FLOSKEL DES MONATS

klimaneutral

13.09.2021

Greenwashing ist ein probates Mittel, um sich oder sein Anliegen positiv der Öffentlichkeit zu präsentieren. Grün ist schließlich die Hoffnung und stets positiv konnotiert. Scheinbar jeder Gedanke wird mit einem frischen Apfelgrün bepinselt und auf sanftes Moos gebettet, während die PR-Strateg:innen aus Politik und Wirtschaft nachhaltige Bio-Nebelkerzen zünden. Das gelingt erschreckend gut.

 

Mittlerweile ist alles grün, angeblich sogar die CDU. Vielleicht täten wir Journalist:innen gut daran, die gezielte PR nicht eins zu eins zu übernehmen, sondern das vermeintlich verantwortungs- und umweltbewusste Verhalten kritisch zu hinterleuchten. Grün, grün, grün sind alle meine Wälder. Nun ja, waren sie früher mal. Man könnte mit Blick auf die zunehmende Hitze und Dürre polemisch betrachtet glatt annehmen, dass das früher Nachhaltige weniger nachhaltig war, als es stets propagiert wurde. Hätten wir doch mal auf die Wissenschaft gehört! Da­ran hat sich bis heute nichts geändert.

 

Dafür wird heute wie damals Holz verbrannt – nur heute wird es staatlich gefördert sogar noch als „klimaneutral“ etikettiert, obwohl diese Energiegewinnung besonders stark das Klima beeinflusst. Manch ein Energieversorger wirbt gar mit „klimaneutralem Heizöl“, und eine große Supermarktkette in Deutschland verkauft „klimaneutrale“ Plastikmüllbeutel. Nun ist Werbung das eine, Journalismus das andere. Eine besondere Blüte in Nachrichtenmedien ist auch die häufige Schlagzeile, dass eine Firma angeblich „klimaneutraler werden“ möchte, als gäbe es davon eine optimalste Steigerung.

 

Oft besteht die Gefahr, dass trotz drängender Fragen und Handlungsaufforderungen von und an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eher Meinungen statt Fakten präsentiert werden oder die Werke journalistischen Anforderungen nicht genügen: Wenn ein Unternehmen mit Klimaneutralität wirbt, aber auf Biegen und Brechen trickst, sollte dies benannt werden. Eine essenzielle Frage beim Thema Klimaneutralität wird nämlich zu selten beleuchtet: Wie intensiv senken die Unternehmen eigentlich ihre eigenen Emissionen – oder erkaufen sie sich mit CO2-Zertifikaten über Kompensationsanbieter eine weiße Weste?

 

Wie sich Floskeln und Phrasen im Journalismus ausbreiten, machen Sebastian Pertsch und Udo Stiehl mit der sprach- und medienkritischen Floskelwolke sichtbar. Hier stellen sie Begriffe oder Formulierungen vor, mit denen KollegInnen besonders häufig danebenliegen.

 

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