Glaubwürdigkeit zurückgewinnen
„Der Journalismus ist in einer Glaubwürdigkeitskrise", sagt Meike Schreiber. Foto: Niklas Keller
Meike Schreiber berichtet für die Süddeutsche Zeitung als Banken-Korrespondentin vom Finanzplatz Frankfurt. In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Schreiber sagt: Journalistinnen und Journalisten müssen Vertrauen zurückgewinnnen.
19.02.2026
Der Journalismus ist in einer Glaubwürdigkeitskrise. Vier Anregungen, um Vertrauen zurückzugewinnen:
1. Kritik ernst nehmen, nicht abtun
Wer nach einem kritischen Artikel Gegenwind bekommt, neigt zu Floskeln wie „Getroffene Hunde bellen“. Doch solche Reflexe sind bequem und gefährlich. Statt Kritik pauschal abzublocken, sollte man sie prüfen: Ist sie haltlos? Oder stecken berechtigte Punkte dahinter?
2. Provokation braucht Substanz
Pressekonferenzen sind für harte Fragen da, die muss man auch stellen, ohne sich zu entschuldigen. Aber: Provokation um jeden Preis, nur um eine spannende Reaktion zu provozieren, schadet dem Image. Sie nährt das Vorurteil, Journalisten ginge es nicht um die Sache, sondern um Selbstinszenierung.
3. Gegenargumente sind kein Makel
Ein Artikel wird nicht schwächer, wenn er valide Gegenpositionen zum eigenen Spin zulässt. Im Gegenteil: Leser erwarten Ausgewogenheit und vertragen sie auch. Wer nur eine Perspektive bedient, verliert auf Dauer an Überzeugungskraft.
4. Skandale sind kein Sport
Kritische Berichterstattung ist kein Selbstzweck. Journalisten sollten nie den Eindruck erwecken, sie freuten sich über Korruption oder Missmanagement. Wenn etwas schiefgeht, wird darüber berichtet, weil es nötig ist. Dass viele Menschen das Gefühl haben, nichts funktioniere mehr in Deutschland, macht die Aufklärung nicht überflüssig, sondern umso wichtiger.
Meike Schreiber berichtet für die Süddeutsche Zeitung als Banken-Korrespondentin vom Finanzplatz Frankfurt.