Floskel des Monats

Alles Gute zum Geburtstag!

01.02.2021

Mit dieser Ausgabe wird nicht nur der journalist 70 Jahre alt, vor fünf Jahren erschien an dieser Stelle auch die erste „Floskel des Monats“. Damals hatte es das Blutbad den Medien angetan: Hintergrund war der Terroranschlag im US-amerikanischen San Bernardino. Das schiefe Sprachbild verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Nachrichten. Doch dann wurde es glücklicherweise wieder seltener: Wenn wir in das Zeitungskorpus des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache blicken, erstaunt der deutliche Abwärtstrend von einst rund 600 Treffern im Jahr 2015 auf etwa 30 Treffer im Jahr 2020. Ob die Floskelwolke dazu beitrug? Wir sind vorsichtig optimistisch.

 

Aber zurück zu Floskeln, die an Geburtstagen, Jubiläen und sonstigen Feierlichkeiten fallen, die einerseits wohlwollend gemeint sein können, andererseits aber häufiger als überflüssig wahrgenommen werden. Der obligatorische Wunsch „alles Gute!“ gelingt noch floskelfrei. Auch „viel Liebe, Glück und Gesundheit!“ geht runter wie Butter, und „das Beste zum Wiegenfest!“ enthält gerade noch so viel Lametta, dass es nicht als antiquiert durchgeht. Doch ab hier wird es ungemütlich.

 

Spätestens, wenn nach dem „häppi Börsday!“ oder „herzlichen Glühstrumpf!“ der Paukenschlag „man soll die Feste feiern, wie sie fallen!“ folgt, wird man gezwungen, es ordentlich krachen zu lassen – oder gleich die Sau rauszulassen.

 

Auch in den Redaktionen werden bei Jubiläen gern ausgelutschte Sprachbilder hervorgekramt und ultimative Lobhudeleien vorgetragen. Das junge Redaktionsmitglied wird bei passender Gelegenheit von den Chefs zum Redaktionsbaby geadelt, das „nicht mehr wegzudenken“ sei und „fest zum Inventar“ gehöre. Lustigerweise werden sie selbst eher selten mit Redaktionsoma oder Redaktionsopa angesprochen.

 

Wenn Persönlichkeiten längst verstorben sind, wird weiter mit der Sprache geschludert. Angeblich soll im nächsten Jahr „Sepp Herberger anlässlich seines 125. Geburtstags mit einer Sonderbriefmarke gewürdigt“ werden, wie ein überregionaler Hörfunksender im vergangenen Monat vermeldete. So alt schon? Alle Achtung! Hauptsache, den Toten [sic!] wird gedacht. Und damit schließt sich der Kreis. Auf die nächsten 5 Jahre!

 

Wie sich Floskeln und Phrasen im Journalismus ausbreiten, machen Sebastian Pertsch und Udo Stiehl mit der sprach- und medienkritischen Floskelwolke sichtbar. Hier stellen sie Begriffe oder Formulierungen vor, mit denen KollegInnen besonders häufig danebenliegen.

 

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