Freie in Zahlen
Bei der diesjährigen Freien-Umfrage des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) wurden Themen wie Arbeits- und Honorarbedingungen und soziale Absicherung abgefragt.
Von Anfang Juli bis Anfang September lief die DJV-Umfrage unter den Freien. Knapp 600 Journalist*innen haben sich beteiligt: Hier im journalist stellen wir die wichtigsten Punkte aus einer Schnellauswertung vor.
Text: Michael Hirschler
01.10.2025
Nach der letzten großen Befragung 2014 hat sich der DJV nun wieder an Freie gewandt und nach ihren Arbeitsbedingungen gefragt. Der journalist zeigt hier exklusiv die ersten Ergebnisse:
Sprudelt das Geld im freien Journalismus?
Wer frei im Journalismus tätig ist, erzielt im Monat einen Gewinn von 2.325 Euro, wenn steuerlich selbständig gearbeitet wird. Wer – wie viele Freie in Rundfunkanstalten – „auf Lohnsteuerkarte“ frei arbeitet, verdient dagegen netto 2.964 Euro. Hierfür sind die Freien im Durchschnitt 35 Stunden in der Woche tätig.
Wie die Altersstruktur aussieht, spielt eine erhebliche Rolle
Der demografische Wandel beeinflusst die Untersuchungsergebnisse in erheblichem Maß. Denn mittlerweile sind 30 Prozent der Freien 61 Jahre und älter, während im Jahr 2014 nur 7 Prozent dieser Altersgruppe angehörten. Zum Beispiel in den Rundfunkanstalten gibt es aber Altersgrenzen für die Beschäftigung von Freien ab Rentenalter oder andere Mechanismen, die eine intensive Tätigkeit ausschließen. Das bedeutet, dass Ältere viel schwerer an gute Jobs kommen. In Zahlen: Ältere Freie arbeiten und verdienen im Durchschnitt weniger, nur 1.759 Euro beträgt ihr Monatsgewinn bei 33 Wochenstunden, während die Gruppe der bis zu 60-Jährigen auf einen durchschnittlichen monatlichen Gewinn von 2.552 Euro bei 36 Wochenstunden kommt.
Bekommen Freie noch Geld aus anderen Quellen?
Der statistische Gewinn und der durchschnittliche Nettolohn können aber nicht bei allen Freien mit dem Gesamteinkommen der einzelnen Person oder ihrer Familie/Partnerschaft gleichgesetzt werden. Denn nur für die Hälfte (51 Prozent) ist die freie Tätigkeit die einzige Einkommensquelle, wobei auch bei diesen Freien in elf Prozent der Fälle noch Einnahmen aus Vermietung oder Vermögen hinzutreten.
Ausschließlich im freien Journalismus zu arbeiten, wirkt sich aber für das Einkommen aus der freien Tätigkeit vorteilhaft aus: Bei denjenigen, die ausschließlich vom freien Journalismus leben, ist der Monatsgewinn 20 Prozent höher als beim Durchschnitt der Freien – 2.811 Euro bei den steuerlich Selbständigen. Natürlich ist auch der umgekehrte Schluss möglich: Wer Auftraggebende hat, die zu einem solchen höheren Arbeitseinkommen führen, wird sich keine anderen suchen müssen. Bei den Freien „auf Lohnsteuerkarte“ ist der Monatsgewinn mit 3.086 Euro ebenfalls etwas höher, wenn sie ausschließlich im freien Journalismus arbeiten.
22 Prozent bezeichnen die freie Mitarbeit als wichtige Einkommensquelle neben anderen. Etwas mehr als ein Drittel der Freien (34 Prozent) übt noch andere Tätigkeiten aus, das sind vor allem selbständige Tätigkeiten, einige haben auch feste Arbeitsverhältnisse. Die meisten dieser Arbeitsverhältnisse haben einen publizistischen Hintergrund, an vorderster Stelle stehen PR-Tätigkeiten.
Unterschiedliches Einkommen vom Geschlecht abhängig?
Wird nach dem Geschlecht differenziert, so verdienen Frauen in der steuerlichen Selbständigkeit 2.067 Euro bei 34 Wochenstunden und Männer 2.596 Euro bei 37 Wochenstunden. „Auf Lohnsteuerkarte“ verdienen Frauen 2.596 Euro monatlich und Männer 3.266 Euro.
Eine spezielle Auswertung für Freie, die sich als divers bezeichnen, ist nicht möglich, da das nur zwei Personen von 571 Teilnehmenden betrifft und die Datenschutzeinstellungen der Umfrage bei einer so kleinen Teilgruppe wegen der Gefahr der Identifizierbarkeit eine Auswertung nicht ermöglichen.
Wofür geben Freie Geld aus?
Die Betriebsausgaben bei Freien liegen bei 22,5 Prozent ihres Umsatzes. Größter Posten sind die Kosten für Computer- und Telekommunikation (Hardware) mit 58 Prozent. An zweiter Stelle stehen Ausgaben für Fahrtkosten (Pkw, Bahn) inklusive Kosten/Abschreibung für Anschaffung eines betrieblichen Fahrzeugs mit 54 Prozent. Kosten für Arbeitszimmer (auch Abschreibungskosten für Raum im eigenen Wohneigentum) stehen mit 45 Prozent an dritter Stelle. Ausgaben für Software und Online-Abonnements folgen mit 34 Prozent an vierter Stelle.
In welchem Medienbereich verdienst du am besten?
Die Beschäftigung mit Durchschnittswerten verdeckt die großen Unterschiede zwischen den Medienbereichen. Der monatliche Gewinn ist tatsächlich durchweg abhängig vom Medienbereich, in dem schwerpunktmäßig gearbeitet wird. Hier eine Tabelle:
Gewinn monatl. in Euro | Bezeichnung Auftraggebende |
3.920 | PR-Agentur |
3.458 | Firmen-/Verbandsmedien |
3.344 | Rundfunkanstalten |
2.819 | PR direkt für Firmen |
2.423 | Privatfunk |
2.260 | Social Media |
2.211 | Fachzeitschriften |
1.920 | Audiovisuelle Produktionsfirmen |
1.833 | Publikumszeitschriften |
1.606 | Onlinemedien |
1.590 | Tageszeitungen |
1.513 | Nachrichtenagenturen |
1.379 | Buchautor:innen |
1.150 | Ausbildung/Weiterbildung/Vorträge |
Scheinselbstständig?
58 Prozent der Freien arbeiten im klassischen Sinne selbständig, d.h. für mehrere Auftraggebende. 30 Prozent bezeichnen sich als feste Freie. Als arbeitnehmerähnlich elf Prozent, als Kleinstunternehmer mit bis zu einem Beschäftigten 22 Prozent und als Kleinstunternehmer mit zwei bis neun Beschäftigten ein Prozent. Acht Prozent der Freien schätzen sich als scheinselbständig ein.
Fast alle Freien arbeiten alleine (90 Prozent), die Arbeit in besonderen Rechtsformen bleibt die Ausnahme. Die meisten Freien (57 Prozent) haben zwei bis fünf Auftraggebende im Jahr, sechs bis zehn haben 18 Prozent, einen Auftraggeber haben 16 Prozent und mehr als zehn haben acht Prozent.
Honorar und Urheberrecht: Mehr Geld für mehr Nutzung?
Fast zwei Drittel aller Freien berichten, dass sie sich mit ihren Honorarforderungen immer oder häufig durchsetzen können, bei 30 Prozent ist das selten der Fall und nur bei sieben Prozent nie möglich. Aber wiederum nur 14 Prozent berichten darüber, dass sie ein Zusatzhonorar für Online-Nutzungen erhalten. Diese 14 Prozent sind schwerpunktmäßig in Rundfunkanstalten tätig.
Drei Viertel (76 Prozent) der Freien berichten, dass Zweit- und weitere Verwendungen für Online-Medien nicht gesondert vergütet werden. Bei 17 Prozent erfolgt das teilweise, und sieben Prozent bejahen das. Zwölf Prozent geben an, dass sie nach den Vergütungsregeln an Tageszeitungen bezahlt werden, 60 Prozent verneinen das, 33 Prozent geben an, das nicht einschätzen zu können. 24 Prozent werden nach den Freien-Tarifverträgen der verschiedenen Rundfunkanstalten bezahlt, knapp zwei Prozent nach dem Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Personen bei Tageszeitungen. Über die Hälfte der Freien (57 Prozent) erhält Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) von den Medien, für die sie arbeiten. 34 Prozent meinen, dass sie über diese AGB nicht verhandeln können. 28 Prozent vermuten, dass sie ihren Auftrag/Job los wären, wenn sie diese AGB in Frage stellen.
Versicherungslücke?
Soweit es um Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung geht, sind die Freien grundsätzlich abgesichert. So sind sie zu 61 Prozent in der Künstlersozialversicherung versichert, 15 Prozent werden über die Rundfunkanstalt als Beschäftigte versichert und 14 Prozent sind außerhalb der Künstlersozialkasse freiwillig gesetzlich oder privat abgesichert, bei den Übrigen kommt dann die Familienversicherung oder die Krankenversicherung der Rentenbeziehenden in Frage. Aber nur knapp 30 Prozent der Freien haben eine private Berufsunfähigkeitsversicherung, nur fünf Prozent sind in einer Berufsgenossenschaft abgesichert, die günstig Arbeitsunfälle im In- und Ausland versichert. Immerhin haben aber 32 Prozent eine private Unfallversicherung. Nur sechs Prozent haben eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen, knapp zehn Prozent sind über eine Rundfunkanstalt als Beschäftigte versichert. Durchschnittlich werden 780 Euro für die soziale Versicherung ausgegeben. Soziale Leistungen wie Arbeitslosen- oder Bürgergeld sowie Aufstockungszahlungen der Arbeitsagentur bezieht so gut wie niemand, 97 Prozent verneinen das.
Vergleich mit 2014: Arbeitseinkommen stagniert
Bei der großen DJV-Umfrage von 2014 wurde ein monatlicher Durchschnittsgewinn von 1.994 Euro angegeben. Wird davon ausgegangen, dass seitdem eine Inflation von 28 Prozent stattgefunden hat, hätte der Durchschnittsgewinn auf 2.555 Euro steigen müssen. Tatsächlich wurde jetzt ein Durchschnittsgewinn von 2.325 Euro ermittelt. Der Realgewinn der Freien ist damit auf den ersten Blick seit 2014 durchschnittlich um zehn Prozent gesunken. Dieses Ergebnis würde viele Freie nicht überraschen, denn vielerorts wurden Honorare seitdem nie erhöht, und die einzige Möglichkeit, das zu kompensieren, war Mehrarbeit oder andere Medienfirmen zu suchen. Doch der demografische Wandel mit dem hohen Anteil von Freien (fast ein Drittel der Freien) im Alter ab 61 Jahren muss beachtet werden. Ältere Freie arbeiten durchschnittlich nur 33 Wochenstunden und haben ein niedriges Einkommen, während jüngere Freie 36 Stunden wöchentlich tätig sind und auf durchschnittlich 2.552 Euro kommen, also im Prinzip das Durchschnittshonorar von 2014 plus Inflation. Im Jahr 2014 waren nur sieben Prozent ab 61 Jahren. Die deutliche Alterung der Berufsgruppe macht einen Vergleich mit dem Jahr 2014 also nur bedingt möglich. Es spricht viel dafür, dass eher von einem Stagnieren der Einkommen oder allenfalls leichtem Reallohnverlust gesprochen werden kann.
Erkennbare Gründe für schlechte Bezahlung von Frauen?
Der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern ist – wie auch 2014 – frappierend. Es spricht einiges dafür, dass hier vor allem Betreuungsprobleme eine Rolle spielen. Während 82 Prozent der Männer sagen, dass sie wegen der Betreuung von Kindern oder anderen Personen nicht weniger arbeiten, als sie wollten, sind das bei den Frauen deutlich weniger – 58 Prozent.
Michael Hirschler ist DJV-Referent für Freie und Bildjournalist:innen in Bonn.