31. Dezember 2015, 09:37 Uhr - von Matthias Daniel

Müssen wir hier über Anzeigen reden?

Ja, müssen wir. Wir müssen es schon deshalb, weil im Jahr 2016 nach unseren Informationen fast alle großen Verlage auf Native Ads setzen. Auf Anzeigen also, die sehr stark nach Inhalt aussehen. Auf Anzeigen also, die im Nachrichtenstrom einer Website mitlaufen. Auf Anzeigen also, die Themen aufgreifen, die auch von einer Redaktion kommen könnten. Und manchmal sogar kommen.

Pfui. Bäh. Das ist die nachvollziehbare Reaktion aus Journalistensicht. Denn welchen anderen Grund könnte es dafür geben, Anzeigen wie einen redaktionellen Inhalt erscheinen zu lassen, als den, die Leser täuschen zu wollen? Ihnen vormachen zu wollen, hier handele es sich um einen guten journalistischen Inhalt, tatsächlich bekommt er aber eine böse Werbebotschaft.

Das ist Printdenke.

Genauer gesagt ist es unsere Erkenntnis aus langer Print-Anzeigen-Erfahrung, dass man mit Anzeigen Schindluder treiben kann. Es ist unser Wissen darüber, dass es im Anzeigengeschäft abgekartete Deals, gekaufte Inhalte, getarnte Werbung gibt. Und das gilt natürlich inzwischen genauso im Onlinewerbemarkt.

Native Ads sind aber keine getarnte Werbung. Sie sind auch keine Schleichwerbung.

Native Ads haben in Deutschland einen dramatisch schlechten Ruf. Das ist erst mal gar nicht verkehrt. Denn eines ist völlig klar: Eine Redaktion, die Native Ads einsetzt, riskiert, ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Allerdings nur dann, wenn sie sich nicht an Regeln hält. In anderen Ländern ist diese Werbeform längst etabliert. New York Times, Guardian, Washington Post – sie alle setzen auf ihren Websites Native Ads ein. Bei der New York Times machen Native Ads inzwischen 20 Prozent des Digitalumsatzes aus. In den USA gibt es Prognosen, dass sich die Einnahmen über Native Ads bis 2018 verdoppeln werden.

In Deutschland werden sich Native Ads im Jahr 2016 flächendeckend durchsetzen.

Die Frage ist nicht mehr, ob Verlage Native Ads einsetzen. Die Frage ist, wie sie sie einsetzen. Und das wird auch entscheidend sein für die Frage, ob sie der Glaubwürdigkeit einer journalistischen Marke schaden. In der neuen journalist-Ausgabe können Sie herausfinden, ob Ihre Redaktion für Native Ads bereit ist. (Hier der Blendle-Link zur Titelgeschichte)

Und dann will ich hier noch kurz für zwei Sachen in eigener Sache werben:

 

  1. Seit November ist Frank Überall der neue Bundesvorsitzende des DJV. In unserem Interview im Januar-journalist äußert er sich erstmals ausführlich über sein Programm für 2016. (Hier der Blendle-Link zum Interview.)
  2. Unser Verlag startet im Januar zusammen mit der Hochschule Macromedia eine große Umfrage zur journalistischen Arbeitsweise im Digitalen. Wenn Sie Lust haben und 10 bis 15 Minuten Zeit mitbringen, können Sie hier teilnehmen

Ich wünsche Ihnen einen tollen Start ins neue Jahr.

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