Autorisierungsärger

Steingart-Interview erscheint geschwärzt

02.10.2019

Der journalist wehrt sich gegen massive Eingriffe bei der Autorisierung – und schwärzt bei einem Interview mit Gabor Steingart die Antworten komplett.

Beim Interview mit Gabor Steingart in Berlin schien noch alles in Ordnung. Dann kam die Autorisierung. (Foto: Jan Michalko)


Der journalist veröffentlicht in seiner Oktober-Ausgabe ein Interview mit Ex-Handelsblatt-Chef Gabor Steingart, in dem nur die Fragen lesbar sind. Sämtliche Antworten wurden hingegen geschwärzt. Gabor Steingart hatte seine Aussagen komplett zurückgezogen, nachdem die journalist-Redaktion bei der Autorisierung des Interviews die massiven Eingriffe und Änderungen Steingarts nicht akzeptiert hatte.

Die Autorisierung von Interviews ist ein üblicher Vorgang in Deutschland. Dabei bekommt der Interviewpartner seine Antworten vor der Veröffentlichung noch einmal zu sehen. Diese Praxis dient dazu sicherzustellen, dass alle Gesprächsäußerungen sachlich korrekt wiedergegeben sind und Fehler vermieden werden, die zum Beispiel durch Kürzungen entstehen können. Der Interviewte hat jedoch kein Recht, seine Aussagen im Nachhinein grundlegend zu ändern oder gar in die Fragen des Interviewers beziehungsweise der Interviewerin einzugreifen.

Genau das ist nach dem rund einstündigen Gespräch jedoch passiert, das Gabor Steingart mit journalist-Autorin Catalina Schröder Anfang September geführt hat. Steingart, der in Berlin gerade ein von Axel Springer unterstütztes Medienunternehmen aufbaut, schickte in der Autorisierung eine Version des Interviews zurück, die mit dem tatsächlich geführten Gespräch an vielen Stellen nichts mehr zu tun hatte. Nachdem die journalist-Redaktion diese Änderungen abgelehnt hatte und mehrere Versuche einer Verständigung gescheitert waren, ließ Steingart über seinen hinzugezogenen Medienanwalt Christian Schertz mitteilen, dass er seine Antworten komplett zurückziehe.

journalist-Chefredakteur Matthias Daniel kommentiert diesen Vorgang so: „Die Eingriffe von Steingart hatten mit Autorisierung nichts zu tun. Ich sehe sie als Versuch, Gesagtes im Nachhinein um- und neuzuschreiben.“ Für die journalist-Redaktion sei es ausgeschlossen, eine solche zurechtkonstruierte Interview-Version zu veröffentlichen. „Dann drucken wir lieber schwarze Zeilen“, so Daniel. „Dass Steingart dabei sogar versucht hat, in die Fragen der Autorin einzugreifen und diese zum Teil umzudichten, wirft ein düsteres Bild auf das Berufsverständnis eines Medienunternehmers, dessen Werbeslogan ‚100 Prozent Journalismus. Keine Märchen‘ lautet“, so der journalist-Chefredakteur.

Der journalist dokumentiert das gescheiterte Interview in seiner Oktober-Ausgabe. Hier können Sie unsere Fragen an Gabor Steingart nachlesen.

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