Plattformen müssen sich an den Kosten der Erstellung von journalistischen Inhalten beteiligen
„Eine unabhängige Presse ist die Grundlage für eine faktenbasierte Debatte zur demokratischen Willensbildung", sagt Wolfram Weimer. Foto: BKM/Kay Henschelmann
Wolfram Weimer ist Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien.In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Weimer sieht den privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunk als wichtiges Fundament der Medienbranche.
26.01.2026
Eine unabhängige Presse ist die Grundlage für eine faktenbasierte Debatte zur demokratischen Willensbildung. Ihre Bedeutung zeigt sich gerade jetzt, da unabhängige Berichterstattung weltweit immer mehr unter Druck gerät. Gleichzeitig lässt sich Pressefreiheit nicht allein durch Gesetze absichern. Sie müssen flankiert werden durch Rahmenbedingungen, unter denen sich Pressefreiheit nachhaltig entfalten kann. Hierzu gehört die Refinanzierbarkeit journalistischer Inhalte.
Eine tragende Säule unserer Medienordnung ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Aber die privatwirtschaftlich finanzierten Medien müssen zukünftig die zweite Säule des journalistischen Angebots in Deutschland bilden können. Dafür brauchen wir faire Wettbewerbsbedingungen – vor allem gegenüber den großen Plattformen, die sich zu zentralen Torwächtern unserer Mediengesellschaft entwickelt haben. Sie bestimmen, was wir sehen, prägen Debatten und erzielen hohe Erlöse mit Inhalten, die andere erstellen. Deshalb tragen sie Verantwortung für die Inhalte ihres Medienangebots und für das mediale Ökosystem als Ganzes.
Wer in Deutschland mit journalistischen Inhalten Geld verdient, muss sich deshalb auch an den Kosten ihrer Erstellung beteiligen und damit seinen Beitrag leisten, um das freie, unabhängige Informationssystem aufrechtzuerhalten. Dies ist nicht nur eine Gerechtigkeitsfrage, sondern auch eine Schicksalsfrage für das Fortbestehen des freien Journalismus.
Wolfram Weimer ist Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien.