Umfrage: Wie geht’s dem Wirtschaftsstandort Deutschland?
Wir haben die vier Journalistinnen und Journalisten Martin Seiwert, Jessica Sturmberg, Marina Schweizer und Steffen Höhne gefragt, wie es um den Wirtschaftstandort Deutschland steht. Fotos: privat; Frank Beer; Michael Kirk; Stedtler/MZ
Vier Journalistinnen und Journalisten ordnen ein, wie es um die deutsche Wirtschaft steht und was sich ändern muss, damit sie zukunftsfähig bleibt.
Umfrage: Sana Strahinjic
24.07.2026
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„Klare politische Linie“
Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht unter Druck: Die erratische Politik Donald Trumps erschwert Planbarkeit, Kriege verteuern durch ihren Einfluss auf die Rohstoffmärkte unsere Energie, China überholt in Schlüsselbranchen wie Autoindustrie und Maschinenbau. Gleichzeitig sehe ich viele Firmen, die sich in der Transformation gut aufstellen. Entscheidend ist nun eine klare politische Linie, die nicht bei jedem Regierungswechsel neu ausgerichtet wird.
Jessica Sturmberg ist Wirtschaftsreporterin bei WDR und Deutschlandfunk.
„Zu viel Standort-Bashing“
Wir betreiben zu viel Standort-Bashing in der Berichterstattung, das entspricht nicht der Realität. Die Tesla-Werke in Grünheide zeigen, dass Deutschland schnell sein kann. Deutschland ist zweitgrößter Hersteller von E-Autos, das günstigste E-Auto von Volkswagen soll in Europa hergestellt werden. Deutschland und Europa bleiben Top-Standorte, wenn Bürokratie abgebaut und Märkte weiter liberalisiert werden – und Unternehmen sich Entwicklungen anpassen.
Martin Seiwert ist stellv. Ressortleiter Unternehmen & Technologie der Wirtschaftswoche.
„Olympia ändert nichts“
In der Debatte rund um eine Olympiabewerbung Deutschlands entsteht der Eindruck, solche Spiele könnten alle Probleme des Landes lösen, inklusive eines erhofften wirtschaftlichen Schubs. Aber: Dabei kann es nur um eine Grundstimmung gehen. Der bundesweite Investitionsstau wird durch Olympia weder aufgelöst, noch werfen Spiele das Geld für solche Investitionen ab. Wissenschaftlich ist kein langfristiger wirtschaftlicher Effekt für ein Ausrichterland nachgewiesen.
Marina Schweizer ist Sportredakteurin beim Deutschlandfunk, Schwerpunkt Sportpolitik.
„Schneller werden“
Vielen Automobilzulieferern und Chemiefirmen geht es schlecht, ihre Standorte leiden. In der Chip-Industrie in Dresden läuft es dagegen gut: Der Halbleiterhersteller TSMC siedelt sich an, damit entstehen tausende Stellen. Dennoch: Die deutschen Standorte fallen wegen hoher Energiepreise und zu viel Bürokratie zurück. Es dauert drei bis fünf Jahre, eine neue Fabrik zu bauen. Wir müssten runter auf zwei Jahre. Sonst wird China immer schneller mit seinen Produkten sein.
Steffen Höhne ist Wirtschaftsredakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung in Halle.