Detail-Informationen

Autor

Michael Hirschler

verfasst am

24.08.2011

im Heft

journalist 4/11

facebooktwitterdel.icio.usMister Wongdigg.comaddthis.comMa.gnolia

Kontakt und weitere Informationen

Informationen rund ums Urheberrecht gibt es auf der DJV-Website und bei Referent Michael Hirschler
Telefon: 0228/20172-18
E-Mail: hir(at)djv.de

Freie Journalisten

Meins oder deins?

Um zusätzliches Einkommen zu erzielen, müssen freie Journalisten ihre Themen und Beiträge mehrfach verwerten. Unter welchen Umständen das bei Texten möglich ist, erklärt DJV-Freien-Referent Michael Hirschler.

Zeitungen: Vergütungsregeln

Grundsätzlich gelten für alle Medienbereiche die Regelungen des allgemeinen Vertrags- und Urheberrechts. Nach den seit einem Jahr geltenden gemeinsamen Vergütungsregeln (die das Urheberrecht konkretisieren) wird einem Zeitungsverlag in der Regel ein Erstdruckrecht im Verbreitungsgebiet eingeräumt. Wer einen Beitrag an das Göttinger Tageblatt liefert, kann den Beitrag daher am gleichen Tag auch an die Bergedorfer Zeitung und den Bonner General-Anzeiger liefern. Wer dagegen der FAZ einen Beitrag liefert, muss das Erscheinen der FAZ abwarten, bevor er den Beitrag weiterverwertet.

Wer Informationen zeitgleich in sich überschneidenden Verbreitungsgebieten anbieten will, sollte daher gleich beim Angebot darauf aufmerksam machen, dass nur ein Zweitdruckrecht angeboten wird.

Nicht wenige Zeitungsverlage – so auch die FAZ – zeigen sich derzeit offenbar immer noch von den neuen Vergütungsregeln unbeeindruckt und verweisen weiterhin auf ihre eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), nach denen sie umfangreiche und exklusive Nutzungsrechte an den Beiträgen erhalten. Der DJV hat gegen solche AGB bereits Verbandsklage eingereicht und steht damit mittlerweile vor dem Bundesgerichtshof.

Die unteren Gerichte haben bisher nicht infrage gestellt, dass Verlage sich in ihren AGB das exklusive und umfangreiche Nutzungsrecht einräumen lassen. Sie monierten lediglich das Fehlen klarer Regelungen über eine angemessene Beteiligung der freien Autoren.

Zeitschriften: In der Regel ein Jahr

Bei Zeitschriften ist die Situation anders. Mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger wird noch über die Vergütungsregeln verhandelt. Auch die Rechtslage ist für die Freien grundsätzlich ungünstiger. Hier gilt schon nach dem Gesetz, dass ein Nutzungsrecht bei Zeitschriften im Zweifel für ein Jahr lang exklusiv eingeräumt wird, sofern vorher nichts anderes vereinbart wurde.

Freie, die ihre Beiträge weiterverwerten wollen, müssen daher bei Vertragsabschluss, spätestens bei Lieferung vereinbaren, dass sie nur ein nichtexklusives Nutzungsrecht einräumen. Als Kompromiss ist zum Beispiel denkbar, die Lieferung an die wichtigsten Wettbewerber auszuschließen und ein Erstnutzungsrecht mit Exklusivität für den Erscheinungsmonat zu vereinbaren.

Wenn Zeitschriften AGB verwenden, besteht die gleiche Problematik wie bei Zeitungen. Auch hier gibt es Klageverfahren des DJV.

Online: Verhandlungssache

Im Onlinebereich, auch in Online-Auftritten von Zeitschriften, stellt sich das Problem einer einjährigen Exklusivität nicht. Vielmehr ist auch hier alles Verhandlungssache. Freie sollten daher die eingeräumten Nutzungsrechte bei Angeboten genau definieren. "Gierige" AGB von Online-Medienhäusern können zudem unwirksam sein, wenn sie keine klaren Beteiligungsregeln für Freie enthalten.

Eigene Geschäftsbedingungen

In der Praxis ist es ratsam, bereits bei Vertragsschluss die eingeräumten Nutzungsrechte einzuschränken. Freie sollten versuchen, in eigenen Geschäftsbedingungen klare Regelungen festzulegen. Etwa mittels solcher Klauseln:

"Sie erhalten ein Zweitdruckrecht/ Zweitveröffentlichungsrecht am anliegenden Beitrag."

"Sie erhalten den Beitrag zur Erstnutzung im Verbreitungsgebiet Ihrer Zeitung am … / x-te Kalenderwoche."

"Der Beitrag wird exklusiv für den Erscheinungsmonat angeboten."

Über den Autor

Michael Hirschler ist Jurist und arbeitet in Bonn als Referent für den Bereich freie Journalisten im Deutschen Journalisten-Verband.

