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verfasst am

29.07.2010

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Mehr zum Thema

Genug Erfahrungen im Praktikum gesammelt? Mehr als 30 Redaktionsadressen und Ansprechpartner für Volontariate gibt's in der journalist-Adressdatenbank. weiter

Zum Weiterlesen

Elke Ahlswede: Praktikum! Wegweiser Journalismus. UVK 2010

Journalist/in werden? Hgg. vom Deutschen Journalisten-Verband, 2008/09

Heidi Keller/ Nadine Nöhmaier: PraktikumsKnigge. Leitfaden zum Berufseinstieg, 2005

Um schon im Vorfeld ein sinnvolles Praktikum von einem nutzlosen zu unterscheiden, sollte man sich die ausgeschriebene Stelle genau ansehen.

Berufseinstieg

Lernen oder langweilen? Wie man das richtige Praktikum findet

Kaffee kochen, kopieren, zugucken – Ein gutes Praktikum sieht anders aus. Wie man als Bewerber seriöse Redaktionen von dubiosen Angeboten unterscheiden kann, zeigen die Praktikums-Checklisten.

Viele Wege führen in den Journalismus – aber es ist nicht leicht, den richtigen Einstieg zu finden. Voraussetzung für eine journalistische Laufbahn sind praktische Erfahrungen. Im Internet finden sich zahlreiche Ausschreibungen für Praktika in der Medienbranche, doch die guten Stellen sind rar. Um im Dschungel der Angebote seriöse Redaktionen von ausbeuterischen unterscheiden zu können, reicht es nicht, nach Größe und Renommee des Unternehmens zu gehen. Die Checklisten helfen Bewerbern dabei, sich klar zu machen, was sie von ihrem Praktikum erwarten. Wer mehr lernen möchte als Kaffee kochen und über die Schulter gucken, sollte die Stelle nach folgenden Kriterien prüfen:

Eindrücke

Handelt es sich um ein in der Branche bekanntes und akzeptiertes Unternehmen?

Stellt das Unternehmen Journalistik-Studiengängen oder Journalistenschulen regelmäßig Praktikumsplätze zur Verfügung?

Steht die Zahl der Praktikanten in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Redakteure (bei Volontariaten gilt eins zu vier als Mindestquote)?

Gibt es eine schriftliche Vereinbarung, in der Ort, Inhalt, Dauer, Stationen/Projekte, Ansprechpartner/Betreuer, Arbeitszeit, Haftungsfragen, Unfallschutz, Urheberrecht, Kündigungsfristen, Kostenerstattung, gegebenenfalls Vergütung und abschließende Bestätigung/Beurteilung des Praktikums fixiert sind?

Handelt es sich um ein rein journalistisches Praktikum, das bewusst von anderen Branchen (z. B. PR/Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Anzeigenakquise) trennt?

Ist der vereinbarte Zeitrahmen dem Zweck des Praktikums angemessen (bis zu sechs Wochen Schnupper-Praktikum bzw. vorgeschriebene Praxiszeit vor oder während des Studiums)?

Kann der Betriebsrat bestätigen, dass das Unternehmen nicht mit Kettenverträgen für Praktikanten arbeitet bzw. Praktikanten als Ersatz für reguläre Arbeitsverhältnisse beschäftigt?

Wenn das Unternehmen einen festen Ausbildungs-/Arbeitsplatz nach dem Praktikum verspricht: Ist es bereit, diese Zusage schriftlich zu fixieren?

Einblicke

Gibt es einen Arbeitsplatz mit der erforderlichen technischen Ausstattung?

Steht ein fester Ansprechpartner zur Verfügung?

Nimmt er sich Zeit für Gespräche/ Erklärungen/ Unterstützung?

Herrscht im Redaktionsteam ein positives Klima für Auszubildende und Praktikanten?

Vermeidet die Redaktion, Praktikanten mit unbeliebten, gar berufsfremden Arbeiten zu beschäftigen?

Werden grundlegende Informationen über das Unternehmen und die journalistische Arbeit vermittelt?

Ist es möglich, sich sukzessive an der journalistischen Arbeit zu beteiligen?

Können kleinere Projekte auch selbstständig bearbeitet werden?

Werden Arbeitsergebnisse nach journalistischen Qualitätskriterien durchgesprochen, korrigiert und um Anregungen ergänzt?

Werden eigene Arbeitsanteile an Gemeinschaftsprojekten erkennbar ausgewiesen?

Lässt das Arbeitsaufkommen genügend Zeit für Einblicke ins berufliche Umfeld?

Wird man kollegial ins Team einbezogen (informelle Gespräche, Konferenzen, gemeinsame Mahlzeiten, Umtrunk)?

Gibt es Honorar für einzelne Veröffentlichungen oder eine finanzielle Vergütung der Praktikumszeit?

Werden Sach- und Fahrtkosten erstattet?

Gibt es ein Abschlussgespräch und eine schriftliche, qualifizierte Beurteilung?

Ausblicke

Hat das Praktikum seinen Zweck erfüllt?

Hat das Praktikum den eigenen beruflichen Horizont und die Fachkenntnisse erweitert?

Falls es entsprechende Zusagen gab: Mündet das Praktikum tatsächlich in einen festen Vertrag?

Verbessert das Praktikum die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Bietet das Unternehmen seine Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz an?

Lässt sich der Kontakt zum Unternehmen fortsetzen und ausbauen?

Gibt es verlässliche Ansprechpartner und neue Kontaktadressen in Berufsfragen?

Können journalistische Produkte aus dem Praktikum bei Bewerbungen als Arbeitsproben vorgelegt werden?

Zum Schluss noch ein paar Tipps...

Neben Journalistikstudium und Journalistenschule ist das zweijährige Volontariat die gängige und tariflich fixierte Ausbildungsform im Journalismus. Darauf achten auch spätere Arbeitgeber. Ausbildungsformen, deren Anbieter den Begriff "Volontariat" oder besser noch "Redaktionsvolontariat" meiden und an deren Stelle "Praktikum", "Hospitanz" oder "Redaktionsassistenz" verwenden, sind in der Regel nicht anerkannt – auch wenn sie zwei Jahre dauern.

Da auch im Medienbereich die an sich sinnvolle Institution "Praktikum" zunehmend missbraucht wird, um den engagierten Nachwuchs auszunutzen und dafür reguläre Arbeitsverhältnisse abzubauen, sollte jeder künftige Journalist wissen:
(Mehrere) Praktika ersetzen keine Berufsausbildung. Unentgeltliche Arbeitsleistung bringt kein journalistisches Renommee und führt nicht in die hauptberufliche Professionalität. Dass sie überdies keine Existenz zu sichern vermag, versteht sich von selbst.

Unternehmen, die auf kostenloser oder gering entlohnter Arbeit aufbauen und ihr reguläres Personal dafür abbauen, sind generell keine verlässlichen Geschäftspartner. An sie die Hoffnung auf einen professionellen Einstieg zu knüpfen kann leicht ins journalistische Abseits führen.

Wenden Sie sich im Zweifelsfall an den DJV. Adressen unter www.djv.de.

 

Dies ist ein Auszug aus der DJV-Broschüre Checkliste Journalistisches Praktikum.

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