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Das Stromparadox - die deutsche Energiewende zehn Jahre nach Paris
Studie des Monats: Eine Studie des Handelsblatt Research Institute zeigt: Deutschlands Stromverbrauch sinkt – obwohl alle Zeichen auf Elektrifizierung stehen. Wieso klaffen Erwartung und reale Entwicklung auseinander?
Die deutsche Energiewende zehn Jahre nach Paris: Öl ist knapp, Gas ist teuer, Unternehmen und Verbraucher sind verunsichert. Der Iran-Krieg hat die Energiekrise zurück nach Deutschland gebracht. Die neue Analyse Das Stromparadox - Die deutsche Energiewende zehn Jahre nach Paris des Handelsblatt Research Institute legt das Grundproblem offen: Die Stromerzeugung aus regenerativen Energien wächst nicht wie geplant; ein systematischer Elektrifizierungstrend ist empirisch nicht zu erkennen. Es fehlt schlicht an Stromnachfrage.
Die Gründe für das Stromdefizit liegen auf der Hand. Im Gebäudesektor fehlt ein klarer Pfad zu mehr strombetriebenen Anwendungen. Mit dem neuen „Gebäudemodernisierungsgesetz“ hat sich die Bundesregierung dafür entschieden, den Einbau von Gas- und Ölheizungen auch in Zukunft zu erlauben. Das schürt Unsicherheit bei Verbrauchern und Herstellern. Auch bei der Elektrifizierung des Verkehrssektors fehlt eine klare Strategie. Gerade mal zwei Millionen Elektroautos sind in Deutschland zugelassen. Trotzdem drängte die Bundesregierung bei der EU auf eine Lockerung des Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 – mit Erfolg. Letztlich hemmt jedoch eine diffuse Diskussion um Technologieoffenheit den Transformationsprozess.
„Ein systematischer Elektrifizierungstrend ist empirisch nicht zu erkennen. Es fehlt schlicht an Stromnachfrage.“
Erforderlich sind effiziente Regulierungseingriffe dort, wo der Markt die Probleme nicht durch seine Selbstregulierungskräfte lösen kann. Dazu wäre vor allem ein stärkeres systemisches Denken notwendig, denn die einzelnen Teilbereiche der Energiewende – Erzeugung, Transport, Speicherung und Anwendungen – wurden bislang zumeist isoliert voneinander betrachtet. Dadurch entstehen Probleme, beispielsweise, wenn der durch Arbitragegewinne getriebene Zubau von Batteriespeichern zur Überlastung des Stromnetzes führt. Systemisches Denken betrifft auch die Überwindung von Koordinationsproblemen, wie sie auftreten, wenn unabhängige Wirtschaftssubjekte komplementäre Investitionen tätigen müssen, die sich nur dann auszahlen, wenn sich andere Marktteilnehmer dazu passend verhalten.
Dieses spieltheoretische Dilemma lässt sich durch das Setzen von Fokalpunkten überwinden. Damit sind solche Strategien gemeint, die alle Spieler, wenn sie nicht miteinander kommunizieren können, dennoch unabhängig voneinander wählen, weil diese Lösung ihnen „herausstechend“ erscheint. Politische Zielvorgaben, etwa zum Einsatz von Wärmepumpen oder von Elektromobilität, können die Funktion solcher Fokalpunkte übernehmen.
Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group.
Download:
Handelsblatt Research Institute
Das Stromparadox
Die deutsche Energiewende zehn Jahre nach Paris
Stand: Januar 2026