KI macht die Guten besser
„Journalist:innen werden nicht durch Maschinen ersetzt, sondern durch Journalist:innen, die bereit sind, Neues auszuprobieren", sagt Dennis Horn. Foto: Annika Graeff
Dennis Horn ist stellvertretender Programmchef des WDR Radiosenders 1Live und Mitgründer des WDR Innovation Hub. In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Er sagt, Redaktionen müssen KI gegenüber offen sein, um nicht abgehängt zu werden.
26.02.2026
Nach wie vor bringt dieser eine Satz von Jensen Huang, dem CEO des Chipherstellers Nvidia, alles auf den Punkt: „You‘re not going to lose your job to AI, but you‘re going to lose your Job to someone who uses AI.“
Wer schon heute regelmäßig KI-Tools einsetzt, als Sparringspartner, für Transkriptionen, zur Strukturierung umfangreicher Dokumente, fürs Lektorat, für die Zusammenfassung von Meetings und Pressekonferenzen oder andere alltägliche Arbeitsschritte, möchte sich nicht mehr vorstellen müssen, wie mühsam diese Arbeit noch vor einigen Jahren war.
Wir stehen damit an einem Punkt, an dem Künstliche Intelligenz unsere Art zu arbeiten, unsere Tools, unsere Workflows grundlegend verändert. Der eigentliche Wandel ist dabei – wie so oft – ein kultureller: Journalist:innen werden nicht durch Maschinen ersetzt (und dort, wo das passiert, halte ich das für einen Fehler, der sich irgendwann rächen wird), sondern durch Journalist:innen, die bereit sind, Neues auszuprobieren. KI nimmt uns Arbeit ab, aber nicht das Denken. Sie verschiebt die Grenzen dessen, was möglich ist, aber nicht die Verantwortung dafür.
Für Redaktionen bedeutet das: Kompetenzen werden neu definiert. Die Zukunft gehört denen, die beides können – das klassische und das neue Handwerk. Damit demokratisiert KI ganz nebenbei die Redaktion: Plötzlich ist nicht mehr wichtig, wer seit 20 Jahren dabei ist – sondern wer bereit ist, neue Fähigkeiten zu entwickeln.
KI macht die Guten besser. Und sie schafft Raum für das, was Maschinen nie leisten werden: Haltung, Einordnung, Empathie und echte Nähe zum Publikum.
Dennis Horn ist stellvertretender Programmchef des WDR Radiosenders 1Live und Mitgründer des WDR Innovation Hub.