Mehr Themen aus dem Ausland
„Journalismus kommt eine wichtige Rolle in unserer Demokratie zu", sagt Ricarda Lang. Foto: Grüne Bundesfraktion/Stefan Kaminski
Ricarda Lang ist Mitglied des Deutschen Bundestages für die Grünen. In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Lang wünscht sich mehr Berichterstattung über Themen aus dem Ausland.
23.02.2026
Frau Lang, wie kann Journalismus besser werden?
Ricarda Lang: Dafür sind aus meiner Sicht drei Dinge entscheidend: Erstens, Journalismus spricht bei politischen Themen zu oft vom Gewinnen und Verlieren. Aber darum geht es bei Politik ja gar nicht. Zweitens, Social Media hat verstärkt, dass Medien oft Themen wählen, die sich gut klicken. Es ging tagelang um den Merz-Kommentar dazu, dass er nicht in Belém leben wolle und kaum um die Klimakonferenz selbst. Drittens bräuchte es mehr Platz für Themen aus dem Ausland. Das sind vielleicht nicht immer die großen Aufreger, aber wir dürfen uns als Gesellschaft nicht abkapseln. Es ist wichtig, dass wir wissen, was um uns herum passiert.
Letztlich muss auch Journalismus Geld verdienen. Deshalb setzen Medien oft auf Klicks.
Das verstehe ich. Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen und fragen: Was sind wir bereit für Journalismus zu bezahlen? Ich kann mir auch eine Förderung des Print- oder Online-Journalismus gut vorstellen, wie es sie in anderen Ländern gibt. Und ich bin großer Fan des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Werden Medien ihrem Ruf als wichtige Stütze der Demokratie gerecht?
Dazu will ich erstmal loswerden: Medien sind uns Politikerinnen und Politikern nichts schuldig, aber sehr wohl den Bürgerinnen und Bürgern. Dem Journalismus kommt eine wichtige Rolle in unserer Demokratie zu. Er nimmt entscheidenden Einfluss darauf, mit wem wir als Gesellschaft worüber wie laut reden – worüber oder mit wem aber auch nicht. Offen gesprochen: Ich wünsche mir da mehr Selbstreflexion, insbesondere dahingehend, welche Debatten rückblickend vielleicht nicht so hätten angefeuert werden sollen.
Ist dafür noch der Raum in unserer schnelllebigen Zeit?
Wir müssen ihn auf jeden Fall schaffen. Es ist gut, dass Journalismus heute so schnell reagieren kann. Aber der Wettkampf darum, wer die Nachricht zuerst hat, darf die Qualität nicht beeinträchtigen. Vielleicht müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass sich Medien auch wieder mehr Langsamkeit erlauben können.
Was wünschen Sie sich persönlich von Medien?
Ich wäre schon glücklich, wenn ich in Interviews nicht mehr Fragen bekomme wie: „Warum haben Sie dieses oder jenes nicht durchgedrückt?“ Oder Kommentare wie: „Das ist ein Verrat an der Linie der Grünen, dass Sie hier eingeknickt sind.“ Politik lebt von Streit und Kompromissen. Nur weil Parteien Kompromisse schließen, heißt das nicht, man sei sich selbst untreu oder habe die Partei verraten.
Ricarda Lang ist Mitglied des Deutschen Bundestages für die Grünen.