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13. Februar 2020

Faktencheck des Monats

340.000 Likes für falsche Videos und Fotos auf Instagram

Größtenteils falsch: Der Instagram-Beitrag suggeriert anhand eines grausamen Videos und mehrerer Fotos, es handele sich bei den abgebildeten Menschen um inhaftierte Uiguren in China. Das stimmt nicht.

Instagram ist nicht gerade als eine Plattform bekannt, auf der politische Inhalte große Reichweiten erzielen. Auch wir im Faktencheck-Team beobachten schon einige Zeit, wie Desinformation auf dem Sozialen Netzwerk funktioniert, konnten aber lange keine wirklich viralen Beiträge ausmachen. Das hat sich im Dezember geändert.

 

Eine Leserin markierte uns unter einem Beitrag, in dem es um die Situation der inhaftierten Uiguren in chinesischen Internierungslagern ging – diese wurde kürzlich ja erst hinreichend durch Recherchen unter anderem der Süddeutschen Zeitung belegt. Im Instagram-Beitrag wurden nun ein Video und 13 Fotos gezeigt, die angeblich aktuelle, grausame Szenen aus diesen Lagern zeigen, oder zumindest im Zusammenhang mit dem Thema stehen: Darunter drei Männer, die ausgepeitscht werden und ein Mann, dem Augen und Mund zugenäht wurden. Darüber stand: „China aktuell – und die Welt schaut weg“. 340.000 Likes gab es dafür, nach gerade einmal drei Tagen.

 

Wir haben mit Hilfe der indonesischen Faktencheck-Organisation Liputan 6 und mit der taiwanesischen Organisation Taiwan FactCheck Center recherchiert und herausgefunden: Keines der Videos und Fotos zeigte nachweislich inhaftierte Uiguren in China. Das Video der drei Männer, die ausgepeitscht werden, stammt beispielsweise aus Indonesien und ist von 2016; das Bild des Mannes mit zugenähten Augen und Mund stammt aus Nottingham und ist von 2003, es zeigt einen iranischen Aktivisten.

 

In diesem Fall hat der Account den Beitrag einige Tage, nachdem wir unseren Faktencheck veröœentlichten, gelöscht. Künftig aber werden bei falschen Beiträgen, die wir auf Instagram sehen und prüfen, unsere Artikel verlinkt – denn wir kooperieren mit Facebook und Instagram, um die Reichweite von Desinformation auf den Plattformen zu verringern. ž



Das Recherchezentrum Correctiv geht mit einem Faktencheck-Team Falschmeldungen im Netz nach. Für den journalist erklärte Till Eckert diesen Monat eine Recherche.