Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

15.02.2012

im Heft

journalist 2/2012

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Mehr zum Thema auf journalist.de

Links zum Thema

  • Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verschickt jeden Monat einen Newsletter mit empfehlenswerten Seminaren.
  • Für freie Journalisten bietet der DJV Onlineseminare (Webinare) an. Zur Anmeldung geht es hier.
  • Informationen und Weiterbildungsangebote für Nordrhein-Westfalen gibt es auf der Seminarseite des DJV NRW
  • Hier geht es zum Seminarprogramm des Bildungs- und Sozialwerks im Bayerischen Journalisten-Verband (BJV)
  • Hier geht es zum Aus- und Weiterbildungskalender der Journalisten-Akademie des DJV Baden-Württemberg

 

 

Bild: journalist

Die Akademie der Bayerischen Presse (ABP), Bildungsarbeit seit mehr als 25 Jahren

Weiterbildung

Schritt halten

Wer im Beruf vorankommen will, sollte sich nicht auf einmal erworbenen Qualifikationen ausruhen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) setzt sich für die Weiterbildung von Journalisten ein und bietet auch eigene Seminare an. Ein Überblick.

Weiterbildung muss sein. Für Ulrike Kaiser ist das gar keine Frage, "weil sich sowohl die Medienlandschaft als auch die jeweiligen Themenfelder der Berichterstattung permanent ändern und entsprechende Herausforderungen stellen". Kaiser, die im DJV-Bundesvorstand für Bildungsfragen im Journalismus zuständig ist, weiß aber auch, dass der zunehmende Arbeitsdruck die Bereitschaft zur Weiterbildung nicht gerade fördert. Zumal, wenn in der Redaktion ein Seminarbesuch eher als "Arbeitsausfall" denn als Investition in die Zukunft angesehen wird.

Der DJV setzt sich indes schon lange für die berufliche Weiterbildung ein. Und würde es nach seinen Vorstellungen gehen, hätten die Redakteure längst einen tariflichen Anspruch darauf. Seit Auflösung des DJV-eigenen Bildungswerks im Jahr 2006 tritt der Dachverband zwar nicht mehr selbst als Akademie-Betreiber auf. Doch organisiert er weiterhin Schulungen für Personal- und Betriebsräte und seit 2010 auch sogenannte Webinare für freie Journalisten. Zudem gibt es überregionale Fachtagungen wie etwa Besser Online, die nicht nur Branchentrends diskutieren, sondern auch mit praxisnahen Workshops aufwarten. Überdies beobachtet und begleitet der DJV die journalistische Weiterbildung, erarbeitet Service-Informationen und verschickt einmal im Monat einen Bildungsnewsletter, der auch die Seminare seiner Landesverbände auflistet (zu bestellen auf www.djv.de).

Vor allem die mitgliederstarken und finanzkräftigen Landesverbände haben ihre Weiterbildungsaktivitäten in den vergangenen Jahren verstärkt. Der DJV Nordrhein-Westfalen hat 2009 eine Bildungsbeauftragte eingestellt, die sich um die Koordination mit externen Anbietern kümmert und auch selbst Seminare organisiert. Dagmar Thiel, die neben diesem Job auch als Journalistin arbeitet, sagt: "Wir bieten 12 bis 15 Seminare im Jahr an – eine Ergänzung zu den Angeboten der Weiterbildungsträger. Im vergangenen Jahr hatten wir 150 Teilnehmer." Besonders gefragt: Seminare, die fit machen im Umgang mit Social Media, sowie Kurse, die sich gezielt an Freie richten, mit Themen wie Akquise und Honorare.

Dank niedriger Seminargebühren kann sich die Zielgruppe die Weiterbildung auch leisten: 50 Euro zahlen NRW-Mitglieder für ein Tagesseminar; für Nichtmitglieder ist mindestens der doppelte Betrag fällig. Vorteile haben die Gewerkschafter auch, wenn sie eines der Seminare besuchen, die die Kooperationspartner des DJV-Landesverbands in die Datenbank gestellt haben: Es locken Rabatte zwischen 10 und 30 Prozent.

"Wir kooperieren derzeit mit neun Einrichtungen in NRW, erläutert Thiel im Gespräch mit dem journalist. Dazu gehören das Journalistenzentrum Haus Busch in Hagen, die MedienQualifizierung – Akademie für Hörfunk und Medien in Köln, die Evangelische Medienakademie in Düsseldorf und das Kölner Filmhaus. "Wir kennen die Institute und können unsere Mitglieder guten Gewissens dorthin schicken."

Für die Bayern ist die Akademie der Bayerischen Presse (ABP) nach wie vor das Zentrum der journalistischen Bildungsarbeit. Die ABP wurde 1986 vom Bayerischen Journalisten-Verband (BJV) und den regionalen Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerverbänden gegründet. Inzwischen stellt das Bildungs- und Sozialwerk des BJV jedes Jahr aber auch ein gutes Dutzend eigene Veranstaltungen auf die Beine. "In der Regel handelt es sich um Tages- und Abendseminare, die vor allem für freie und junge Journalisten gedacht sind", erklärt Christian Weiß, Bildungsbeauftragter des Landesverbands, der diese Aufgabe ehrenamtlich wahrnimmt.

Noch mehr Service

Die BJV-Tagesseminare kosten 85 Euro; wer ein Abendseminar besucht, muss lediglich 25 Euro zahlen. Das seien aber nur Einstiegsseminare, erklärt Weiß. Wie Dagmar Thiel legt er Wert auf die Feststellung, dass man mit solchen Initiativen den etablierten Bildungseinrichtungen keine Konkurrenz mache. Wer seine Kenntnisse vertiefen wolle, so betont Weiß denn auch, müsse sich schon bei der ABP anmelden. "Unsere Angebote verstehen wir lediglich als Ergänzung." Vor allem Themen, die im ABP-Programm nicht auftauchen, greift der BJV-Mann gerne auf; in diesem Jahr organisiert er etwa zum ersten Mal ein Burnout-Seminar.

Anders als Bayern und NRW verzichtet der Landesverband Baden-Württemberg darauf, den Mitgliedern zusätzliche Seminare zu offerieren. Schließlich hat er mit der Journalisten-Akademie (JA) vor 20 Jahren eine eigene Aus- und Weiterbildungsstätte aus der Taufe gehoben. Das Angebot der JA umfasst beispielsweise crossmediales Arbeiten, die Produktion von Audio-Slideshows und Video-Podcasts sowie Internetrecherche. Daneben gibt es die Journalistische Berufsbildung (JBB), die 1986 aus der Arbeitsgemeinschaft mit dem Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger entstanden ist. Sie konzentriert sich aber ausschließlich auf die Aus- und Weiterbildung von Tageszeitungsredakteuren.

Kleinere Landesverbände können sich naturgemäß auch nur in kleinerem Rahmen in der Bildungsarbeit engagieren. In Hamburg etwa gibt es seit 2008 einmal im Jahr den Netzwerktag für Freie. Die Akademie für Publizistik (AfP), deren Arbeit unter anderem der DJV Hamburg unterstützt, bietet in diesem Jahr zudem ein spezielles Förderprogramm für freie Journalisten in Hamburg. "Die halbe Miete", heißt es: Freie können sich die Hälfte der Seminarkosten, maximal 250 Euro, ersetzen lassen. Es sei ein seit Jahren diskutiertes Problem, sagte AfP-Direktorin Annette Hillebrand dem journalist, dass freie Journalisten kaum an den AfP-Kursen teilnehmen. "Wir wollen hier eine Brücke bauen."

In Berlin stellt der Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) zwar schon seit längerem spezielle Angebote für freie Journalisten auf die Beine. Detlef Witt-Schleuer will den Mitgliedern aber noch mehr Service bieten. Der Journalist, der im JVBB-Vorstand die Aufgaben des Bildungsbeauftragten wahrnimmt, hat eine Kooperation mit der Electronic Media School (EMS) in Potsdam initiiert. Die EMS qualifiziert Journalisten in der TV-, Radio- und Online-Arbeit. Sie arbeitet unter anderem eng mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg zusammen. Für JVBB-Mitglieder, so sagte Witt-Schleuer dem journalist, soll es künftig ebenfalls Trainings geben. Bei einer Auftaktveranstaltung in diesem Monat will der JVBB das Programm vorstellen.

In Bremen engagiert sich die DJV-Landeschefin Regine Suling persönlich für die Weiterbildung. Wenigstens einmal im Monat soll ein attraktives Seminarangebot zur Verfügung stehen. Etwa 40 Euro müssen Mitglieder für ein Tagesseminar zahlen. "Bei Nichtmitgliedern verlangen wir das Drei- bis Vierfache."

Große Probleme mit der Nachfrage von Seminaren gibt es in dünn besiedelten Regionen und speziell im Osten der Republik. Und das, obwohl dort die DJV-Seminare bisweilen sogar kostenlos angeboten werden. "Die Kollegen wollen keine langen Reisewege auf sich nehmen", glaubt Michael Hiller, Geschäftsführer des DJV Sachsen. Dass die Lage schwierig ist, bestätigt auch Wolfgang Marr, früherer Vorsitzender des Landesverbands Thüringen. Er verweist auf die wachsende Arbeitsbelastung in den Redaktionen und die zunehmend prekären Arbeitsbedingungen. Viele Journalisten hangelten sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag, und die Freien stünden unter dem Druck der ständigen Verfügbarkeit – für sie habe Weiterbildung keine Priorität.

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