Wie wäre es mit einem Trusted Content Pool?

„Was, wenn Medienhäuser ihre Content Pools verbinden und darauf aufbauend KI-Services anbieten?", fragt Uli Köppen. Foto: Markus Konvalin

Uli Köppen ist Chief AI Officer beim Bayerischen Rundfunk. In unserer 75-jährigen Jubiläumsausgabe haben wir 75 Ideengeberinnen und Ideengeber nach ihren Gedanken zum Journalismus gefragt. Köppen schlägt vor, dass Medienhäuser in Zukunft KI-Services anbieten.

26.01.2026

Alle sprechen von Kooperation. Kein KI-Panel auf Journalismus-Bühnen ohne den Appell: Lasst uns zusammenarbeiten! Was, wenn darin nicht nur Schönheit, sondern auch echter Mehrwert und neue Produkte liegen?

Die Disruptionswelle im Journalismus fühlt sich gerade mal wieder groß an. Ein gewisses Krisengefühl gehört zur Branche, seit ich denken kann. Doch gerade stellen KI-Entwicklungen existenzielle Fragen an Sender und Verlage: Menschen suchen mit KI-Suchmaschinen und unterhalten sich mit Chatbots, die Distanz zwischen Publishern und Usern wird durch immer perfektere KI-Zusammenfassungen noch größer als in der Social-Media-Ära, und bei gewissen Themen bricht der Traffic ein, weil die Zusammenfassungen Links zu Original-Content verdrängen. Wie wollen Medienhäuser mit ihrer Marke und ihrem Content vorkommen in der KI-Medienwelt? Es gibt nicht die eine Lösung für alle. Die Haltungen differenzieren sich aus: Auf der einen Seite stehen Publisher, die ihre Daten fern von KI-Plattformen halten und vor allem auf Abo oder Login setzen. Auf der anderen Seite stehen Medienhäuser, die ihre Daten möglichst gut für KI-Plattformen konsumierbar machen. Sie sehen sich als Informationsprovider auf künftigen Datenmarktplätzen.

Bei allen Unterschieden zwischen Geschäftsmodellen und Medienmarken lohnt es sich, den Fokus auf ein Alleinstellungsmerkmal zu richten, das viele Medienhäuser eint: Wir bieten vertrauenswürdige Inhalte an. Das kann die Basis für eine neue Form der Zusammenarbeit sein. Ich werfe die Idee des Trusted Content Pools in den Ring: Was, wenn Medienhäuser ihre Content Pools verbinden und darauf aufbauend KI-Services anbieten? Nicht als Konkurrenz zu ChatGPT, sondern als Mehrwert auf den eigenen Angeboten. Wir haben das ausprobiert: ein Chatbot zum Oktoberfest, basierend auf ARD- und Ippen-Quellen sowie der Stadt München. Was wir gelernt haben: Die Bot-Antworten wurden besser durch mehrere Quellen. Und wir haben den Vorteil, unseren Nutzenden sagen zu können: Wir kennen die Quellen, sie sind geprüft. Eine Wette: Dieses Produktversprechen wird in Zukunft noch mehr wert werden, auch für journalistische Produkte auf KI-Plattformen. Ein guter Grund für Kooperation.

Uli Köppen ist Chief AI Officer beim Bayerischen Rundfunk.