutz sollte die Weste maßangefertigt sein. Das ist allerdings ziemlich teuer und macht trotzdem nicht unsterblich. Außerdem ist ein Reporter mit Weste langsamer und unbeweglicher. Achtung: Manche Länder - wie Ägypten - verlangen eine gesonderte Einfuhrgenehmigung.

Keine militärischen Kleidungsstücke, keine teuren Klamotten, Vorsicht mit Kunststoff-Kleidung in feuergefährlichen Situationen (Brände, Molotow-Cocktails). Goretex-Kleidung schmilzt und verschmort sich untrennbar mit der Haut.

In Krisengebieten funktionieren Handys oft schlechter, gar nicht oder nur in bestimmten Regionen oder Netzen. Daher sollte man mehrere Handys mitnehmen, die über verschiedene Anbieter laufen.

Außerdem:

  • Satellitentelefon (Thuraya oder Iridium, je nach Land). Ersatzbatterien nicht vergessen!
  • BGAN (Broadband Global Area Network). Das Satellitenmodem braucht man, um Texte und Fotos zu schicken sowie E-Mails zu checken. Man kann es mieten, zum Beispiel bei cpn.de.

Das ganze Spielzeug sollte man unbedingt zu Hause in Ruhe ausprobieren!

Wichtig zum Entspannen und Runterkommen für zwischendurch.

Mitnehmen. Oft gibt es in der Krise nichts zu essen. Außerdem ist das Risiko, Durchfall zu bekommen, hoch. Die Hälfte des Gepäcks sollte aus leichten Fertiggerichten bestehen – auch wenn sie scheußlich schmecken.

In der Krise ein rares Gut. Daher: Moskitozelt ("Moskito Dome") mitnehmen. Mein Zuhause ist überall, insektenfrei, sichtgeschützt, bei Wanzengefahr auch im Hotelzimmer aufstellbar.

Klingt blöd, aber Kulis funktionieren bei Staub und Hitze nicht lang. Harte Bleistifte mitnehmen!

In Deutschland bei der Bundeswehr, in Großbritannien zum Beispiel bei centurionsafety.net oder pilgrimsgroup.com.

Den Kurs der Bundeswehr in Hammelburg gibt es seit dem Tod der beiden Stern-Reporter Gabriel Grüner und Volker Krämer 1999. Er wird von der Berufsgenossenschaft als Präventivmaßnahme angeboten, aber von der Bundeswehr durchgeführt. Inhalte sind unter anderem: Erste Hilfe in Kriegsgebieten, Rollenspiele (Checkpoints, Überfall, Entführung) und Verhalten unter Beschuss. Sicherheitskurse sind bei vielen amerikanischen und britischen Sendern und auch bei der Deutschen Welle Pflicht von Auslandseinsätzen. Die Kurse in Großbritannien gelten als härter, aber auch teurer.

  • Adapter (so wichtig wie der Pass)
  • Ohrenstöpsel (gut gegen Explosionsgeräusche oder Dieselgeneratorlärm)
  • Taschenlampe (und Ersatzbatterien)
  • Multistecker
  • Ersatzbrille
  • Starkes Klebeband (zum Reparieren oder zum Abkleben von Fenstern als Splitterschutz)
  • Sicherheitsnadeln
  • Taschenmesser
  • Zahlenschloss
  • Zehn Passfotos für Anträge etc.

Das Alpha und Omega. Wichtiger als Schutzwesten und Satellitentelefon und alle anderen Tipps zusammen. Du vertraust ihm dein Leben an.

Jeder Festangestellte ist bei einem Unfall in einer Berufsgenossenschaft (BG) versichert, auch im Krisengebiet. Freie sollten bei der BG nachfragen. Für normale Erkrankungen sollte man noch eine Auslandskrankenversicherung haben.

Beauftragende Redaktionen sind sich häufig selbst nicht über die Möglichkeiten und die Notwendigkeit von Versicherungen für Freie im Klaren. Medien wie Focus, Gruner+Jahr und Die Zeit haben jedoch durchaus schon Freie krisenversichert. Häufig aber nur nach Nachfrage. Tipp: Policen zeigen lassen.

Über die Autoren

Wolfgang Bauer, 40 Jahre alt, arbeitet seit 1994 als freier Journalist für Medien wie Stern, Focus und Die Zeit. Seine Reportagen führten ihn unter anderem nach Bagdad, Afghanistan China und Haiti. Jonathan Stock, Jahrgang 1983, reist gerne auf eigenen Faust in Krisenregionen. Zwischendurch arbeitete er als Reporter für Spiegel Online.

 

Mehr zum Thema: journalist-Autor Jan Söfjer beschäftigt sich hier mit den Schwächen des Kriegs- und Krisenjournalismus in Deutschland.

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