  Mehr Tipps für Freiberufler

Folge 1    

Sechs gute Gründe – Welche Honoraransprüche haben Freie, wenn es zu keiner Veröffentlichung kommt?

Folge 2

Der 7-Punkte-Plan – Worauf müssen Freie achten, wenn sie ein Onlineportal gründen?

Folge 3

Eingezahlt – und doch kein Geld? Wie kommen freie Rundfunkjournalisten an Arbeitslosengeld?

Folge 5

Kosten fürs Homeoffice – Wie lässt sich ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen?

Folge 6

Coaching mit Geld vom Staat

Folge 7

7 oder 19 Prozent?

Folge 8

Investitionen schon vor dem Kauf von der Steuer absetzen

Folge 9

Gesetzlich oder privat krankenversichern?

Folge 10

Die wichtigsten Regeln zur Existenzgründung

Folge 11

Eigene Allgemeine Geschäftsbedingungen

Folge 12

Versicherungsschutz im Nebenjob

Folge 13

Arbeitszeugnis für freie Journalisten

Folge 14

Wann freie Journalisten haften

Folge 15

Wenn Journalisten krank werden

Folge 16

Als freier Korrespondent im Ausland arbeiten

Folge 17

Die 20-Stunden-Grenze – Was Studenten bei ihren Nebenjobs als freie Journalisten beachten sollten

Folge 18

Welche Konsequenz hat das Springer-Urteil für freie Journalisten?

Folge 19

Was bei der Altersvorsorge zu beachten ist

Folge 20

Wenn die Firma pleite ist

Folge 21

Mit der Arbeitszimmer Steuern sparen

Folge 22

Was der neue Rundfunkbeitrag kostet

Folge 23

Künstlersozialkasse ist Pflicht

Folge 24

Wenn freie Journalisten Mitarbeiter brauchen

Folge 25

Was freie Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wissen sollten

Folge 26

Starthilfe für freie Journalisten

Folge 27

Wie man ein Journalistenbüro gründet

Folge 28

Wie man ins Freiendasein startet

Folge 29

Als freier Journalist Steuern sparen

Folge 30

Der Honorar-Wegweiser

Folge 31

Was freie Journalisten über Versicherungen wissen sollten

Folge 32

Wenn freie Journalisten Urlaub machen

Folge 33

Wenn freie Journalisten auf Recherchereise gehen

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

16.07.2013 15:29

Michael Hirschler

@Sylvia Vagner

Im Manteltarifvertrag Tageszeitungen (djv.de/tarife) steht:

"Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses darf der Redakteur/die Redakteurin über seine/ihre Beiträge ohne Einwilligung des Verlages weiterverfügen, wenn seit dem Erscheinen mindestens 1 Jahr vergangen ist.
(...)

5. Rückrufsrecht
Übt der Verlag das Recht gem. Abs. 1, 3 nicht oder nur unzureichend aus und werden dadurch berechtigte Interessen des Redakteurs/der Redakteurin erheblich verletzt, so kann dieser/diese das Nutzungsrecht frühestens 6 Monate nach Ablieferung des Textbeitrages zurückrufen. Dies gilt nicht, wenn die Nichtausübung oder die unzureichende Ausübung überwiegend auf Umständen beruht, deren Behebung dem Redakteur/der Redakteurin
zuzumuten ist.

Der Rückruf kann erst erklärt werden, nachdem der Redakteur/die Redakteurin dem Verlag unter Ankündigung des Rückrufs eine angemessene Frist, die nicht mehr als 3 Monate zu betragen braucht, zur Ausübung der Rechte gem. Abs. 1, 3 bestimmt hat. Der Bestimmung der Frist bedarf es nicht, wenn die Ausübung der Rechte gem. Abs. 1, 3 dem Verlag unmöglich ist oder von ihm verweigert wird, oder wenn durch die Gewährung einer Frist überwiegende Interessen des Redakteurs/der Redakteurin gefährdet werden. Dem Verlag verbleibt stets ein einfaches Nutzungsrecht.

Der Redakteur/die Redakteurin darf nach erfolgtem Rückruf seine/ihre Rechte nur verwerten, wenn dies den berechtigten Interessen des Verlages nicht abträglich ist."

-----

Sie müssten Ihrem Verlag also vom Prinzip her eine Frist setzen oder sich direkt über die Nutzung einigen. Eine leichte Änderung von Texten hilft nicht; auch bei einer anderen Einleitung bleibt ein Text bei starken Ähnlichkeiten ein Plagiat bzw. die Nutzung unerlaubt.

09.07.2013 12:23

Sylvia Vagner

Aus meiner Zeit als angestellte Redakteurin bei einem Verlag stammt ein Beitrag, der dort nicht veröffentlicht wurde und auch nicht veröffentlicht werden wird. Kann ich diesen Beitrag, ev. leicht modifiziert, als künftig freie Jornalistin in einem anderen Verlag veröffentlichen?

 
Anzeige: 1 - 2 von 2.
 
Viavision
Viavision