Ein anonymer Post ist keine journalistische Quelle

„Etwas nicht zu melden, obwohl es kurzfristig gut klickt, kann langfristig die bessere Strategie sein", sagt Juan Moreno. Foto: privat

Juan Moreno ist Reporter und Podcaster. Er hat den Relotius-Betrug aufgedeckt und Regie bei der Haftbefehl-Dokumentation geführt. In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Er nennt drei Dinge, die dem Journalismus gut tun würden.

26.01.2026

Drei Dinge würden dem deutschen Qualitätsjournalismus guttun. Erstens: die Regel, dass anonyme Social-Media-Posts nicht mehr als Zitate für Artikel akzeptiert werden. Die Meinung von „Dauerbeschränkt007“ auf Reddit mag noch so schön zum eigenen Text passen, ein anonymer Post war und ist keine journalistisch brauchbare Quelle.
Punkt zwei: Der alte Spruch, wonach die Presse die Freiheit haben muss, alles zu sagen, damit einige Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun, ist nach wie vor richtig. Aus dieser Freiheit erwächst jedoch eine Verpflichtung. Redaktionen sollten für diverse Meinungen kämpfen und diese veröffentlichen, besonders wenn sie diese nicht teilen.
Drittens: Menschen ohne Unterlass mit „News Alerts“ in Daueraufregung zu versetzen, ist Marketing, nicht Journalismus. Trumps kognitive Flatulenz ist bekannt, man muss nicht jede Duftnote vermelden. Etwas nicht zu melden, obwohl es kurzfristig gut klickt, kann langfristig die bessere Strategie sein.

Juan Moreno ist Reporter und Podcaster. Er hat den Relotius-Betrug aufgedeckt und Regie bei der Haftbefehl-Dokumentation geführt.