Ist die Journalistenschule eine Jobgarantie?

„Prestige zahlt keine Miete", sagt Carlott Bru. Foto: Amelie Niederbuchner

Growing up online: Früher dachte ich: Wenn ich erst an der Journalistenschule bin, stehen mir alle Türen offen. Jetzt endet die Schulzeit und ich frage mich, ob das stimmt.

Text: Carlott Bru

08.04.2026

14 Praktikumsbewerbungen habe ich zwischen 2020 und 2022 geschrieben. Einen Platz ergattert? Bei keinem. Damals wollte ich den Journalismus aufgeben, obwohl ich schon so viel Zeit investiert hatte: 69 Tage crossmediale Ausbildung, fast ein Jahr in journalistischen Praktika, zwei Nebenjobs mit redaktioneller Tätigkeit.

Zu der Zeit war die Journalistenschule wie mein Fixstern in der rauen Medienbranche. Ich glaubte: Wenn ich an die Journalistenschule komme, dann habe ich es geschafft. Menschen, die an Journalistenschulen waren, das sind die Menschen, die Jobs bekommen, denen vertraut wird, die fair bezahlt werden. Es war wie ein Versprechen an mich selbst, ein Gütesiegel. Dann bleibt keine Mail mehr unbeantwortet, passé die Unsicherheit. Who can make it there, can make it anywhere.

Jetzt, wo meine Schulzeit endet, merke ich: Ganz so ist es nicht.
Wenn wir Schüler uns am Wochenende treffen, zum Chips essen und Tatort judgen (die Schnittbilder! Die Character Developments! Das Script!) sprechen wir auch viel über unsere Zukunft. Vor ein paar Monaten führten wir Gespräche darüber, welche strategische Wahl wir für unser letztes Praktikum treffen. Ein paar Kriterien, die einige besonders berücksichtigt haben: Fehlt jemand mit meinen Skills? Baut das Unternehmen künftig Stellen auf? Wie steht es um die wirtschaftliche Lage? Sinken die Abozahlen? Zweitrangig sind Arbeitsort, 

Einstiegsgehalt, Benefits und Arbeitsklima. Wie wenig GenZ-ig von uns.
Inzwischen schicken wir uns Stellenausschreibungen hin und her, scrollen heimlich während des Unterrichts durch LinkedIn und sliden Redakteuren in die Mails, um „mal einen Kaffee trinken zu gehen“. 

Ich gebe zu: Manches ist leichter geworden durch den Stempel Journalistenschule. Ich habe viel gelernt, beherrsche den Job besser. Es ist sicherlich einfacher, freie Aufträge zu bekommen. Der Name hilft, die Ausbildung hilft, das Netzwerk hilft. Aber die Journalistenschule ist entgegen meiner Erwartungen kein Endpunkt, nach dem alle Probleme verschwinden. 
Selbst nach einer Elite-Ausbildung kriecht die Jobangst in unsere Köpfe. Zum Beispiel, wenn ich von einer Bekannten höre, dass aus dem letzten Jahrgang der Henri-Nannen- Abgänger gefühlt nur die Hälfte einen Job hat – befristet. Meine Sorgen sind nicht mehr so roh wie früher, aber sie verschwinden nicht.

Die eigentliche Ernüchterung ist also nicht, dass die Journalistenschule nichts bringt. Im Gegenteil. Sie ist eine enorme Chance. Aber sie schützt einen nicht vor den Grundproblemen dieser Branche. Prestige zahlt keine Miete. 

Ein guter Name garantiert kein gutes Einstiegsgehalt. Selbst an den Orten, die für Exzellenz stehen, lernen junge Journalisten eins: auch hiernach kannst du noch ein Abschlusspraktikum machen. Zum Glück werden wenigstens meine Praktikumsbewerbungen jetzt nicht mehr geghostet.

Carlott Bru ist GenZ-Moderatorin und Content Creatorin. Außerdem berät sie zu Social-Media-Strategien. Sie lernte Yoga in Indien, Journalismus in München und Kreativität in Berlin. Für uns schreibt sie auf, was sie in der Medienbranche beobachtet.