01. Februar 2016, 09:17 Uhr - von Matthias Daniel, Chefredakteur

Weitermachen

Ratlosigkeit. Wir haben den ARD-aktuell-Chefredakteur in Hamburg getroffen.
Bild: Christian O. Bruch

"Ich weiß es nicht." Das ist die unbefriedigende Antwort von Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke. Die Frage lautete: Wie kommt man an die Menschen ran, bei denen Argumente nichts bringen? Wie können Redaktionen wieder mit jenen Leuten ins Gespräch kommen, die auf der Straße stehen und "Lügenpresse" rufen?

Ratlosigkeit.

Wenn wir ehrlich sind, hatten wir uns eine andere Reaktion von Gniffke erhofft, als wir den ARD-aktuell-Chef Mitte Januar zum Interview getroffen haben. Wenigstens eine Antwort, die ein bisschen Mut macht.

In dem Gespräch, das journalist-Redakteurin Svenja Siegert geführt hat (hier der Blendle-Link), geht es um Glaubwürdigkeit und Transparenz. Es geht um die Frage, was bei der Berichterstattung der ARD über die Silvesternacht in Köln falsch gelaufen ist, und wie die Tagesschau mit der massiven Kritik umgeht, die sie derzeit nach fast jedem großen Nachrichtenereignis überrollt.

Weitermachen wie bisher.

Das ist mit anderen Worten das, was Gniffke darauf antwortet. Und auch das hört sich ein bisschen ernüchternd und ernüchtert an.

Bei genauerem Hinsehen ist es das gar nicht. Gemeint ist: Wir müssen uns auf das journalistische Handwerk besinnen. Denn an den Eckpfeilern dieses Handwerks hat sich nichts geändert. Dazu gehört auch: Wenn Fehler gemacht werden, dann muss man sie benennen und daraus Konsequenzen ziehen.

Diese Aussage ist so banal, dass man sie kaum aufschreiben mag. Fehler passieren. Jeden Tag. Wir sind nicht deshalb Lügenpresse, weil wir Fehler machen. Wir wären Lügenpresse, wenn wir diese Fehler nicht mehr benennen würden und daraus lernten.

Die Krux ist, dass es genau hier für Journalisten anstrengend wird. Denn was passiert, wenn wir über Fehler in den Medien sprechen? Jede Kritik dient jenen, die es dafür halten wollen, als Bestätigung. Als Bestätigung dafür, dass Medien lügen, dass sie verschweigen, dass sie nicht glaubwürdig sind.

Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Selbstkritik und Reflexion nicht einschränken wegen der Befürchtung, solchen Leuten eine Vorlage zu geben, denen wir keine Vorlage geben wollen.

Applaus aus genau dieser Ecke bekommen wir möglicherweise für eine andere Geschichte dieser Ausgabe. Darin geht es um die ZDF-Doku Machtmensch Putin, die kurz vor Weihnachten ausgestrahlt wurde. Darin taucht ein russischer Soldat auf, der angeblich als Kämpfer in der Ostukraine eingesetzt wurde. Eine Tatsache, die Russland bis heute bestreitet.

Nach der Ausstrahlung im ZDF reagierte das russische Staatsfernsehen prompt – und behauptete, dieser Kämpfer sei gefakt. Der Fall wird als Beweis für die Propaganda des Westens aufgeblasen. Das ZDF widerspricht. Wenn man so will steht es Aussage gegen Aussage – und alle Medien in Deutschland berichten.

Moritz Gathmann und Maxim Kireev haben sich auf die Suche nach dem "falschen Separatisten" gemacht und ihn in Kaliningrad gefunden. Im journalist erzählen sie die Geschichte von Jurij Labyskin. Eine Geschichte, in der das ZDF nicht gut aussieht (hier der Link zum Text auf Blendle).

Noch mehr Fernsehthemen aus dem aktuellen journalist, der heute erscheint, finden Sie hier.

Derweil sitzen wir schon Mitten in den Planungen für unsere März-Ausgabe. Wenn Sie Ideen oder Themen haben, schreiben Sie mir einfach eine Mail.

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