Journalismus als Schutzschild

„Nicht die radikale Provokation darf im Zentrum stehen, sondern wie unsere Gesellschaft widerstandsfähiger gegen Hass, Desinformation und autoritäre Verführungen wird", sagt Dana Buchzik. Foto: Caroline Pitzke

Dana Buchzik ist Journalistin und Kommunikationsberaterin mit den Schwerpunkten Radikalisierung und Demokratieschutz. In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Sie warnt davor, dass Populismus in den Medien normalisiert wird.

27.02.2026

Der Journalismus ist für Populisten ein strategisches Zielobjekt: Sie wollen unabhängige Berichterstattung durch Klagen behindern, durch „alternative“ Medien ersetzen oder gleich abschaffen. Jenseits solcher Frontalangriffe nutzen sie den Journalismus als Bühne – und genau dort entscheidet sich, ob Medien demokratische Resilienz schwächen oder stärken.
Viele Redaktionen halten am Irrglauben fest, man könne Populisten „inhaltlich stellen“. Sie werden in Talkshows eingeladen, auch wenn die Moderation deren Strategien rhetorisch nicht gewachsen ist – so wird Populismus normalisiert. Auf Demonstrationen wollen Reporter Teilnehmer vor laufender Kamera konfrontieren – so wird das „Lügenpresse“-Feindbild verstärkt. Ein Journalismus, der Resilienz stärken will, muss den Fokus von populistischen Provokationen hin zu den Bedürfnissen der demokratischen Mehrheit verlagern. Er darf das Publikum nicht mit inszenierten Skandalen alleinlassen, sondern muss erklären, wie Manipulation funktioniert. Es braucht Talkformate mit Live-Faktenchecks und sofortiger Einordnung. Es braucht Interviews mit Aussteigern, die zeigen, was Menschen wirklich zum Umdenken bringt. Nicht die radikale Provokation darf im Zentrum stehen, sondern wie unsere Gesellschaft widerstandsfähiger gegen Hass, Desinformation und autoritäre Verführungen wird. 


Dana Buchzik ist Journalistin und Kommunikationsberaterin mit den Schwerpunkten Radikalisierung und Demokratieschutz.